Kunsthandwerk ist unfreiwillig Frauensache

Beim Kreativzirkel Töpfern in der Auerbacher Göltzschtalgalerie wird schon für Ostern vorgearbeitet. Männer gehören bis dato nicht zu den Teilnehmern.

Auerbach.

Nach und nach zeigt sich, was aus dem grauen Tonklops werden soll. Langsam aber sicher formt Steffi Polomsky Bauch, Arme, Kopf und zwei lange Ohren. Für die Gesichtsdetails ist besonders viel Feingefühl vonnöten. Ein spitzes Modellierholz verhilft dem Hasen zum letzten Schliff. Auch wenn beim Kreativzirkel Töpfern in der Auerbacher Göltzschtalgalerie Nicolaikirche die Vorbereitungen begonnen haben, Ostern ist für Steffi Polomsky und ihre "Mitschüler" nach wie vor weit weg. Man sei noch nicht in der Stimmung, sagt sie.

Möglichst frühzeitig mit den Vorbereitungen zu beginnen, hat vielmehr technische und ökonomische Gründe. "Es kann sechs Wochen dauern, bis das Produkt fertig ist", erklärt Polomsky. Denn gebrannt wird alles doppelt. Nach dem Modellieren erhalten die Figuren im hauseigenen Brennofen bei 860 Grad den Rohbrand. In der Fachsprache heißt er Schrühbrand. Nach einer Ruhephase bekommt das Tongut Farbe und Glasur. Als letzter Arbeitsgang folgt der Glasurbrand. Dabei wird die Ofentemperatur auf 1360 Grad hochgedreht, was die Kunstwerke robust und wetterbeständig macht.

Zweimal pro Monat treffen sich sieben Frauen aus Auerbach und Umgebung für zwei Stunden zum gemeinschaftlichen Töpfern. Manche sind seit einem halben Jahr dabei, andere vor wenigen Wochen eingestiegen. An den Tischen ist noch Platz für drei oder vier Neueinsteiger. Warum bislang nur Frauen an dem Kunsthandwerk Gefallen finden, kann sich Zirkelleiter Wolfgang Richter nicht erklären. "Ein bissel Fingerfertigkeit braucht man schon", sagt er und mutmaßt vorsichtig: "Vielleicht ist deshalb kein Mann dabei ..."

Richter hat sich Töpfer-Grundwissen autodidaktisch angeeignet und bei einer Auerbacher Töpferei dazugelernt. "Ich bin eigentlich ausgebildeter Geigenmacher", berichtet der Göltzschtalgalerie-Mitarbeiter. Im April 2018 übernahm er den Zirkel, nachdem sich seine Vorgängerin verabschiedet hatte. Genau genommen sind es zwei Kurse. Denn wer gut vorankommt und dabei bleibt, kann zu den einmal pro Monat töpfernden Fortgeschrittenen wechseln.

Modelliert wird nach Lust und Laune. Motiv-Vorschriften macht Wolfgang Richter den Frauen nicht. Auch deshalb sind Sandra Winges und Heidrun Bretschneider noch mit genauso viel Spaß bei der Sache wie am Anfang im vergangenen Sommer. "Es ist schön, wenn man solche Keramiksachen selber machen kann", findet Heidrun Bret-schneider. Ihre Tischnachbarin: "Da kann man mal abschalten." Zur ersten Kursstunde machten die Frauen aus Auerbach und Ellefeld eine Entdeckung: Sie kannten sich von früher. "Heidrun Bretschneider war meine Grundschullehrerin", lacht Sandra Winges.

Service Interessenten für den Anfänger-Töpferzirkel jeden zweiten Mittwoch ab 16 Uhr in der Auerbacher Göltzschtalgalerie können sich unter Telefon 03744 211815 informieren. Teilnehmer zahlen vier Euro pro Person und Doppelstunde.

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