Hortplätze reichen nur auf dem Papier

Die Auslastung der Horte im Vogtland ist hoch. Was die Betreuung in Kitas künftig besser machen soll, könnte zu Abstrichen in der Nachmittagsbetreuung führen.

Auerbach.

Mehr als 6900 Hortplätze gibt es im Vogtland. Damit gibt es in der Region laut Angabe des Landratsamtes für neun von zehn Kindern einen Nachmittagsbetreuungsplatz. "Vogtlandweit besteht ein ausreichendes und gut ausgebautes Netz an Betreuungsplätzen", urteilt die Kreisbehörde auf Anfrage.

Bis 2022 sollen vogtlandweit 180 bis 200 neue Hortplätze entstehen, wie Vizelandrat Uwe Drechsel als Verantwortlicher für den Bereich Soziales mitteilen lässt. Denn die aktuelle Rechnung geht nur auf dem Papier auf. Bei der Nachfrage von Plätzen gibt es einen Unterschied zwischen Stadt und Land. Während viele Horte in Plauen an ihre Grenzen stoßen, sind im Umland welche frei. Das zeigt ein Blick auf die Auslastung - siehe Tabelle. Während im oberen Vogtland und im Plauener Umland zwei von zehn Plätzen frei sind, ist es in Plauen nur einer. Ähnlich hoch ist die Nachfrage im oberen Göltzschtal, wozu neben Auerbach und Rodewisch auch Ellefeld, Falkenstein, Neustadt, Grünbach, Muldenhammer und Steinberg zählen. In den Kommunen im unteren Göltzschtal um Reichenbach liegt die Auslastung der rund 1100 Plätze bei 83 Prozent.

Die Stadt Plauen reagiert auf die wachsende Nachfrage. Allein dieses Jahr hat die Stadt die Hortkapazität um 82 Plätze erhöht, gibt Lutz Schäfer als Leiter des Fachbereichs Jugend, Soziales, Schulen und Sport an. Teils erwächst der gestiegene Bedarf aus der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund. Die Grundschule am Wartberg schultert die höchste Integrationsleistung im Vogtland. "Die Kinder lernen am schnellsten Deutsch, wenn sie in der Nachmittagsbetreuung sind", begründet Schulleiterin Heike Bertram weiteren Bedarf. Auch in Auerbach wird die Hortkapazität aufgestockt: An der Grimm-Schule gibt es nach Fertigstellung des Anbaus 70 statt wie bislang 65 Hortplätze.

Aktuell arbeitet die Kreisbehörde an der Bedarfsplanung fürs nächste Schuljahr. Schwierigkeiten könnten sich durch Neuerungen ergeben, die die Betreuung der Jüngsten verbessern soll: der höhere Betreuungsschlüssel durch das Gute-Kita-Gesetz sowie die Einführung der Vor- und Nachbereitungszeiten für Erzieher. "Bei fehlenden Personalkapazitäten sichern die Träger natürlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten primär die Betreuungsangebote mit Rechtsanspruch für die Kinder bis zum Schuleintritt ab", heißt es seitens der Kreisbehörde.

Die angespanntere Planungssituation in Plauen bekam in den Sommerferien eine Mutter zu spüren, die im oberen Vogtland arbeitet und in der Stadt einen Betreuungsplatz für ihren Sohn hat. Durch einen Jobwechsel musste sie flexibler sein, als es der Hort konnte. Für zwei Wochen bezahlte sie zusätzlich zu den Hortkosten eine Studentin - rund 300 Euro. Für die Alleinerziehende viel Geld. "Ich würde mir wünschen, dass auf individuelle Probleme mehr Rücksicht genommen wird", sagt die 46-Jährige.

Hortplatzbelegung in der Region

Unteres Göltzschtal83 %

Oberes Göltzschtal88 %

Oberes Vogtland79 %

Plauener Land81 %

Stadt Plauen90 %Vogtland (gesamt)85 %

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