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"Herz und Bauch": Awo Vogtland schickt Tochterfirma an den Start

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Seit Monatsbeginn rollt der Menüservice der Arbeiterwohlfahrt für die gemeinnütze Awo Vogtland Service GmbH. Während die Gewerkschaft die Ausgründung skeptisch sieht, setzt der Vorstand auf Wandel.

Auerbach.

"Essen auf Rädern" - der über Jahre bewährte Werbeslogan des Awo-Menüservice Auerbach hat ausgedient. Ab Montag betreibt die Arbeiterwohlfahrt Vogtland (Awo) Großküche und Bistro in der Auerbacher Eisenbahnstraße samt Lieferservice unter der neuen Marke "Herz und Bauch". "Mit dem neuen Speiseplan geht nächste Woche ein Brief an unsere Kunden, der ihnen die Neuerung vorstellt", kündigt Danny Petzold, Abteilungsleiter Menüservice bei der Awo an.

Neuer Name und neues Logo an der Arbeitskleidung der 70 Mitarbeiter und an den 30 Kleintransportern, mit denen täglich Mittagessen in Seniorenheime und Kitas, Firmen und Privathaushalte im Vogtland geliefert wird, soll nach der Vorstellung des Awo-Vorstandes die einzige Änderung sein, die die Kunden mitbekommen. Denn zum 1. Dezember ist der Menüservice in eine neu gegründete Tochterfirma ausgegliedert worden: Gehörten Großküche, Bistro und Catering bislang zur gemeinnützigen GmbH Awo Soziale Dienste, die die Senioren- und Pflegeeinrichtungen betreibt, werden die Dienstleistungen künftig von der gemeinnützigen Awo Vogtland Service GmbH erbracht. Geschäftsführer beider Unternehmen sind die Awo-Vorstände Katrin Schmidt und Michael Hummel.

Aktuell ist das Hauptgeschäft der Service-GmbH noch die Speiseversorgung. Auch wenn das Bistro in Auerbach pandemiebedingt geschlossen ist, werden täglich um die 4000 Mittagessen ausgeliefert. "Vorige Woche konnten wir mit 4185 Essen an einem Tag sogar einen Rekordabsatz verzeichnen", sagt Abteilungsleiter Petzold, der in den Coronabeschränkungen auch einen Wachstumstreiber sieht: "Manch Älterer erkennt die Vorteile, nicht raus zu müssen und lässt sich Mittagessen liefern." Mehr Nachfrage aus Privathaushalten habe man schon im Lockdown im Frühjahr registriert.

Langfristig soll das Geschäft mit Essen nicht das einzige Standbein bleiben. "Wir planen die Erweiterung auf Dienstleistungen wie Reinigung und Wäscherei sowie Hausmeisterservice", sagt Michael Hummel. Diese Dienstleistungen sollen vorrangig für Awo-Einrichtungen erbracht werden. "Wo wir das selbst machen, haben wir nicht nur die Qualität selbst im Griff, sondern können auch die Preisentwicklung steuern", begründet Hummel die Abkehr vom Outsourcing, der Auslagerung von Dienstleistungen an Fremdbetriebe. Ziel sei zudem, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und Arbeitsplätze zu sichern, bekräftigt Katrin Schmidt.

Mit diesen Argumenten hatte die Awo bereits im Sommer die Kritik der Gewerkschaft Verdi zurückgewiesen. Die hatte bei Bekanntwerden der Ausgründungspläne Tarifflucht und die Schwächung der betrieblichen Interessenvertretung beklagt. Das Awo weist das zurück: Neben der verabredeten Besitzstandswahrung im Zuge des Betriebsüberganges nach Paragraf 613a BGB gebe es zum 1. Januar eine Lohnerhöhung von 2,5 Prozent. Künftige Tariferhöhungen würden sich allerdings nicht mehr am Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, sondern am Tarifvertrag für das Hotel- und Gaststättengewerbe orientieren.

Für Danny Petzold bietet die Ausgliederung den aktuell 70 Beschäftigen im Service auch Chancen: "Wir haben Mitarbeiter wie die Fahrer, die bislang nur wenige Stunden am Tag im Einsatz sind. Darunter gibt es einige, die mehr arbeiten möchten. Das ist nun möglich. Beispielsweise indem sie vormittags Essen ausfahren und anschließend in der Reinigung tätig sind", erläutert er.

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