Hund Rufus hilft bei Therapie-Projekt

Seit fünf Jahren werden in Eich Kinder und Jugendliche besonders intensiv betreut. Außer einem großen Team von Pädagogen, gibt es auch tierische Unterstützung.

Eich.

Manchmal brauche man schon ein dickes Fell, räumt Teamleiterin Jessica Spitzner (30) ein. "Man darf nichts persönlich nehmen, und vor allem muss man nach Feierabend abschalten können." Insgesamt zwölf festangestellte Mitarbeiter betreuen im Diakonie-Projekt Base in Eich momentan sieben Jungs zwischen 9 und 16, alle mit emotionalen Auffälligkeiten. Hinzu kommen noch drei Schulassistenten, eine Psychologin, ein Hausmeister sowie ein Mitarbeiter namens Rufus, der auf jeden Fall ein dickes Fell hat: Der Therapiehund, ein English Setter, ist viereinhalb Jahre alt und schon seit seiner Welpenzeit bei Base im Einsatz. Sein "Frauchen" ist Susann Kettner (56), die ihn nach Dienstschluss zu sich nach Hause nimmt. Sie hat eigens eine Ausbildung in tiergestützter Pädagogik absolviert. "Wenn die Kinder aufgeregt sind, bringt Rufus sie emotional runter", schildert sie. Wenn es manchmal laut zugehe, könne das für den Hund auch belastend werden, er brauche die regelmäßigen Ruhephasen. "Aber er will auch auf keinen Fall etwas verpassen, rennt ihnen immer hinterher."

Für die Jungs, die im Projekt am Wolfspfützer Weg leben, gehört Rufus einfach dazu - er ist schließlich länger dort als die meisten von ihnen. Sie kommen aus dem Vogtlandkreis, dem Zwickauer Land oder dem Erzgebirgskreis. In Eich sind sie untergebracht, weil sie unter emotionalen Problemen wie Depressionen, Ängsten, aber auch hoher Impulsivität, Ablenkbarkeit oder motorischer Unruhe leiden. "Durch einen hohen Personalschlüssel haben wir bei Base eine hohe Betreuungsintensität", betont Sandra Otto, zuständige Fachbereichsleiterin der Diakonie. "Dazu gehört auch die Schulbegleitung für einige der Jungs." In Eich erleben sie einen strukturierten Tagesablauf, dazu kommt viel Sport, Spaß und Musik. Der Standort im abgelegenen Eich, am Waldrand, ist aus Sicht von Sandra Otto "ideal für die Jungs". Viele von ihnen machen bei Sportvereinen der Umgebung mit.

Ein 15-jähriger Bewohner schildert, dass er in Eich gelernt hat, seine "Ausraster" unter Kontrolle zu bringen, die er vorher fast täglich hatte. Außerdem beleidige er jetzt auch niemanden mehr. Wie hat er das geschafft? "Fernsehverbot" fällt ihm dazu unter anderem ein, was für Heiterkeit bei den Pädagogen sorgt. Außerdem habe er ja Besseres zu tun, als auszuflippen und zu schimpfen - er hat Gitarre spielen gelernt, gibt gleich mal eine Kostprobe seines Könnens. Und Tennis spielt er jetzt auch noch, berichtet er stolz. Später will er mal im Bauhof arbeiten, falls es mit der Karriere als Rapper doch nicht sofort klappen sollte. "Dann ziehe ich aber nach Auerbach, in Eich ist doch zu wenig los", meint er.

Insgesamt 17 Jungs haben inzwischen Base durchlaufen oder sind noch im Projekt. Einer wird im betreuten Jugendwohnen auf ein selbstständiges Leben vorbereitet, andere wechselten in "reguläre" Einrichtungen mit weniger Betreuung oder zu Pflegefamilien. Vier mussten inzwischen in geschlossenen Einrichtungen untergebracht werden. Denn trotz des "Feuereifers", mit dem laut Sandra Otto alle Betreuer im Einsatz sind: Nicht immer haben sie Erfolg. Und dann brauchen sie ein dickes Fell.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...