Gymnasium Auerbach: Gespannte Ruhe seit der Amokdrohung

Am Goethe-Gymnasium in Auerbach endet ein von anonymen Belästigungen und einer Amokdrohung überschattetes Schuljahr. Die Polizei zeigt dort bis auf weiteres Präsenz.

Auerbach/V..

Die Abiturklassen sind ausgeflogen, die Abschlussfeier steht ins Haus. Einige Jüngere sind noch auf Exkursion, andere bereiten sich auf die Vogtlandspiele vor. Nächste Woche gibt es Zeugnisse. Dann ist Zeit zum Durchatmen, von Schülern und Lehrern ersehnt, deren Schulalltag zu einer heimtückischen Nervenprobe ausgeartet ist.

Vor vier Wochen tauchte auf einer anonymen Webseite eine Amokdrohung gegen das Goethe-Gymnasium auf, mitten in der Prüfungsphase zum Abitur. Vier Tage lang ruhte der Schulbetrieb. Dabei wurde publik, dass die Schulleiterin und mehrere Lehrer seit Monaten von Warenlieferungen belästigt wurden, die auf ihren Namen lauteten, offenbar um sie mürbe zu machen. Mal stand ein Pizzalieferant vor der Tür, mal ein Paketbote, nicht nur in Auerbach, sondern auch in anderen vogtländischen Orten und im Erzgebirge. Kein Kavaliersdelikt: Wer diese Art Nachstellung betreibt, riskiert eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Es gilt der Stalking-Paragraph im Strafgesetzbuch.


Nach der Amokdrohung machte die Polizei eine Handvoll Verdächtiger aus, vier Schüler und einen Vater. Aber der Verdacht erhärtete sich nicht. Alle Befragungen, das Auslesen elektronischer Geräte wie auch die Suche nach Waffen brachten keinen Schuldnachweis. "Die Ermittlungen werden weiterhin in alle Richtungen geführt", sagte gestern Thomas Walther, Sprecher der Plauener Staatsanwaltschaft. "Da die Spur der Internetdrohung zunächst auch ins Ausland weist, bedeutet die Suche nach dem Urheber einen gewissen Aufwand."

Die Webseite mit der Amokdrohung, die nach Anzeige vom Netz genommen wurde, war bei einem Webdienst außerhalb Deutschlands gehostet. Bildschirmfotos dieser Seite hatten sich in geschlossenen Facebook- und Whatsapp-Gruppen unter Schülern, Lehrern, Eltern verbreitet. Vor einigen Monaten soll in einigen Gruppen auch eine Seite mit Lehreradressen mitsamt einer Anleitung zur anonymen Fremdbestellung von Waren verbreitet worden sein, sagte ein Vater der "Freien Presse". Bilder mit Bestellnachweisen, etwa für Pizza auf den Namen der Schulleiterin, wurden in sozialen Medien geteilt. Noch Ende letzter Woche kursierte in einer Gruppe wiederum ein Link zu einem Youtube-Video, das am 27. Mai, einige Tage nach der Amokdrohung, hochgeladen worden war. Der Film enthielt eine weitere Drohung, sorgte abermals für Unruhe und wurde inzwischen vom Netz genommen.

Solchen "Nachwehen" zum Trotz liegt eine aktuelle Gefährdungslage seit drei Wochen nicht mehr vor. So lautet die Einschätzung der Polizei, die an der Schule weiter präsent sei, um das "subjektive Sicherheitsgefühl" zu stärken, wie Polizeisprecher Oliver Wurdak gestern sagte. Zwei Kommunikationsbeamte seien zudem im Schulhaus ansprechbar, berichtete Arndt Schubert von der Sächsischen Bildungsagentur in Zwickau. Schubert bestätigte eine Information aus Elternkreisen, wonach derzeit 14 von 53 Lehrern nicht auf dem Posten sind, eingeschlossen die Schulleiterin und ihr Stellvertreter. Nicht alle Ausfälle seien aber krankheitsbedingt, so Schubert. Klare Zusammenhänge zu den Machenschaften des unbekannten Täters seien nicht erkennbar.

Der Vater einer Schülerin sagte gestern, die Schüler steckten das Geschehen ganz gut weg. Wütend sei er über die kriminelle Energie. Alles werde auf dem Rücken der Lehrer und Schüler ausgetragen.

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