Kleingärtner stemmen sich gegen den Mitgliederschwund

Erstmals ist die Mitgliederzahl organisierter Kleingärtner im Regionalverband Göltzschtal unter die 5000er Marke gerutscht. Dagegen kämpft der Verband auf verschiedenen Wegen an.

Rodewisch.

Die Zahl geht Tommy Brumm nicht leicht über die Lippen: 4901 Frauen und Männer zählt der Regionalverband Göltzschtal der Kleingärtner aktuell. Somit hat er erstmals in seiner Geschichte weniger als 5000 Mitglieder. Tendenz weiter fallend. Wie sich dem Rückgang entgegenwirken lässt, skizzierte der Verbandsvorsitzende zur Regionalversammlung am Freitagabend in Rodewisch.

Ansätze gibt es mehrere: Zum einen müssten die einzelnen Vereine zusammenarbeiten. Und dem voranschreitenden Vereinssterben müsste mit zahlenmäßig besser besetzten Vorständen oder einer zentralen Verwaltung begegnet werden, so Tommy Brumm. Außerdem gelte es, eine Lobby aufzubauen und die Kommunen mit ins Boot zu holen. Bei dieser Vorgehensweise können die Naturfreunde schon erste Erfolge verbuchen: In Rodewisch gibt es seit knapp zwei Wochen ein vom Stadtrat abgesegnetes Kleingartenentwicklungskonzept, in dem Wünsche der organisierten Hobby-Gärtner und der Gemeinde Berücksichtigung finden. Tommy Brumm zufolge ist es das erste seiner Art im Göltzschtal (siehe Kasten). Der Verbandschef hofft, dass andere Kommunen nachziehen.

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Im April will sich der Regionalverband mit Falkensteiner Stadtvertretern an einen Tisch setzen, dann die Fühler nach Auerbach, Treuen und Klingenthal ausstrecken. In den beiden letzteren Kommunen ist man nach Worten des Verbandschefs derzeit "am weitesten von einem Entwicklungskonzept entfernt". Helfen können Kommunen auf verschiedene Art und Weise, sagte Tommy Brumm. Mit Technik zum Beispiel oder bei der Kostenübernahmen für Container. "Eigentlich mit vielen tausend Kleinigkeiten." Solche Entwicklungskonzepte seien zudem eine wichtige Grundlage für Fördermittel.

Neben Rodewisch nimmt beim Kampf gegen den Leerstand auch Reichenbach eine Vorreiterrolle ein. Dort gibt es das Modell eines funktionierenden Pachtzins-Rücklauf. Das bedeutet, Pachteinnahmen aus Verbands-Kleingärten werden von der Kommune für Investitionen in die Anlagen verwendet. Auch so lässt sich laut Tommy Brumm Leerstand vermeiden.

Sorgen machen nach wie vor Gartennomaden, die Parzellen in Müllhalden verwandeln, bevor sie wieder verschwinden. Und die Tatsache, dass Fördermittel fehlen. Zwar wird das Ende 2018 gestartete Landesprogramm "Vitale Dorfkerne" als bislang einziges mit Bezug auf Kleingartenvereine begrüßt. Tommy Brumm zufolge fällt aber auch diese Finanzierungsquelle momentan weg: Weder Zeit noch Mittel würden reichen, um Gelder daraus zu beziehen.


Der Regionalverband und das Rodewischer Modell

Der Regionalverband Göltzschtal - sein Einzugsgebiet erstreckt sich von Klingenthal bis Reichenbach - besteht aus 158 Vereinen. Im Vorjahr waren es noch 161. Außerdem ist die Mitgliederzahl um mehr als 100 gesunken. Insgesamt stehen 1600 Parzellen leer. Verbandschef ist Tommy Brumm (Foto).

Das Entwicklungskonzept für die Rodewischer Kleingartenanlagen sieht beispielsweise vor, leerstehende Gärten für neue Bebauungen freizumachen. In der Stadt betrifft das 80Gärten, auf die Anlagen verteilt, und es sei absehbar, dass es mehr werden. Prinzipiell sollen die Anlagen erhalten werden, wobei allerdings die Sparte "Alte Lengenfelder Straße" in die Kleingartenanlage "Am Stadtrand" integriert werden soll. So sollen sowohl das bestehende Überangebot an Kleingärten als auch der beträchtliche Parzellen-Leerstand reduziert werden. Die Stadt profitiert davon, weil es neue Möglichkeiten zum Bebauen gibt. (dien/güli)

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Täglichleser
    02.04.2019

    Micheles da gibt es bestimmt viele Möglichkeiten diese Flächen mal nicht zu versiegeln. Rodewisch ist da ja ganz gross.
    Dort soll sogar der Minipark mit weiteren Asphaltwegen versehen werden. Darf alles
    keine Arbeit machen und kein Geld kosten.
    Sparen an der falschen Stelle. Wie wäre es
    Kleingärten wieder sinnvoll Aufzuforsten.
    Mischwald, Sträucher. Streuobstwiesen.
    Oder als gewerbliche Flächen für Obst- und
    Gemüsebauern und Landwirten zur Verfügung zu stellen?
    Ein Skandal ist es, das Problem 70 bis 90jährigen Kleingärtner zu überlassen,
    die keine Nachfolger finden.

  • 2
    1
    Micheles
    02.04.2019

    Das "Entwicklungkonzept" für die Rodewischer Kleingärten verdient diesen Namen nicht, wenn die Lösung darin besteht, leerstehende Parzellen für die Bebauung nutzbar zu machen. Diese Flächen sind dann für immer für die kleingärtnerische Nutzung verloren. Wer hat dieses Konzept geschrieben? Ein Immobilienhändler?! Unglaublich! Ich schließe mich Täglichleser an. Ein Konzept wäre es, diese Flächen in Insektenweiden zu verwandeln. Ein Stück Natur zurückzugeben.

  • 0
    1
    Einspruch
    01.04.2019

    Die Stadtverbände verlangen auch immer mehr Beiträge.

  • 1
    1
    Täglichleser
    01.04.2019

    Dieser Herr Brumm bemüht sich. Aber die
    Kleingärtner haben keine Lobby. Diese Kleingärten zu erhalten oder auch die verwaisten Kleingärten als ein Stück Natur zu erhalten, wäre ein Beitrag für Klimaschutz.



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