Händler leiden unter Baustelle: Laufkundschaft bleibt weg

Deutliche Umsatzrück-gänge verzeichnen Unternehmer an der Auerbacher Kaiserstraße. Ursachen dafür werden mehrere ausgemacht.

Vom Fenster seines Küchenstudios aus kann Karsten Jungnickel die Bauarbeiten beobachten.
Polier Jörg Bahrmann begutachtet die Arbeiten für die neue Trinkwasserleitung und den Abwasserkanal in der Kaiserstraße.

Für Sie berichtet: Lutz Hergert

Einer Steinwüste gleicht derzeit die Auerbacher Kaiserstraße zwischen dem Kreisverkehr und der Schulstraße. Die einstige Prachtstraße ist zur Großbaustelle geworden. Dort wird aktuell der Abwasserkanal neu verlegt. Die Folge: Auf den Fußwegen neben der aufgerissenen Piste sind kaum Menschen unterwegs - und das macht den Einzelhändlern zu schaffen. Sie beklagen fast unisono das Fehlen der Laufkundschaft. Die "Freie Presse" hat sich bei den Gewerbetreibenden der Straße umgehört.

Um 70 bis 80 Prozent sei der Umsatz in der Pizzeria Pronto seit Baubeginn Anfang Juni zurückgegangen. Das schätzt Baljinder Sing. "Es kommen kaum noch Kunden", sagt der Geschäftsinhaber. Er betreibt die Pizzeria seit etwa anderthalb Jahren. So wenige Kunden wie jetzt hat er noch nie gezählt. Sing will beobachten, wie die Lage in zwei, drei Monaten ist. Laufen dann die Geschäfte nicht wieder besser, muss er die Pizzeria schließen. Drei Personen würden ihren Job verlieren.

Phnong Lipfert muss in diesen Tagen viel Obst und Gemüse aussortieren, weil es welk ist. Der Grund: "Es kommt kein Mensch", sagt der Obsthändler aus dem Geschäft an der Ecke Mosen-/Kaiserstraße. Er betreibt es etwa seit dem Jahr 2000. Lipfert will versuchen, den bis Mai 2019 dauernden Straßenbau "irgendwie zu überstehen".

Genauso wie die Pizzeria und der Obst- und Gemüsehändler beklagt auch Fleischermeister Uwe Kunz die fehlende Laufkundschaft. "Sonst haben mal schnell Leute angehalten, die vorbeifuhren, ein Essen gekauft und sind dann weitergefahren." Er macht den Umsatzrückgang - in der Vorwoche lag er bei etwa 50 Prozent - aber nicht nur am Straßenbau fest: "Es ist sehr warm, da essen die Leute weniger", so Kunz. Außerdem sind Ferien und bei ihm kaufen oft Lehrer und Schüler aus der nahen Geschwister-Scholl-Oberschule und dem Goethe-Gymnasium ihr Essen. Aufgeben komme für Kunz nicht infrage. Er bietet neben Wurst und Fleisch auch Essen sowie Partyservice an und fährt alles aus.

Vorsichtig optimistisch, dass ihr Geschäft die Straßensperrung relativ problemlos übersteht, ist Bettina Hasenbein, Inhaberin des gleichnamigen Friseursalons: "Die Laufkundschaft ist weniger geworden. Wir vertrauen auf unsere Stammkundschaft." Der Salon befindet sich nahe dem Baustellenbeginn.

Karsten Jungnickel vom Küchen-Eck kann noch keine Zahlen über Einbußen nennen. "Das hängt aber davon ab, wie lange gebaut wird", erklärt der Geschäftsinhaber, der sein Küchenstudio seit 2004 betreibt. Die Bauleute seien schnell. Nach seiner Meinung sind nur manchmal zu wenige auf der Baustelle. Bleibt es weiter so trocken, schlägt der Küchenstudio-Betreiber vor, den Staub auf der Baustelle mit einem Wasserwagen zu befeuchten.

Jungnickel sieht indes eher Probleme in den geplanten Veränderungen rechts und links der Straße als im Fehlen von Kunden. Ihn stört vor allem, wo der neue Radweg platziert werden soll: zwischen der Straße und den Parktaschen. "Das ist gefährlich. Ich würde dort meinen Sohn nicht Rad fahren lassen", so Jungnickel. Radwege würden in Großstädten generell so angelegt, erklärt dazu Kerstin Petzoldt aus dem Bauamt der Stadt. Die Entscheidung über die Anordnung der Wege sei nach ihren Aussagen kein Auerbacher Alleingang gewesen. "Das hat eine Kommission festgelegt, in der neben der Stadt die Polizei und das Verkehrsamt des Vogtlandkreises vertreten waren", so Petzoldt.

Arbeiten dauern bis 2019

Eines der größten Bauprojekte Auerbachs ist derzeit der grundhafte Ausbau der Kaiserstraße. Die Arbeiten am Abschnitt vom Kreisverkehr bis zur Schulstraße haben im Juni begonnen und sollen im Mai 2019 beendet werden, sagt Kerstin Petzoldt aus dem Bauamt der Stadt. Im Winter soll für Anlieger eine Behelfszufahrt eingerichtet werden.

Ursprünglich sollten die Arbeiten bereits im März dieses Jahres beginnen. Der Baubeginn verzögerte sich, weil damals der Fördermittelbescheid nicht eingegangen war. Die Arbeiten des ersten Abschnitts sind mit 855.000Euro veranschlagt und werden zu 80Prozent gefördert.

Bei Fragen können die Bürger an der Bauberatung teilnehmen. Sie findet donnerstags ab 11.30 Uhr im Bauwagen statt.

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