IBL-Hydronik bestimmt Niveau bei Maschinen-Automation mit

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Das Lengenfelder Familien-Unternehmen genießt als Entwickler und Hersteller von hydraulischen und elektronischen Systemen für mobile Maschinen einen ausgezeichneten Ruf. Mit einer neuen 3D-Druckerei erweitert die Firma ihren Kundenkreis.

Lengenfeld.

Als im Jahr 2018 der mehr als 160 Meter hohe Kühlturm des Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich von einem ferngesteuerten, auf der nur 16 Zentimeter breiten Turmmauer fahrenden Spezialbagger abgetragen wurde, gingen die Fernsehbilder davon um die Welt. Auch Thomas Löcher hat die spektakuläre Aktion verfolgt. Und das nicht ganz ohne Anspannung. Schließlich hat seine Firma die komplette elektronische Steuerung für den Bagger entwickelt und gebaut. "Die Aktion war in ihrer Gesamtheit eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Einen Bagger bei der Arbeit in dieser Höhe quasi auf einer Bordsteinkante auf Kurs zu halten, das war zudem eine Weltpremiere", sagt der Inhaber der Unternehmens IBL-Hydronic.

Hinter der im Vogtland kaum bekannten Firmenbezeichnung verbirgt sich ein 16-köpfiges Familien-Unternehmen mit Sitz im Lengenfelder Gewerbegebiet Grüner Höhe, das bei Maschinen-Herstellern einen ausgezeichneten Ruf genießt. IBL-Hydronic entwickelt und fertigt nämlich seit 30 Jahren hydraulische und elektronische Systeme für Produzenten mobiler Maschinen - die Palette reicht von Baumaschinen über Land- und Forstfahrzeuge bis hin zu Spezialmaschinen wie dem höhentauglichen Abrissbagger. "Dass wir im Vogtland wenig bekannt sind, liegt einfach daran, dass es hier keine potenziellen Kunden gibt. In Süddeutschland, Österreich oder der Schweiz beispielsweise sind wir schon eine Nummer", berichtet Thomas Löcher. Hersteller wie Thyssen-Krupp oder Putzmeister - Weltmarktführer als Produzent von Betonpumpen oder Mörtelmaschinen - setzen auf die Soft- und Hardware aus dem Vogtland. Ein Ruf, den die Lengenfelder neben Qualität und Termintreue ihrer Innovationskraft zu verdanken haben.

Und das seit Jahr und Tag. Bereits 1993 ließ IBL-Hydronic die Fachwelt aufhorchen, als der Firma die erste PC-gestützte Steuerung mit grafischer Bedienoberfläche in der mobilen Automation gelungen war - in Form der Drehleiterfahrzeuge des Luckenwalder Herstellers FGL. "Der Erfolg und die Erfahrungen damals waren für uns Anlass, die Eigenentwicklung elektronischer Baugruppen voranzutreiben", sagt der IBL-Chef. Seither gelangen weitere Innovationen, die den Bekanntheitsgrad der Lengenfelder steigerten. So hält die Nachfrage nach anschlussfertigen Gerätesteuerungen und selbst entwickelten Bedieneroberflächen auch, wenn der Konjunkturmotor mal stottert. Thomas Löcher: "Die Auftragslage ist konstant gut."

Dazu trägt seit einiger Zeit eine eigene 3D-Druckerei bei, in der aus thermoplastischem Kunststoff Steuerungs- und Bedienbauteile mit optimalen mechanischen Eigenschaften hergestellt und hinsichtlich ihrer farblichen Gestaltung veredelt werden. Produkt-Designer Tom Heindl: "Damit sind wir jetzt noch flexibler. Auch hinsichtlich der Kosten entsteht ein Vorteil, da der Bau teurer Spritzgießwerkzeuge entfällt", erzählt der Designer und dreht ein eben aus Polyamid-Pulver gedrucktes Gehäuse einer von IBL für Räumfahrzeuge entwickelten Schneepflug-Steuerung in der Hand.

Mit der auf Einzelteile und Kleinserien ausgelegten 3D-Fertigung erweitern die Lengenfelder zudem ihren Kundenkreis. Private und gewerbliche Kunden laden dazu den Datensatz eines Bauteils - etwa einer Brille, eines Fahrzeugteils oder eines Architektur-Modells - auf der IBL-eigenen 3D-Druck-Plattform hoch und bekommen sofort ein Angebot. "Damit haben wir ein zweites Standbein geschaffen, die Nachfrage steigt", sagt Tom Heindl.

Die Einführung der neuen Technologie und deren auf genaue Marktanalyse gegründeter Einsatz spiegelt eine Entwicklung, für die auch die Berufsvita des promovierten Firmengründers steht. Thomas Löcher hatte bereits zu DDR-Zeiten als Forschungsstudent an der Hochschule für Verkehrswesen Dresden an der Teilautomatisierung von Baumaschinen gearbeitet. Dazu wurde in Zusammenarbeit mit der Lengenfelder Baumechanik das mit einer mikroprozessorbasierten Steuerung ausgerüstete Baufahrzeug MZG 40 entwickelt. "So etwas gab es damals weltweit noch nicht." Mit der Wende brach diese Entwicklung ab, und Thomas Löcher startete mit der eigenen Firma durch - in der mit Sohn Tobias Löcher als Entwicklungsleiter die nächste Unternehmer-Generation an Innovationen feilt.

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