Intensivtäter soll länger hinter Gittern bleiben

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In der JVA ist er schon, wegen einer erfundenen Bombendrohung und einer Spuckattacke bekommt ein junger Auerbacher nun einen Haft-Aufschlag.

Auerbach.

Einblicke in die Auerbacher Trinkerszene bot ein Prozess gegen einen 27-Jährigen, der am Freitag zu Ende ging. Angeklagt waren Missbrauch des Notrufs, Hausfriedensbruch, Beleidigung sowie Sachbeschädigung. Der letzte Anklagepunkt war nicht zu beweisen: Dazu waren die Zeugenaussagen aus besagter Szene zu konfus beziehungsweise zu lückenhaft.

1,74 Promille - so viel Alkohol hatte laut Polizei ein 54-jähriger Zeuge im Blut, als er pünktlich 9 Uhr zum Prozess im Amtsgericht erschien. Pünktlich kam er, weil zwei Polizisten ihn vorführten. Vorgeführt wurde er, weil er am ersten Prozesstag fehlte. Wortreich versuchte der Auerbacher darzulegen, dass der Angeklagte im Zuge gemeinsamer Saufgelage eine oder mehrere seiner Türen beschädigt habe. Allerdings hatte er selbst nichts gesehen und nicht viel gehört und verwickelte sich permanent in Widersprüche. Eine junge Frau, die er als Zeugin für seine Beschuldigung anführte, wusste von nichts: In besagter Wohnung gingen viele ein und aus, es werde viel getrunken, und sie könne sich alkoholbedingt an nichts mehr erinnern.

Während sich die Sachbeschädigung also nicht erhärten ließ, hatte Richter Helmut Böhmer keinerlei Zweifel am Notrufmissbrauch. Im Juli hatte ein Mann die 110 gewählt und von einer Bombendrohung fabuliert, die per Brief bei ihm eingegangen sei. Und jetzt rieche er Gas, behauptete der Anrufer. Den Einwand des Verteidigers, die Stimme seines Mandanten sei auf der vorgespielten Tondatei nicht zu erkennen, und jemand anderes könne dessen Handy benutzt haben, ließ der Richter nicht gelten: "Ich habe die Stimme so was von wunderbar wiedererkannt, das war astrein."

Hausfriedensbruch und Beleidigung der Leiterin eines Auerbacher Supermarkts hatte der Angeklagte weitgehend eingeräumt - wenn auch mit der Einschränkung, er habe nicht gewusst, wie lange das Hausverbot gegen ihn gilt. Die Marktleiterin erläuterte jedoch vor Gericht, man erlasse Hausverbote grundsätzlich unbefristet. Nach ihren Angaben war der Angeklagte ebenfalls im Juli wegen seiner Maske zunächst unerkannt in den Markt gekommen. Dann habe sie ihn an der Kasse entdeckt und zur Rede gestellt. Daraufhin habe er sie im Vorraum wüst beleidigt und dann in ihre Richtung gespuckt: "Wenn ich nicht ausgewichen wäre, hätte er mich auch getroffen." Einen älteren Mann, der ihr zu Hilfe gekommen sein, habe der Angeklagte ebenfalls attackiert.

Richter Helmut Böhmer folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verhängte eine Haftstrafe von vier Monate. Eine Bewährungsstrafe sei ausgeschlossen, denn die Rückfallgeschwindigkeit sei enorm: Der einschlägig vorbestrafte Auerbacher sei im Februar 2020 zu insgesamt 18 Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Trotzdem habe er, noch vor Haftantritt, im Juli die neuen Straftaten begangen. Offenbar interessierten Verurteilungen den Angeklagten "nicht die Bohne". Inzwischen sitzt er in Haft, die nun wohl länger dauert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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