Landgericht bestätigt Haftstrafe für Baumarkt-Betrüger

Das Urteil gegen den 29-Jährigen wurde nur leicht gemildert. Er hatte mit Luftbuchungen Zehntausende Euro erbeutet.

Zwickau/Falkenstein.

Es wurde ihm offenbar leicht gemacht: Ein 29-jähriger Plauener hat nach Überzeugung der Justiz in knapp 100 Fällen seinen damaligen Ausbildungsbetrieb, einen Baustoffhandel im Raum Falkenstein, mit fingierten Warenrücknahmen betrogen - um rund 30.000 Euro. Er tat demnach so, als würden Kunden Ware zurückgeben und dafür den Kaufpreis erstattet bekommen. Nur dass er diesen eben selbst einstrich. Das fiel erst nach Monaten auf.

Im Juni war der junge Mann für diese Betrügereien und weitere 16 Fälle von Betrug mit Ebay-Kleinanzeigen vom Amtsgericht Plauen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Drei Monate hat er inzwischen in Untersuchungshaft gesessen. Vor Beginn des Berufungsprozesses am Landgericht Zwickau kam er zunächst wieder auf freien Fuß.

Im neuen Verfahren versuchte er, Zweifel an seiner Täterschaft beim Baumarkt-Betrug zu säen. Weil er beim letzten Fall ertappt worden sei, hätten sich sein Arbeitgeber und die Ermittler auf seinen Mandanten eingeschossen und ihm als Sündenbock sämtliche Fälle zugeordnet - obwohl sich dies nicht beweisen lasse, so der Verteidiger des Angeklagten "Das kann jeder gewesen sein, der dort arbeitete." Er versuchte, die Zuverlässigkeit der Dienstpläne anzuzweifeln. Aus diesen geht klar hervor, dass es immer dann zum Betrug kam, wenn der Angeklagte Dienst hatte. Die Pläne könnten schon deshalb nicht stimmen, weil sein Mandant wegen einer Wiedereingliederung nach Krankheit keinen Samstagsdienst machen durfte, so der Verteidiger. Deshalb forderte er Freispruch für den Betrug mit den Baustoffen und eine Geldstrafe für die Ebay-Abzocke.

Das Gericht unter Leitung von Richter Torsten Sommer zeigte sich allerdings unbeeindruckt von den angeblichen Ungereimtheiten des Dienstplanes. Es gebe nicht den geringsten Zweifel daran, dass der Angeklagte auch an den fraglichen Samstagen gearbeitet habe, und dies sei zulässig gewesen, befand der Richter. "Wenn Sie da waren, dann gab es Taten - wenn nicht, dann passierte auch nichts", hielt Sommer dem Angeklagten vor. Und er verwies auf die erheblichen Bargeld-Überweisungen, die im Tatzeitraum von Juli bis Dezember 2016 auf dem Konto des Angeklagten eingingen: Insgesamt 12.000 Euro. Zur Erklärung hatte der 29-Jährige auf angebliche Schwarzgeld-Zahlungen eines Plauener Fußballvereins verwiesen, für den er damals spielte. Der Richter meinte dazu knapp: "Das können Sie vergessen." Es habe zwar Aufwandsentschädigungen vom Verein gegeben, doch die hätten sich im niedrigen dreistelligen Bereich bewegt. Letzten Endes sei das Gericht absolut überzeugt davon, dass nur der Angeklagte für die fingierten Warenrücknahmen verantwortlich sei. Und es gebe auch keinen Zweifel daran, dass die Taten als gewerbsmäßiger Betrug einzustufen seien.

Einzig beim Strafmaß gab es eine Milderung: Statt zwei Jahre und zehn Monate hält das Landgericht zwei Jahre und drei Monate Haft für angemessen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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