Im Dienst der Armen: "Das erdet einen"

Die vogtländische Hilfsgemeinschaft Keimling unterstützt seit 25 Jahren Menschen in Südosteuropa. Beim Begegnungstag am Samstag in Schönau stellte sie ihre Arbeit vor.

Pater Antonius - Partner der Hilfsorganisation "Keimling" vor Ort in Rumänien
Yvonne Dietz - Vorstand der Plauener Hilfsorganisation "Keimling"

Von Sylvia Dienel

An seine erste Begegnung mit der Hilfsgemeinschaft Keimling erinnert sich der große, bärtige Mann mit der langen, schwarzen Kutte, als ob es gestern gewesen wäre. Dabei liegt sie 25 Jahre zurück. Damals habe ein Vogtländer bei ihm im Kloster Neamt in Nordostrumänien eine neue Wasserleitung verlegt, erzählt Pater Antonius. Der Vogtländer war Volkmar Müller, einer von sieben Keimling-Gründervätern. Mit der Wasserleitung setzte er quasi den ersten Stein für eine enge Kooperation. Und für Freundschaften. Seit es sie gibt, organisiert und leitet die evangelische Hilfsgemeinschaft mit Sitz in Plauen zweimal pro Jahr Transporte mit gesammelten Spenden nach Südosteuropa.

Pater Antonius gehörte zu einer 18-köpfigen Gruppe aus Rumänien, die zum 25. Keimling-Geburtstag am Samstag im Schönauer Naturbad mit Spendern, Helfern und Interessierten feierten. Am gut besuchten Tag der Begegnung hatte man sich viel zu erzählen. Wie anfangs beladene W50-Lkws auf Reisen gingen - nach Weißrussland, Rumänien und Moldawien. Und dass bislang alle Fahrten unfallfrei verliefen. Man erzählte von Kinderaugen, aus denen beim Empfang von Hilfspaketen Überraschung und Freude sprach. Es sind meist die Ärmsten der Armen, um die sich Keimling kümmert. Kinder, alte Menschen und Familien. Ausfindig gemacht werden sie von Trägern vor Ort, mit denen die Vogtländer zusammenarbeiten. Das Diakonische Werk zum Beispiel. Und Pater Antonius. Er leistet auch als Übersetzer gute Dienste.

Mittlerweile konzentriert sich Keimling auf Rumänien. Jeweils im Frühjahr und Herbst verlassen zwei bis unters Dach bepackte Lkws der Schimpf GmbH das Ellefelder Firmengelände, wo sich auch die Sammelstelle für gespendete Dinge befindet, in diese Richtung. "Keimlinge" begleiten jeden Transport. Eine Woche sind sie jeweils unterwegs und legen 4500 Kilometer zurück. So kamen in den vergangenen zehn Jahren 225.000 Kilometer zusammen. Und das ehrenamtlich. Auf 1200 Spender kann der über 40 Mitglieder starke Verein bauen. Manche sind seit Anfang an dabei, viele regelmäßig.

Die Bereitschaft zu geben sei ungebrochen, sagte Vorstandsmitglied Yvonne Dietz. Allerdings verändere sich die Spenden-Mentalität. "Junge Menschen wollen nicht mehr diese Verbindlichkeit." Mit Verbindlichkeit ist gemeint, über längere Zeit ein- und dieselbe Familie zu unterstützen. Dietz geht oft mit auf Reise. "Das erdet einen unwahrscheinlich", sagte sie. "Und es erweitert den Horizont."

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