Kirmes-Ausstellung mit kritischem Blick auf die DDR

Die Ellefelder Heimatfreunde nehmen sich für die Kirmes-Schau ein besonderes Kapitel der Geschichte vor.

Ellefeld.

Alltagsutensilien und Spielzeug stapelt sich auf den Tischen. Dazwischen ist Platz für Technik, blaue und weiße Hemden, Abzeichen, Ausweise und allerhand Dokumente. Für Ellefelds Heimatfreunde ist die Vorbereitung ihrer Begleit-Ausstellung zur Kirmes am Wochenende eine Gratwanderung gewesen. Unter dem Motto "Das war die DDR" bieten sie ihren Gästen im Oberen Schloss eine informativ-kritische Rückschau an. Im Herbst 2018 hatte der Gedanke Gestalt angenommen.

Das Thema lag nahe. "Vor 70 Jahren wurde die DDR geboren, vor 30 Jahren ist sie gestorben", brachte es Horst Teichmann auf den Punkt. Einen Sammelaufruf konnten sich die Heimatfreunde sparen. Exponate waren in Hülle und Fülle vorhanden: im eigenen Fundus, auf Böden und beim Nachbar. "Das hat uns jemand vom Bauhof gebracht", sagt Klaus Dewath und zeigt auf Loks und Pkws hinter Glas. Jetzt hofft die zwölf Mitglieder kleine Interessengemeinschaft, dass die Ausstellung so ankommt, wie sie ankommen soll. "Wir zeigen nicht nur das Schöne, Sandmännchen und Kittelschürze, sondern auch die Realität", betont Horst Teichmann. Er und sein Mitstreiter Karlheinz Rieß steuerten 22 große, thematisch aufbereitete Tafeln mit Bild- und Textmaterial bei. Teichmann allein 15 mit allem, was die DDR ausmachte: Heimat, Schulsystem, Mauer, Filmproduktion, Wohnungsbau, Versorgung, Stasi, Widerstand, Flucht und Spionage. Auch Briefmarken hat er eine Tafel gewidmet. "Die waren ein Politikum", erzählt Teichmann. Mit besonders schönen, wertvollen Marken seien vom Regime Devisen beschafft worden.


Kulturelle Dinge verbindet Horst Teichmann meist mit positiven Erinnerungen. "In der DDR gab es viel Kultur: Theater, Museen, Ausstellungen", zählt er auf. "Und das zu sehr niedrigen Preisen." Er habe Mitte der 1950er Jahre ein Schülerabo besessen, das ihn für drei Mark pro Monat Theatertüren öffnete. Anders sah es beim Umweltschutz aus. Auf Teichmanns Tafel steht gleich daneben das Wort "Umweltschmutz", darunter reihen sich vielsagende Fotos aneinander. "Umweltschutz war zwar in der Verfassung verankert, aber reine Theorie."

Aufmerksam werden am Wochenende wohl auch die Zahlen auf einer anderen Tafel gelesen: Für eine Dose Ananas mussten Käufer in Delikat-Geschäften 18 Mark hinlegen, für anderthalb Kilogramm Mischbrot ganze 78 Pfennige. "Man hat Wert auf Grundversorgung gelegt", berichtet Horst Teichmann. "Weil die Warendecke später nicht mehr da war, hatten die Leute keine Möglichkeit, ihr Geld auszugeben." Was zu einem gewaltigen Geldüberhang geführt habe. Dazu fand der Ellefelder eine imposante Zahl: 1989 betrug jener Überhang fast 160 Milliarden DDR-Mark.


Auszug Kirmesprogramm

Freitag: 19 Uhr Fackel- und Lampionumzug, Treffpunkt Kindergarten, 20Uhr Kirmeseröffnung, danach Tanz mit "Anna and the rocks".

Samstag: ab 14 Uhr Festzeltbetrieb, 14 bis 17 Uhr Kindersachen-Flohmarkt (Turnhalle), 20 Uhr Tanz mit Simultan, 18 Uhr Classic-Brass-Konzert (Auferstehungskirche).

Sonntag: 10 Uhr Festgottesdienst (Lutherkirche), 9 bis 17 Uhr Reitturnier (15 Uhr Infos für Reitanfänger), 14.30 bis 17 Uhr Festzeltbetrieb, 13 bis 16 Uhr Tischtennis für jedermann in der Turnhalle.

An beiden Tagen: Beide Angebote im Schloss - 13 bis 18 Uhr DDR-Ausstellung und 14 bis 16 Uhr Vorführung im Handweben. (dien)www.ellefeld.de

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