Impuls aus Reichenbach steht am Anfang

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Der Vogtlandkreis existiert jetzt 25 Jahre. Ohne die Verfassungsklage und die hartnäckige Bürgerinitiative aus der Neuberinstadt gäbe es dieses Jubiläum vermutlich nicht.

Reichenbach.

Wie die Zeit vergeht: 25 Jahre gibt es den Vogtlandkreis jetzt schon. Er entstand am 1. Januar 1996 durch den Zusammenschluss der Landkreise Auerbach, Klingenthal, Oelsnitz, Plauen und Reichenbach. "Ohne unseren Vorstoß im Jahr 1994 würde es den Vogtlandkreis heute auch geben. Er wäre gewiss mit der zweiten Kreisreform 2008 entstanden. Aber der Impuls aus Reichenbach sorgte dafür, dass das Ganze zwölf Jahre eher perfekt war", schätzt der 77-jährige Volker Liskowsky, der an der Westsächsischen Hochschule Zwickau als Professor für Kfz-Technik wirkte und lange Jahre Kreis- und Stadtrat war.

Was heute gelebte Realität ist, war Anfang der 1990er-Jahre ein Politikum. Mehr als drei Jahre währte das Hauen und Stechen um die künftige Kreisstruktur, um Einfluss und Posten. Kernfrage: Wird es einen Göltzschtal- und Elstertalkreis oder einen Vogtlandkreis geben?

Im Gesetzentwurf vom 29. Juni 1992 war ein Vogtlandkreis mit Verwaltungssitz in Plauen vorgesehen. Im Beschluss des Kreisgebietsreformgesetzes vom 24. Juni 1993 aber landete die Zweikreisvariante. Die Messen schienen gelesen. Doch im Mai 1994 setzte das Sächsische Verfassungsgericht die Kommunalwahl in den künftigen Landkreisen Westlausitz und Dresden/Meißen aus. "Das war der Punkt, an dem ich dachte: Da geht auch für das Vogtland noch etwas", erinnert sich Volker Liskowsky. "Reichenbach musste in einem Göltzschtalkreis erhebliche Nachteile befürchten. Zum einen war da der Verlust des Kreissitzes an das einwohnerschwächere Auerbach. Zum anderen war schon vor der für den 12. Juni 1994 angesetzten Kreistags- und Landratswahl begonnen worden, Ämter aus Klingenthal und Reichenbach abzuziehen. Der Auerbacher Landrat Winfried Eichler ließ da keine Luft ran."

Mit den Grünen in Reichenbach, die Liskowsky Anfang 1994 mitgegründet hatte, eine Resolution für einen Vogtlandkreis zu verfassen, scheiterte. Deshalb zog Liskowsky, der damals nach seinem FDP-Austritt Vorsitzender der Fraktion der Fraktionslosen im Kreistag Reichenbach war, das nach Pfingsten 1994 selbst durch. In Briefen an Landrat Gerhard Bienert, Bürgermeister Johannes Bögel und die "Freie Presse" forderte er einen einheitlichen Vogtlandkreis. Der Hauptausschuss der Stadt Reichenbach habe das zu 100 Prozent unterstützt. Für den Kreistag reichte Liskowsky am 1. Juni eine Beschlussvorlage zu einer Normenkontrollklage gegen das Kreisreformgesetz ein. Die Sondersitzung stieg am 6. Juni. 40 der 45 Kreisräte stimmten für die Beschwerde.

Am gleichen Tag kamen mehr als 300 Bürger zu einer Demonstration in Reichenbach, die Traudel Albert initiiert hatte. Nach der Kundgebung auf dem Markt zogen sie vors Landratsamt und traten für einen Vogtlandkreis ein. Das war die Geburtsstunde der Bürgerinitiative "Gegen die Kreisreform", die über Wochen montags den Druck auf die Straße zu brachte. "Sie hat die Massen auf die Beine gebracht", skizziert Liskowsky die Rolle der Geschäftsfrau mit Herz und Schnauze, die als "Vogtland-Traudel" in die Geschichte einging. Liskowsky wurde Vorsitzender der BI. Besonders unterstützt habe ihn damals sein Schulkamerad Gerd Bannies aus Plauen.

Der Plauener Kreistag schloss sich der Reichenbacher Verfassungsklage an. Der Verfassungsgerichtshof setzte am 21. Juli 1994 den Vollzug der vogtländischen Kreisreform aus und gab am 11. November 1994 der Normenkontrollklage statt. Die Wahlen vom Sommer waren damit nichtig. "Das war ein Etappensieg. Aber es blieb viel zu tun", erinnert sich Volker Liskowsky. Denn das sächsische Kabinett blieb im Dezember 1994 bei der Zweikreislösung. "Um den Vogtlandkreis zu schaffen, brachten wir einen Volksantrag in Stellung. Die Bürgerinitiative sammelte dafür über 40.000 Unterschriften", sagt er.

Im Januar 1995 trat der Auerbacher Landrat Winfried Eichler wegen Stasi-Verstrickungen zurück. Das erwies sich als wichtiges Puzzleteil. Die Stimmung kippte, die CDU-Landratsfraktion schwenkte um. Mit dem 2. Kreisgebietsänderungsgesetz vom 6. September 1995 wurde die Bildung des Vogtlandkreises zum 1. Januar 1996 beschlossen. 2008 wurde auch die Stadt Plauen in den Vogtlandkreis eingegliedert.

"Ich denke, der Vogtlandkreis hat in den 25 Jahren seiner Existenz klare Vorteile gegenüber der Zweikreislösung gebracht. Auch wenn es immer Dinge gibt, die man besser machen kann. - Einen Dank habe ich übrigens nie bekommen. Aber es hat mich sehr gefreut, dass wir das V als Kfz-Kennzeichen erhielten. Das hatte ich schon 1993 in einem Leserbrief gefordert", so Liskowsky.

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