Kahlschlag auf der Apfelbaumwiese

Während tausende Kinder für eine bessere Umwelt auf die Straße gehen, hat man in einem kleinen Dorf im Vogtland kurzen Prozess gemacht. Im geschützen Goldbachtal wurden alte Bäume abgesägt. Naturschützer gehen auf die Barrikaden. Jetzt drohen Strafen.

Rodersdorf.

Der Bach heißt Burgbach, und jetzt ist von der Idylle nur noch der Name übrig. Die Sträucher am Bachlauf und die Bäume auf der benachbarten Streuobstwiese sind abgesägt worden. Apfelbäume, Eichen, Weiden, Erlen. Viele im Dorf schimpfen. "Ich habe nicht gedacht, dass heutzutage jemand so rücksichtslos abholzt", sagt Ute Lange. Sie ist im Vorstand der vogtländischen BUND-Gruppe, Bund für Umwelt und Naturschutz.

Lange hat den Kahlschlag in der Unteren Naturschutzbehörde gemeldet. Förmlich, wie sie sagt. Sie war nicht die erste. Schon eineinhalb Wochen vor Ute Lange hatten Rodersdorfer in der Behörde angerufen und die Fällaktionen angezeigt, wie Umweltamtsleiter Tobias Pohl bestätigt. "Trotzdem ist weitergearbeitet worden", ärgert sich die Umweltschützerin.


Binnen weniger Tage sei ein ganzes Biotop vernichtet worden. Für die Fällungen gab es keine Genehmigung. Die hätte es aber gebraucht, da von März bis September außerhalb von Wäldern und gärtnerisch genutzter Flächen ein Fällverbot besteht. Der Kahlschlag sei ein Eingriff in mehrere Schutzgebiete: ins Vogelschutzgebiet "Vogtländische Pöhle und Täler", ins Fauna-Flora-Habitat "Rosenbachgebiet", und ins Landschaftsschutzareal "Leubnitz-Tobertitzer Riedelgebiet". Vögel brüten dort, und Anwohner berichten von Mopsfledermäusen in den Baumstammlöchern.

Amtsleiter Tobias Pohl erklärt, wie seine Behörde reagiert hat. Zwei Tage nach den ersten Anrufen sei man vor Ort gewesen, habe den zuständigen Bauern ermittelt, den "Umsetzer der Maßnahme" ermittelt, einen Maßnahmenstopp verhängt und ihn über die Konsequenzen aufgeklärt. Der Eigentümer ist der Redaktion nicht bekannt. Den Kahlschlag-Auftrag hatte indes Frank Koch auf dem Tisch liegen, dem ein Forstbetrieb in Rodau gehört: "Ich hatte den Auftrag vom Eigentümer. Wir hatten abgesprochen, was weg soll", sagt er.

Die Dorfbewohner, die schimpfen, wollen nicht mit ihrem Namen in der Zeitung stehen. Man will es sich mit niemanden verscherzen, denn schließlich kennt man sich und muss auskommen miteinander. "Als die Kettensägen gingen, war mein erster Gedanke: Die arbeiten wieder im Wald. Dann habe ich gesehen, was los war. Ich hatte Tränen in den Augen", sagt eine Frau. Sie habe es geliebt, im Herbst dort Äpfel zu sammeln, die alten Sorten, die es sonst kaum noch gebe.

Rund einen Hektar groß ist die Wiese, um die es geht. Vor knapp 100 Jahren soll ein Rodersdorfer die Bäume gepflanzt haben, die krumm und schief in der Landschaft standen. "Ein Stückchen heile Welt", sagt die Frau aus dem Dorf. Aus der Landwirtschaft gibt es diese Stimme: "Wenn Obstbäume abgeschnitten werden, hat das seinen Grund."

Jetzt liegt gestapeltes Holz im Schutzgebiet. "Liegt da wie ein Leichenhaufen", sagt Naturschützerin Ute Lange. Die Naturschutzbehörde hat ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Darin geht es um den Verstoß gegen verschiedene Rechtsnormen: gegen den Biotopschutz, gegen die Landschaftsschutzgebietsverordnung, gegen den Artenschutz. Zudem habe man angeordnet, das Biotop wiederherzustellen, so Behördenleiter Pohl. Der Eigentümer müsse damit rechnen, dass ihm landwirtschaftliches Fördergeld gekürzt wird. Wegen der "Beseitigung eines oder mehrerer Landschaftselemente".

Ute Lange stellt den Fall in Verbindung im anderen Kahlschlägen, die es im Vogtland gab. Am Auerbacher Maschinenteich seien geschützte Bäume abgesägt worden, bei Reusa auch, und das Einrichten eines Naturschutzgebietes im Elstertal nördlich von Plauen werde behindert. Der Slogan "Sinfonie der Natur", mit dem das Vogtland wirbt, habe Kratzer bekommen.

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