Hospizhelfer unterstützen Trio aus Bad Brambach

Claudia Huster schlägt sich als alleinerziehende Mutter durchs Leben. Eine ihrer Zwillingstöchter ist schwerstbehindert.

Auerbach/Bad Brambach.

Die Fenster in der Wohnung von Claudia Huster aus Bad Brambach sind festlich geschmückt. Die 29-jährige Frau liebt die Weihnachtszeit. Und sie freut sich, dass ihre fünfjährige Tochter Leonie die festlich-glitzernde Beleuchtung immer mehr wahrnimmt. Wie oft das schwerst mehrfachbehinderte Mädchen die Adventszeit noch erlebt, sei völlig offen. "Wir können noch viele schöne Jahre haben, aber sie kann auch am nächsten Infekt sterben. Der Tod ist unser ständiger Begleiter", sagt die Mutter. Kein Arzt kann eine Prognose abgeben, wie alt Leonie wird.

Eine schwere Hirnblutung am zweiten Lebenstag des Frühchens hat die Probleme verursacht. Leonie und ihre Zwillingsschwester Nelly kamen etwa 14 Wochen zu früh auf die Welt. Ein Darmdurchbruch und ein Herzfehler sorgten bei Leonie dafür, dass die gesundheitlichen Probleme damals noch größer wurden. Heute kann das Mädchen weder sitzen, noch stehen oder laufen und auch nicht richtig sehen.

Claudia Huster widmet Leonie fast jede Minute ihres Lebens. Fast, denn auch Nelly darf nicht zu kurz kommen. Auch sie hatte einen schweren Start ins Leben: Doch trotz einer Gehirnblutung entwickelte sie sich gut. Zurückgeblieben sind eine leichte Entwicklungsverzögerung, Nieren- und Sehprobleme. Die Leser der "Freien Presse" haben bereits im Jahr 2014 bei der Aktion "Leser helfen" großen Anteil am Schicksal der Familie genommen. Damals wurde Geld für ein Auto gesammelt. Denn die Mutter hat ihre Arbeit als Mitarbeiterin in einer Event-Agentur aufgegeben, um ganz für ihre Töchter da sein zu können. Die Familie lebt von Hartz IV und dem Pflegegeld.

Die Mutter hat lange gebraucht, bis sie sich an die Situation gewöhnte. "So etwas wirft mit einmal alle Pläne über den Haufen, die man für das Leben hat." Irgendwann hat sie ihre Rolle akzeptiert. Eine wichtige Hilfe ist ihr neben der eigenen Mutter der Hospiz- und Beratungsdienst "Nächstenliebe" aus Auerbach. Seit 2017 unterstützt die ehrenamtliche Helferin Gudrun Kaune das Trio einmal in der Woche für vier Stunden. "Die Kinder freuen sich immer auf den Tag. Und ich wüsste manchmal nicht, wie ich ohne Gudruns Hilfe alles schaffen würde", erklärt Claudia Huster. Während Gudrun Kaune mit Leonie spazieren fährt oder sie füttert, kann die Mutter mit Nelly etwas unternehmen. Dass das Bad Brambacher Trio beim Hospizdienst voll integriert ist, zeigt auch, dass es am Montag zur Weihnachtsfeier in Auerbach eingeladen war.

Seit kurzem erlebt Claudia Huster, dass Nelly ein Verständnis für ihre Schwester entwickelt. "Nelly möchte mir helfen. Sie fährt Leonie im Therapielstuhl durch die Wohnung." Dann kann die Mutter etwas im Haushalt erledigen. Dabei muss die Mutter ihre Töchter aber ständig im Auge behalten. Einen Vater gibt es nicht. Er hat die Familie verlassen.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...