Kleine Weltraumforscher lassen Nasa-Flieger steigen

Die Vorschulkinder der Rodewischer "Flohkiste" sind die ersten, die ein neues Lehrprojekt der Sternwarte testen. Das Rüstzeug dafür hat sich Leiter Olaf Graf in den USA geholt.

Rodewisch.

Was hat das Vormittagsprogramm in einer vogtländischen Kita mit Forschungsflügen der US-amerikanischen und der deutschen Raumfahrtbehörde zu tun? Eine ganze Menge, wie ein Besuch in der Rodewischer Sternwarte an der Rützengrüner Straße zeigt.

Eifrig falten dort an einem Dienstagvormittag 15 Vorschulkinder der benachbarten Kita Flohkiste Papierflieger. Nicht irgendwelche Papierflieger, sondern sozusagen Nachbauten des Flugzeuges Sofia - einer Boeing 747 SP der Nasa, die auch als fliegende Sternwarte bezeichnet wird.

Anfang des Jahres war Sternwartenleiter Olaf Graf als einer von acht Deutschen mit ihr von Palmdale in Kalifornien, USA aus zweimal zu Forschungsflügen gestartet. Das Besondere: Anders als gewöhnliche Flugzeuge könne die Sofia bis in 15 Kilometer Höhe fliegen, berichtet Graf. Der niedrige Wasserdampfgehalt in diesen Sphären garantiere besonders scharfe Beobachtungsergebnisse, so Graf weiter - von der Sonnenstrahlung oder von Gaswolken, in denen Sterne entstehen. Wobei man diese auch dort oben nicht mit bloßem Auge erkennen, sondern mit entsprechender Technik als Diagramm aufzeichnen und später am Computer visualisieren könne, erklärt Graf.

Eine solche visualisierte Gaswolke hängt auch im Vorraum der Sternwarte in Rodewisch - dort, wo an besagtem Dienstagvormittag 15 Steppkes erst Flieger falten und diese dann auch fliegen lassen. Die Fünf- bis Sechsjährigen sind die ersten, die von Grafs Erkenntnissen bei den Sofia-Flügen profitieren. Denn die Projektidee zu diesem Bildungsangebot ebnete Graf die Teilnahme an seiner Forschungsreise in den USA. Nur wenige Bewerbungen aus Deutschland würden für das Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen und deutschen Raumfahrtbehörden jährlich zugelassen, berichtet Olaf Graf. Voraussetzung: Als Lehrer oder Hobbyastronom hat man eine Idee, das komplexe Thema lehrreich weiter zu geben. Zu seinem Bedauern seien die neuen Bundesländer bei diesem seit 2012 voll geförderten Programm bisher immer unterrepräsentiert gewesen.

Der Nasaflieger-Bastelvormittag in der Rodewischer Sternwarte markiert Teil zwei in Grafs vorschulischem Programm. Teil eins umfasste den Bau eines Teleskopes samt Beobachtungen am Himmelszelt als Hausaufgabe. Die Themen Solarmotor, Wärmebild und infrarot hat sich der Sternwartenleiter für Teil drei und vier zurecht gelegt.

Ist das nicht zu anspruchsvoll für diese Altersklasse? Graf räumt ein, dass es nicht so einfach sei, diese wissenschaftlichen Themen auf ein altersgerechtes Angebot herunterzubrechen. Doch gerade das sei sein Anspruch gewesen, weil dort bisher noch eine Lücke herrscht.

Dass Olaf Graf dabei das richtige Maß trifft, bestätigt "Flohkisten"-Leiterin Kathrin Unger. Ihre Schützlinge seien begeistert - und nicht jedes Kind komme vom Elternhaus aus in den Genuss von Sternwartenbesuchen, betont sie den Bildungsaspekt.

Grafs Angaben zu Folge soll das Programm nächstes Jahr auf weitere Kindereinrichtungen in Rodewisch ausgeweitet und später vogtlandweit angeboten werden.

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