Hobby-Köhler baut sich sein eigenes Schlösschen

In der warmen Jahreszeit hat Uwe Buggel im ganzen Vogtland straff zu tun, im Winter manchmal viel Zeit. Die nutzt der aus Landwüst stammende Forstwirt kreativ.

Rodewisch.

Vor kurzem hat Uwe Buggel (58) die Schutzhülle vom Schlösschen entfernt, das an seinem Teich an der Abhorner Straße am Rande Rodewischs steht. Dabei ist leider das Geländer abgebrochen, demnächst will er es wieder anbringen. Die Uhr im Turm seines Miniatur-Schlösschens läuft jedoch ganz genau und einwandfrei - ebenso wie die im Turm der kleinen Landwüster Kirche, die er auf die Insel im Teich gebaut hat. Im nachgebauten Gotteshaus brütet gerade eine Ente, hier ist sie gut geschützt vor Füchsen und anderem Raubwild.

Aus Faserzementplatten und Gasbeton hat Forstwirt Buggel die Mini-Gebäude errichtet: "Dieses Material ist gut zu bearbeiten." Die Maße fürs Schlösschen, dessen Original auf der Rodewischer Insel steht, hat ihm sein Freund Christian Wetzig von der Stadtverwaltung zugearbeitet: "Aber fragen Sie mich nicht, was das für ein Maßstab ist." Schon seit Jahren stehen die Kopien an seinem Ententeich, Winter für Winter deckt er sie zum Schutz vor Eis und Frost zu. Im Winter sind die kleinen Bauwerke auch entstanden: "Da habe ich ja Zeit. Die Idee reift lange."


Buggel ist einer der ganz wenigen Mitarbeiter der Kirchlichen Waldgemeinschaft, die die in Kirchenbesitz befindlichen Waldstücke im ganzen Vogtland betreut, entsprechend weite Arbeitswege hat er in der warmen Jahreszeit. "Ursprünglich habe ich mal Bäcker gelernt, danach bin ich gleich zur Waldgemeinschaft", berichtet er. Dort war auch schon Vater Eberhard beschäftigt, von dem Uwe Buggel zudem die Begeisterung für das Köhlerhandwerk geerbt hat. Jedes Frühjahr entzündet er den Erdmeiler in seinem Heimatort Landwüst und lässt ihn eine Woche schwelen, bis die Holzkohle "geerntet" werden kann - so wie es zuvor sein Vater getan hat. Auch das Brennholz auf seinem Rodewischer Grundstück schichtet er gern in Meiler-Form auf.

Nach Rodewisch hat er 2002 geheiratet. Einige Jahre später ließ er den großen Teich ausheben, in dem sich nach seinen Angaben über 600 Fische tummeln, vor allem Karpfen und Goldfische. Zur Einweihung gab es eine Party mit allen, die geholfen hatten. Im Hof gibt es einen zweiten, kleineren Teich, in dem auch einige Kois schwimmen. Hinterm Haus grasen zwei Esel. "Sehr kluge Tiere", sagt Buggel.

Eine weitere große Leidenschaft des Wahl-Rodewischers sind betagte Uhren - etwa 150 Stück habe er zusammengetragen, berichtet er. "Wenn ich ein Uhrwerk bekomme, baue ich manchmal ein Gehäuse dazu." Ihm tut es leid, wenn funktionierende Technik weggeschmissen werden soll, deshalb richtet er an, was er kann. Viele Jahre hat er dabei mit einem Uhrmacher in Riesa zusammengearbeitet, nach dessen Geschäftsaufgabe die Ersatzteile von dort übernommen.

Wie kommen seine Gebäude-Nachbauten eigentlich so bei den Nachbarn an? "Den meisten gefällt's", meint Uwe Buggel achselzuckend. Ein Freund großer Worte ist er eher nicht.

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