Letztes Lehrjahr wird für Friseure zum Hürdenlauf

Mit der Freisprechung am Montag in Auerbach haben 14 vogtländische Gesellen ihre Zeugnisse erhalten. Alle starten nahtlos ins Berufsleben.

Auerbach.

Normalerweise wird die Freisprechung ehemaliger Handwerks-Lehrlinge groß gefeiert. Nicht so im Jahr 2020. Die Friseurinnung Vogtland verabschiedete ihre 14 vogtländischen Lehrlinge vorgestern in der Auerbacher Schlossgaststätte mit dem traditionellen Zeremoniell offiziell ins Berufsleben. Dass die Feier ein paar Nummern kleiner ausfällt, ist Corona geschuldet. "Es gibt dieses Jahr von der Handwerkskammer keine Großveranstaltung, wo alle Lehrlinge gleichzeitig freigesprochen werden", sagte Innungsobermeisterin Korinna Ernst.

Um elf weibliche und drei männliche Absolventen ist die vogtländische Friseurlandschaft jetzt reicher. Einer startet nächste Woche mit der Meisterausbildung durch. Solche nahtlosen Übergänge legte Jürgen Petzold, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Vogtland, auch den anderen frischgebackenen Gesellen nahe. Am Lernen dranzubleiben, das sei von Vorteil. Zur Feier richtete er aber erst einmal ein Lob an die Neuen. Alle hätten die Prüfungen mit Bravour gemeistert. Sämtlichen Hindernissen zum Trotz. Der aktuellen Friseur-Generation seien "Steine in den Weg gelegt worden, wie keiner anderen", sagte er. Lernen habe im letzten Lehrjahr unter schwierigsten Bedingungen stattgefunden. "Das nötigt Respekt ab." Und Petzold gab ihnen noch eine Bitte mit auf den Weg: "Schaffen Sie für sich und das Handwerk die positive Resonanz nach außen, die wir so dringend brauchen."

Korinna Ernst ging näher auf den Hürdenlauf im vergangenen halben Jahr ein. "Es gab wenig Schule, wenig Prüfungsvorbereitung. Die Prüfungen mussten aus Platzmangel geteilt werden", zählte sie auf. Kurz vorm Zieleinlauf baute sich plötzlich noch eine Hürde auf: Das letzte Examen in Plauen hätte beinahe ausfallen müssen, berichtete Ernst. "Weil der Prüfungsort im Evakuierungsgebiet einer Fliegerbombe lag". Mitte Juli war im Stadtgebiet ein Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet worden, dessen Entschärfung die Räumung eines Gebietes im Radius von einem Kilometer um den Fundort bedeutet hätte. Zwar konnte letztendlich Entwarnung gegeben werden, die Friseurinnung verlegte das weitere Prozedere dennoch vorsichtshalber in den Falkensteiner Salon von Korinna Ernst. Nachwuchs im Friseurhandwerk zu finden, ist der Obermeisterin zufolge momentan kein Problem. Angebot und Nachfrage halten sich die Waage. Alltag findet indes weiter unter erschwerten Bedingungen statt. "Wir arbeiten immer noch mit Maske und halten Abstand, wenn es geht", sagte Korinna Ernst. "Für die Kunden ist es nicht das größte Vergnügen. Aber lieber mit Hindernissen arrangieren als wieder schließen zu müssen."

Vom 18. März bis zum 5. Mai standen die Räder ihres Unternehmens still. "Ich denke, ein gesundes Geschäft kann das überstehen", sagte Korinna Ernst. "Zwei oder drei Lockdowns würden wir aber nicht schaffen."

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