Klinik: Ungewissheit zermürbt Personal

Drei Monate nach dem Protest gegen die drohende Schließung der BG-Klinik Falkenstein zeichnet sich offiziell noch immer keine Lösung ab. Beim Betriebsrat liegen die Nerven blank.

Falkenstein.

Bis Herbst solle eine Lösung her, hieß es Mitte Mai, als die Entscheidung über die Zukunft der BG-Klinik für Berufskrankheiten in Falkenstein vorerst vertagt wurde. Fehlendes Personal, Investitionsbedarf, Standort- und Profilnachteile standen als Gründe im Raum, warum die Wirtschaftlichkeit des BG-Kliniken-Standortes im Vogtland in Frage gestellt ist.

Bei einem Wahlkampftermin des Linken-Bundesparteichefs Bernd Riexinger mit Vertretern der Belegschaft und der Gewerkschaft Verdi im Vogtland offenbarte sich: Nach dem zwischenzeitlichen Luftholen herrscht die Ungewissheit wieder vor. Inzwischen liegen die Nerven bei den 100 Angestellten blank. "Wir wissen nichts", umriss die Betriebsratsvorsitzende, die eigentlich nicht genannt werden will, die Situation.


Die Gewerkschaftssekretärin Simone Bovensiepen bestätigte den Status und sprach davon, dass nach der öffentlichkeitswirksamen Protestaktion von Angestellten, Patienten und Bürgern aus der Region im Mai vor der Klinik sogar Druck auf das Personal ausgeübt worden sei, künftig keinen Kontakt mehr zu Medien zu suchen. Die Befürchtung von Betriebsrat und Gewerkschafterin: Das Aus für die BG-Klinik ist längst beschlossene Sache, wird nur nicht kommuniziert. Für diese Vermutung spreche, dass sämtliche Rettungs-Vorschläge kleingehalten würden, so Bovensiepen.

Rückblick: Im April wurde öffentlich bekannt, dass die Klinik für Berufskrankheiten in Falkenstein in der Krise steckt. Das Haus in Falkenstein gehört zu einem deutschlandweiten Verbund von BG-Einrichtungen. Gesellschafter sind neun Berufsgenossenschaften und neun Unfallkassen. Das Problem in Falkenstein: Die Klinik ist auf berufsbedingte Lungen- und Hautkrankheiten spezialisiert. Der erste Teil umfasse die größere Abteilung mit immer weniger Patienten, erklärt Geschäftsführer Hans Böhm.

Jedes BG-Haus ist eine gemeinnützige Gesellschaft, zusammengefasst unter einer Muttergesellschaft. Laut Böhm entscheide der Hauptausschuss der Muttergesellschaft am 26. September über die Zukunft der Falkensteiner Einrichtung. Böhm: "Am 27. September ist dann eine Mitarbeiterversammlung im Haus anberaumt." Vorwürfe, laut denen seit längerem Patienten in die zweite BG-Klinik für Berufskrankheiten in Bad Reichenhall umgelenkt würden, um die Auslastungszahlen niedrig zu halten, weist Böhm, der dort ebenfalls Geschäftsführer ist, zurück. Ebenso jenen, der Betriebsrat werde über Entwicklungen nicht informiert. "Es gibt eine Arbeitsgruppe, die regelmäßig tagt und zu der auch die Betriebsratsvorsitzende und Bovensiepen gehören", so Böhm.

Unterschiedlich sind auch die Darstellungen zum Thema Ärztemangel. Laut Böhm sei dieser grundsätzlich: Von zehn Ärztestellen seien zwei vakant. Für die Gegenseite ist dieser Mangel "eine Folge der ungewissen Zukunft für das Haus".

"Im Moment ist alles offen", fährt Böhm fort. Ob Fortbestand als BG Klinik, eine Kooperation mit einer anderen Klinik in der Region oder der Verkauf an einen neue Träger: Es würden sämtliche Varianten diskutiert. Interessierte Käufer gebe es.

Als im Mai die Wogen hochkochten, schalteten sich auch Landrat, Bürgermeister, Landtagsabgeordneter Sören Voigt (alle CDU) und die Linken-Landtagsabgeordnete Janina Pfau ein - mit dem Ziel, für den Standort im Vogtland kämpfen zu wollen. Pfau beklagte nun, seit den "Lippenbekenntnissen der Regierungspartei-Vertreter" nichts mehr gehört zu haben. Auch die Antwort der Staatsregierung auf eine Kleine Anfrage von ihr sei unbefriedigend ausgefallen.

Sören Voigt gibt auf Anfrage an, dass Gespräche mit der Staatsregierung geführt wurden, man auf das Thema sensibilisiert sei, nun aber abwarten müsse, welche Entscheidungen in der privatrechtlichen Gesellschaft getroffen würden. Danach könne der Freistaat sicher in irgendeiner Form, beispielsweise bei Investitionen, unterstützen.

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