Jugend: Die Hälfte will im Vogtland bleiben

Jeder Zweite des diesjährigen Abitur-Jahrgangs kann sich seine berufliche Zukunft in der Region vorstellen. Der Wirtschaft ist das nicht genug.

Plauen/Auerbach.

Heimatverbundenheit ist bei der jungen Generation wieder ein Thema. Das hat eine aktuelle Umfrage unter Absolventen des diesjährigen Abiturjahrgangs ergeben. Demnach kann sich mehr als die Hälfte der 515 Befragten eine berufliche Zukunft im Vogtland vorstellen: Mehr als 53 Prozent kreuzten den Wunsch an. Nur 20 Prozent schließen das für sich völlig aus. Im vergangenen Jahr war weniger als die Hälfte des Abschlussjahrgangs bereit, in der Region zu bleiben oder später zurückzukehren.

Der Wirtschaft ist das nicht genug, wie eine Nachfrage bei der Interessensvertretung in Plauen ergab. "Aus Sicht der IHK würden wir uns eine höhere Bindung der Abiturienten an unsere Heimat wünschen", sagt der Geschäftsführer der Regionalkammer in Plauen, Danny Szendrei. "Im Hinblick auf den Mangel an Fachkräften und Akademikern müssen wir unbedingt weitere Maßnahmen ergreifen, um Perspektiven hier im Vogtland zu bieten." Wie die aussehen sollen, ließ er offen.

Arbeitsbedingungen und das Arbeitsklima sind für die nächste Generation die wichtigsten Faktoren bei der Entscheidung für einen Job im Vogtland. Zumindest setzten dort die meisten Beteiligten der Umfrage ein Kreuz. Auch der Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz steht hoch im Kurs. Die Bezahlung rangiert an vierter Stelle. Diesen Wandel bei den Ansprüchen an die Arbeitgeber registrierten auch die Unternehmer: "Soziale und Sicherheit stiftende Faktoren in der Firma werden wichtiger als die reine Entlohnung gewertet", bestätigt Szendrei. Diese Zeichen würden in vielen Betrieben schon erkannt und umgesetzt. Karrieremöglichkeiten und geregelte Arbeitszeiten sehen die Befragten in Verbindung mit einem Job im Vogtland als wenig ausschlaggebend an. Die Freizeitangebote der Region stehen im Ergebnis an letzter Stelle.

Der Großteil zieht mit Hochschulreife in der Tasche lieber zum Studium statt in die Lehre. Nur 15 Prozent der neuen Azubis im Kammerbezirk der IHK Chemnitz brachten ein Abitur mit, wird dort beklagt. Das spiegelt sich auch im aktuellen Umfrage-Ergebnis aus dem Vogtland wider. Drei von vier der Befragten wollen ein Studium aufnehmen. Fast 70 Prozent wollen dafür aber in Sachsen bleiben.

Auch Lara aus Plauen packt nach ihrem Abschluss am Gymnasium die Koffer. Anders als das Gros ihrer Altersgenossen will sie den Freistaat für ihr Studium verlassen. Ihre Wahl fiel auf Kommunikationswissenschaften in Bamberg - nicht einmal zwei Autostunden von ihrer Heimatstadt entfernt. Ob sie nach dem Abschluss zurückkehrt, ist ungewiss. "Ich könnte mir eine berufliche Zukunft im Vogtland vorstellen, solange ich weiß, dass ich hier keine Nachteile habe", sagt sie. Die 18-Jährige sucht nach Herausforderungen im Job bei fairem Gehalt.

Das Amt für Wirtschaftsförderung im Landratsamt, das die Fragebögen im Frühjahr an die Gymnasien und Berufsschulzentren der Region schickte, bewertet die hohe Quote der Studienabsichten als positiv. Vertreter der hiesigen Unternehmer sehen das ganz anders. Denn damit sind die meisten jungen Leute erst mal weg. Die Zielgruppe mit Abitur muss künftig stärker umworben werden, heißt die Vorgabe aus Chemnitz für die IHK-Regionalkammern. Die Arbeitsagentur in Plauen versucht ebenfalls, den Wünschen der Wirtschaft nachzukommen. Fast 400 Stellen sind aktuell im Vogtland noch immer offen, dabei hat das Ausbildungsjahr schon begonnen. Berufsberater werben für duale Ausbildung statt Studium oder eine Lehre mit dem Ausblick auf ein Aufbaustudium. Marc Stoll berät mit seinem Team Studenten in Chemnitz in Sachen Berufseinstieg. Er rät den jungen Leuten, sich möglichst von allen äußeren Einflüssen frei zu machen. Nur so könnten sie nicht nur unterkommen, sondern auch ihr Glück finden.


Wunsch und Wirklichkeit

Ihren Wunschberuf wollen 80 Prozent der neuen Azubis gefunden haben. Das gaben sie bei der IHK so an.

Nach der Probezeit würden 91 Prozent ihren Betrieb empfehlen. Allerdings lag der Rücklauf bei 17 Prozent.

Ins Ausland zieht es für ein Studium nicht einmal zwei Prozent des Abi-Jahrgangs 2018. Weniger als ein Drittel will den Freistaat verlassen.

Quelle: IHK-Azubiumfrage 2018/Abiturientenbefragung der Wirtschaftsförderung

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