Grünbacher Schul-Konzept bekommt grünes Licht

Auch Falkensteins Stadtrat stimmt für den jahrgangsübergreifenden Unterricht, der in der Grundschule 2020/21 starten soll. Vor allem für die Lehrer ist das Projekt eine große Herausforderung.

Falkenstein/Grünbach.

CDU-Stadtrat Siegmar Lippold konnte zur jüngsten Falkensteiner Ratssitzung ganz persönliche Eindrücke vom jahrgangsübergreifenden Unterricht beisteuern, der künftig in Grünbach eingeführt wird. "Ich wurde selbst von 1956 bis 1964 in Trieb so unterrichtet", schilderte er. "Und das hatte nur Vorteile, es war sehr befruchtend. Man kann voneinander lernen und erwirbt große Selbstständigkeit." Auch Bürgermeister Marco Siegemund (CDU) lobte das Vorhaben, im Vorfeld hatte er sich zusammen mit Grünbachs Schulleiter Reimar Seifert informiert, wie der jahrgangsübergreifende Unterricht in Hauptmannsgrün läuft. "Ich war positiv überrascht", so Siegemund. Abgesehen davon habe man angesichts des Schülermangels sowieso keine Alternative. Einstimmig billigte der Rat die Einführung der neuen Unterrichtsform in Grünbach ab 2020/21 - die Stadt Falkenstein ist Schulträger. Es gilt eine Mindestlaufzeit von fünf Jahren, in der Kinder der Klassenstufen 1 und 2 in einer Klasse gemeinsam lernen, die der Klassenstufen 3 und 4 in der zweiten Klasse.

Zum einstigen DDR-Konzept gibt es etliche Unterschiede - doch auch Schulleiter Seifert (48) verweist darauf, dass die Selbstständigkeit "enorm" gefördert werde. Jedes jüngere Kind bekomme in der neuen Klasse einen älteren "Lernpaten", der ihm hilft. "Lernstarke Kinder können über den Tellerrand hinausschauen und sich den Stoff der höheren Stufe aneignen, Schwächere haben Zeit für Wiederholungen", so Seifert. Fünf Stunden pro Woche sind trotzdem "stufengleich", damit die Zweitklässler zum Beispiel nicht noch mal das Abc lernen müssen. Jedes Kind bekommt seinen eigenen Wochenplan und individuelle Lernziele. Das sei natürlich deutlich mehr Aufwand für die Lehrer, räumt Reimar Seifert ein: "Erst muss alles vorbereitet, anschließend alles kontrolliert werden. Aber alle Lehrer sind dafür offen." Momentan unterrichten in Grünbach außer ihm selbst vier Pädagogen.


Schon jetzt habe man an der Grünbacher Grundschule spezielle Erfahrungen, weil man als Stützpunktschule für Integration immer wieder Lernförder-Kinder aus der Auerbacher Parkschule unterrichtet, von denen einige den Übergang auf die Regelschule geschafft haben. Auch das Konzept der "Lerntheke" mit verschiedenen Wissens-Angeboten wird laut Seifert bereits in Grünbach umgesetzt.

In diesem Jahr wird noch konventionell eingeschult an Grünbachs Grundschule. Erst die Abc-Schützen von 2020 werden dann mit denen von 2021 in einer Klasse zusammengelegt. "Das Konzept ist verpflichtend für fünf Jahre - selbst wenn es ausreichend Kinder gibt, bleibt es bei der Zusammenlegung", verdeutlicht Reimar Seifert. "Wenn sehr viele kommen, müssten eine Klasse 1a/2a und eine 1b/2b gebildet werden." Tatsächlich könnten mehr Kinder von auswärts kommen, weil Ausnahme-Anträge für den Besuch von jahrgangsübergreifenden Schulen generell befürwortet würden, auch wenn die betreffenden Kinder in ganz anderen Schulbezirken wohnen. In Hauptmannsgrün habe es jedenfalls deutlich mehr Anmeldungen gegeben als erwartet.

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