Im Schein von Modern Talking

Die vogtländischen Doppelgänger von Modern Talking sehen sich als Gewinner im Rechtsstreit mit Popstar Thomas Anders. Im Urteil steht das anders. Das Landgericht Hamburg hat sie verurteilt. Es drohen 250.000 Euro Ordnungsgeld.

Plauen.

Heute Abend wird André Brand aus Plauen wieder zu Thomas Anders. Zu dem Thomas Anders, der Teil des weltweit gefeierten Pop-Duos Modern Talking war und in den Achtzigern eine große Goldkette mit dem Namen Nora trug. Bernd Weidung heißt er eigentlich.

Weil André Brand gern auf der Bühne steht und dem berühmten Sänger ähnlich sieht, zieht er eine Doppelgänger-Show ab. Zusammen mit Michael Beurich aus Plauen. Beurich kopiert Dieter Bohlen, denn Beurich sieht ein bisschen aus wie Bohlen. 19 Jahre lang traten sie als Modern Talking Reloaded auf, halten als Duo schon länger durch als die Originale und haben fast 194.000 "Gefällt mir"-Klicks bei Facebook. Heute Abend sind sie für ein Stadtfest in Polen gebucht, nächste Woche für ein Festival in Finnland.

Sie feiern weiter ihre Retro-Partys, aber unter anderem Namen. "Wir nennen uns jetzt Modern Talking Reloaded Tribute-Show", sagt Brand. Grund ist ein Rechtsstreit mit Thomas Anders. Der Popstar hatte sie verklagt. Es ging um verletzte Markenrechte. Das Landgericht Hamburg hat das Duo aus Plauen deswegen verurteilt. Die Behauptungen der Vogtländer, dass das Gericht die Klage von Thomas Anders angeblich abgewiesen habe, sind falsch, sagt Anders' Rechtsanwalt Johannes Ulbricht: "Das Landgericht Hamburg hat die beanstandete Verwendung des Begriffs ,Modern Talking' trotz des Zusatzes ,Reloaded' als markenrechtswidrig angesehen und die Gegenseite deshalb nicht nur zur Unterlassung, sondern auch zum Schadenersatz verurteilt."

Außerdem darf das Vogtland-Duo keine Fotos mehr verwenden, auf denen André Brand mit Thomas Anders verwechselt werden kann. Verstoßen sie dagegen, drohen 250.000 Euro Ordnungsgeld oder bis zu sechs Monate Ordnungshaft.

In der Klage sei es darum gegangen, die Fans vor Täuschung zu schützen, heißt es aus der Hamburger Anwaltskanzlei. Thomas Anders werde immer wieder von Fans kontaktiert, die sich über die Doppelgänger beschwerten. Bei den Auftritten der Plauener sei nicht deutlich gemacht, dass es sich nicht um die Originalkünstler handelt, sondern um eine Vollplayback-Show.

André Brand, der Vogtland-Anders, fühlt sich trotzdem als Sieger: "Ja, natürlich, denn er wollte unsere ganze Show verbieten lassen und das Gericht hat sie unter den Schutz der künstlerischen Freiheit gestellt." Anders wollte unterbinden, dass die beiden Männer Unterhaltungsveranstaltungen durchführen, bei denen sie die Lippen synchron mitbewegen zu Original-Modern-Talking-Liedern. Doch nach Ansicht der hanseatischen Richter handelt es sich bei dem, was die Plauener machen, um Kunst.

Beurich und Brand haben ihre Show. Sie treten in Discos auf und auf Dorffesten, spielen immer dieselben Lieder und singen ein bisschen mit Dieter Bohlen und Thomas Anders mit. Dass der Spaß teuer werden könnte, glaubt Brand nicht. Das Gericht hat sie zu Schadenersatz verurteilt. Man müsse alle Double-Konzerte der vergangenen drei Jahre auflisten, inklusive Gagen und Spesen. Betroffen seien seiner Meinung nach nur die deutschen Konzerte. Ihr Geschäft mit "You're My Heart, You're My Soul" machen die Vogtländer aber im Ausland. "Anders muss uns nachweisen, dass ihm Schaden entstanden ist", sagt Brand.

Soweit will es die Hamburger Musik- und Medienrechtskanzlei nicht treiben. "Es geht Herrn Anders nicht ums Geld, sondern um die Fans", sagt Rechtsanwalt Johannes Ulbricht. Die meisten sind im fernen Ausland und würden die Doubles nicht sofort als Kopien erkennen. "Sie sollen in ihrer Werbung deutlich machen, dass sie nicht die Originale sind", sagt Ulbricht. Die Liste für den Schadensersatz wolle die Kanzlei erst dann einfordern, wenn man keine Lösung finde.

Die Doppelgänger sagen, sie lassen neue Autogrammkarten drucken. Darauf stehe "A Tribute to Modern Talking, Micha André".

Man behält sich im Auge.

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