Hundertjährige wünscht sich Barrierefreiheit

Die Auerbacherin Ilse Engelbrecht hat am Mittwoch im Pflegeheim "Abendsonne" ihren ersten dreistelligen Geburtstag gefeiert.

Auerbach.

Schick eingekleidet, rotbraun gefärbte Haare und ein Lächeln im Gesicht. So hat Ilse Engelbrecht am Mittwochvormittag ihre Gratulanten empfangen. Zu feiern gab es eine stattliche Zahl: Die Auerbacherin wurde gestern 100 Jahre alt. Scherzen kann sie wie ein junges Mädchen. Egal, ob mit Pflegern oder dem Oberbürgermeister. Manfred Deckert (parteilos) war auch zum Gratulieren gekommen. Und er nahm ihren größten Wunsch mit ins Rathaus: ein barrierefreier Weg vom Diakonie-Pflegeheim "Abendsonne" in die Innenstadt.

Das Gebäude steht schrägt unterhalb der St.-Laurentius-Kirche am Stadtpark. "Ich würde mit meiner Mutter gerne runter in die Stadt gehen", sagte Ilse Engelbrechts Tochter Heide Fiebig. Dazwischen sind ein steiler Berg mit jeder Menge Kopfsteinpflaster und eine Handvoll Treppen am Straßenrand. "Es ist einfach zu holprig. Da fehlt eine schiefe Ebene für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen und Radfahrer."

Ilse Engelbrecht sitzt im Rollstuhl. Und sie ist nicht die einzige Heimbewohnerin, die mit Pflegern oder Angehörigen öfter mal einen Ausflug in die Stadt machen würde. "Hier sind sogar zwei Pflegeheime", betonte Heide Fiebig. Auerbachs Oberbürgermeister Manfred Deckert nahm die Bitte mit, wollte allerdings nicht zu viel versprechen. "Ich gebe das an den Bauhof weiter", sagte er. "Gerade auf dem Altmarkt ist es aber schwierig, eine Querung reinzukriegen."

Gestern wurde vor allem gefeiert. Sekt gehörte für Ilse Engelbrecht selbstverständlich dazu. Ihr Lieblingsessen bekam sie schon eher serviert. "Die Köchin hat einen Tag vor ihrem Geburtstag extra für sie Eisbein gekocht", freute sich Heide Fiebig. Am Mittwochmittag dinierte Ilse Engelbrecht mit ihrer Familie auswärts. Und die ist groß. 24 Kinder, Enkel und Urenkel kamen aus allen Himmelsrichtungen zusammen: aus Thüringen, Dresden, Plauen und Auerbach.

Lange Zeit wohnte die Jubilarin in ihrem Geburtsstädtchen Rodewisch. Vor 18 Jahren zog sie nach Auerbach und kam bis Mitte 2018 noch allein zurecht. "Ich wohne in der Nähe", sagte Heide Fiebig. Tanzen mit ihrem Mann Hans gehörten zu Ilse Engelbrechts bevorzugten Freizeitaktivitäten. Und lesen. Jetzt hört sie gerne zu, denn Hör- und Sehkraft haben stark nachgelassen. Unerschütterlich ist ihre Freude am Leben. "Sie geht vieles mit Humor an und ist eine ganz Liebe", beschrieb die Alltagsbegleiterin Stephanie Lorenz die aufgeweckte Hundertjährige.


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