Holpriger Start: Kirchturmuhr in Rodewisch ist aus dem Takt

Eigentlich soll sie der Stadt die Stunde schlagen - die generalüberholte Uhr im Turm von St. Petri. Das hat auch funktioniert - allerdings nur kurze Zeit.

Rodewisch.

Wenn nichts dazwischenkommt, starten die Uhrenbauer am morgigen Freitag einen neuen Versuch. Ein Mitarbeiter der Firma Uhren-Technik Vogler und Hippe aus Dresden will nach Rodewisch kommen und herausfinden, weshalb die Turmuhr der St.-Petri-Kirche steht. Oder wenn sie mal läuft, dann nur für kurze Zeit.

"Den Schaden aus der Ferne zu ergründen oder zu beheben, das funktioniert nicht", ärgert sich Christian Bretschneider von der Kirchgemeindeverwaltung. Ein Gemeindemitglied kümmere sich zwar um die Uhr, aber der sei schließlich kein Fachmann wie die Turmuhr-Spezialisten.

Die hatten Mitte Dezember die in ihrer Werkstatt generalüberholte Turmuhr wieder eingebaut. Kurz vor Weihnachten ging der in den 1920er-Jahren in der bekannten Leipziger Turmuhrenfabrik Bernhard Zachariä gefertigte Zeitmesser samt Stundenschlag am neuen Geläut in Betrieb. Allerdings nur vorübergehend. Schon vor Weihnachten mussten die Uhrenbauer erneut anrücken, um die Uhr wieder in Gang zu setzen. "Bei Wiederinbetriebnahme nach einer Wartung ist das nicht ungewöhnlich", hatte Uhrenbauer Tobias Vogler damals beruhigt.

Pünktlich zum Weihnachtsfest lief die Uhr wieder, doch in der Heiligen Nacht blieb sie erneut stehen. Weil der Zeitpunkt der gleiche war wie beim Stillstand zuvor, vermutet Vogler den Schaden bereits ausgemacht zu haben: "Die Uhr verfügt jetzt über eine Elektronik, die steuert, dass nachts ein elektrischer Impuls ausgelöst wird, mit dessen Hilfe Gang-Ungenauigkeiten korrigiert werden können", lautet seine Ferndiagnose. Diese Korrektur werde über ein Relais aktiviert und ans Pendel übertragen. Das Relais könnte defekt sein, das Pendel blockieren und müsste deshalb ausgewechselt werden, so seine Vermutung.

Ein vergleichbarer Defekt hatte bereits vor Weihnachten dazu geführt, dass die Uhr stehengeblieben war. Ein Mitarbeiter hatte den Fehler behoben, sodass Uhr und Geläut funktionierten - "jedenfalls so lange, wie wir vor Ort waren. Und das waren immerhin fünf Stunden", erinnert sich Tobias Vogler.

Dass der Stillstand der Uhr samt Stundenschlag in Rodewisch noch nicht zu allgemeiner Verärgerung geführt hat, dafür hat Christian Bretschneider eine Erklärung: Viele Gemeindeglieder wüssten, dass Kirchturmsanierung und Glockenprojekt offiziell noch nicht abgeschlossen sind. "Die Abrechnung der Fördermittel ist zwar schon angelaufen. Aber die Abnahme durch Planer und Sachverständige steht noch aus."

Zudem haben auch die Vertreter der Kirchgemeinde - abgesehen von dem Problem mit der Kirchturmuhr - noch Änderungswünsche. Beispielsweise werden das Glockenläuten und der Stundenschlag als zu leise empfunden.

Die Ursache dafür wird in den neu eingebauten Schallluken gesehen, deren Lamellen die Öffnungen der Glockenstube verschließen. Offenbar so dicht, dass der Klang der drei neuen Glocken nicht weit genug über Rodewisch hallt. Der neue Schallschutz sollte auch Vögel zugute kommen, die im Turm ihre Nistplätze haben. "Früher hatten wir hier Turmfalken, zurzeit vor allem Dohlen", kennt Bretschneider die aktuellen Bewohner der acht neuen Nistkästen am Kirchturm.

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