Kritik an Denkmal für von Gestapo ermordeten Menschenretter aus dem Vogtland

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Statt Namensgebung für eine Schule sollen in Falkenstein ein neues Denkmal und ein jährlicher Preis an Alfred Roßner erinnern. Die Umsetzung dauert - und vor allem die Stele auf dem Friedhof stößt auf Protest.

Falkenstein.

Alfred Roßner gilt als Gerechter unter den Völkern, womit seine Einordnung unter Hitlers Diktatur historisch unbestritten ist. 1906 in Oelsnitz geboren, bewahrte der Falkensteiner als Treuhänder im besetzten Polen zahlreiche jüdische Arbeiter und deren Familien vor der Deportation. 1943 wurde er dafür von der Gestapo ermordet.

Bisher erinnert eine kleine Gedenktafel auf dem abseits gelegenen Falkensteiner Friedhof an den Menschenretter aus dem Vogtland. Und vor einem halben Jahr beschloss der Stadtrat an ihrer Stelle eine größere Stele zu errichten. Demnächst soll sie aufgestellt werden, doch es gibt Kritik an diesem Plan.

Groß klang nämlich im Januar 2020 in Falkenstein eine Ankündigung, Alfred Roßner "angemessen" ins lokale Bewusstsein zu holen. Man werde die Grundschule nach ihm benennen, stellte CDU-Stadtrat Ronny Kadelke als Stellvertreter des Bürgermeisters anlässlich des Holocaustgedenktages in Aussicht - unter anderem im Beisein einer Überlebenden von damals, dem ehemaligen Chef der Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, und der Autorin und Roßner-Biografin, Hannah Miska. Kadelke sprach von "einer Pflicht", der man rasch nachkommen wolle, in dem der Stadtrat einen entsprechenden Beschluss fassen werde. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Probleme gibt", gab er damals zu Protokoll.

Als es im Herbst im Rat um die Ehrung von Roßner ging, war von einer Widmung der Grundschule keine Rede mehr. Einstimmig beschloss man stattdessen eine neue Gedenkstele für den Friedhof anfertigen zu lassen. Kosten: 7500 Euro.

Eine neue Stele auf dem Friedhof? Damit werde Alfred Roßner das zweite Mal beerdigt und ad acta gelegt, sagt die Autorin Miska aus Schliersee in Bayern, die den Eindruck hat, dass die Stele Roßner eher verstecken solle, als ins öffentliche Bewusstsein zu holen.

Wie erst jetzt bekannt wurde, hatten sowohl Miska als auch der Plauener Staatsminister a. D., Rolf Schwanitz, den Bürgermeister und die Stadträte daraufhin eindringlich gebeten, diesen Beschluss nochmals zu überdenken. Roßners "beispielgebendes Handeln" wieder in die Bürgergemeinschaft zurück zu holen, das könne mit einer Friedhofserinnerung keinesfalls gelingen, mahnt Schwanitz, der von einem "verheerendem Signal" spricht. Und wie Schwanitz appelliert auch Miska in ihrem Schreiben: "Geben Sie der Stele für Alfred Roßner einen prominenten Platz in der Stadt."

Bürgermeister Marco Siegemund (CDU) gibt sich davon unbeeindruckt. Schwanitz hat bis heute keine Antwort und Miska hofft darauf, dass die Kommune parallel wie zugesagt jährlich noch einen Alfred-Roßner-Preis im Sinne von Toleranz und Menschlichkeit ausloben will. Laut Siegemund wurde dazu nichtöffentlich ein Beschluss gefasst. Ein Konzept existiert jedoch noch nicht. Der Bürgermeister argumentiert mit den Coronaumständen und stellt ein baldiges Fertigstellen des Konzeptes in Aussicht. Zudem sei nicht ausgeschlossen, dass bei Gelegenheit noch eine neue Straße nach Roßner benannt werde.

Die Diskussion um das Andenken an Alfred Roßner führt Falkenstein seit Jahren. Daran erinnert den Bürgermeister auch Schwanitz in seinem Brief eindringlich. Der ehemalige Bundespolitiker wirft den Falkensteinern vor: Wer die Auseinandersetzung mit dem Ungeist von gestern und heute scheue oder vermeide, habe im Kern kapituliert und verloren.

Siegemund geht darauf nicht ein. Fakt ist: Auch an anderer Stelle setzte der Stadtrat in so einer Frage seltsame Zeichen: Als es im Sommer 2020 darum ging, im Städteverbund mit der Unterzeichnung einer Resolution für Toleranz geschlossen aufzutreten, war es das Falkensteiner Gremium, das sich allein querstellte.

Das könnte Sie auch interessieren

11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 14
    4
    mathausmike
    12.03.2021

    Ich wünsche mir,dass Alfred Roßner,der viele jüdische Familien vor der Deportation gerettet hat,eine größere Ehrung erfährt,als mit einer Stele auf dem Friedhof!