Maler macht aus alter Schule Museum

In seinem neuen Domizil hat Ulrich Otto endlich Platz für seine Kunst. An der möchte er die Menschen teilhaben lassen.

Auerbach.

Als Ulrich Otto vor wenigen Tagen 75 Jahre alt geworden ist, hat er sich selbst das wohl schönste Geschenk gemacht, das er sich vorstellen kann: ein Haus für seine Kunst - Atelier, Museum und Wohnsitz in einem.

Den Raum dafür hat Ulrich Otto in der alten Schule Rempesgrün gefunden, die der Maler aus München vor reichlich drei Jahren erwarb und seitdem schrittweise mit Unterstützung von Handwerkern und Helfern renoviert. "Jetzt ist ein Stand erreicht, dass ich auch anderen Einblick gewähren möchte", begründet Otto seinen Schritt in die Öffentlichkeit: Am Himmelfahrtstag sind ehemalige Schüler und Lehrer der Rempesgrüner Schule und Einwohner des Auerbacher Ortsteiles eingeladen, sich einen Eindruck davon zu verschaffen. Dieser erste Termin ist zugleich der Test für eine weitere Präsentation des Künstlerdomizils. Voraussichtlich Ende Juni will Ulrich Otto sein "bewohntes Museum" erneut für kunstinteressierte Besucher öffnen.


Dass es ihn aus München nach Auerbach verschlagen hat, habe viele Gründe und sei eine lange Geschichte, sagt Ulrich Otto. Über viele Jahre war Bayerns Hauptstadt Ottos Wohnsitz und künstlerische Heimat. Zwar sei die Stadt mit ihren Akademien und Galerien noch immer eine Kunstmetropole, aber inzwischen eben auch ein teures Pflaster. Ganz auf seine Kunst konzentriert, war für Otto absehbar, dass die 100-Quadratmeter-Mietwohnung plus Lagerräume sein Budget irgendwann übersteigen würden. Als die Sanierung samt Mietsteigerung angekündigt wurde, war das der Anstoß, die Suche nach einem neuen Domizil zu forcieren.

Bezahlbar und mit Platz für Atelier und Lager - "da kamen eigentlich nur alte Fabriken oder Schulhäuser in Betracht", berichtet Otto von seiner Suche, die ihn in den Osten, ins Vogtland und nach Auerbach führte. Zunächst hatte es ihm hier die ehemalige Wäschefabrik Horn angetan. Doch die absehbar hohen Sanierungskosten ließen ihn Abstand nehmen. Weil sich zwischendurch in Auerbach eine Lagermöglichkeit für einen Teil seiner Bilder auftat, hatte Ulrich Otto praktisch schon einen Fuß in der Stadt. Der bei einem Besuch in der Stadt zufällig geknüpfte persönliche Kontakt mit Joachim Otto, mit dem Ulrich Otto weder verwandt noch verschwägert ist, sorgte dann dafür, dass sich der Münchner für Auerbach und für die alte Schule Rempesgrün entschied.

"Zudem hatte ich irgendwann die Betteltour bei der Suche nach Ausstellungsgelegenheiten satt" nennt der 75-Jährige einen weiteren Grund für seine Entscheidung für Rempesgrün und ergänzt: "Mein Werk hat sich international behauptet. Wer etwas von mir sehen oder kaufen möchte, soll herkommen."

Zumal Otto seine meist großformatigen Bilder, viele davon in Serien, um sich haben möchte. Ebenso seine Sammlung von Werken befreundeter Kollegen oder von Künstlern, die ihm wichtig sind. All das benötigt Platz und Präsentationsmöglichkeiten nach seinen Vorstellung, betont der Künstler. Die alte Schule mit ihren großen Klassenzimmern und hohen Fenstern bietet all dies. Hinter einer Fassade, der man das "bewohnte Museum" bislang nicht ansieht. Einen Namen dafür hat sich Ulrich Otto zusammen mit einem Freund schon ausgedacht "AMaLa": Auerbachs Museum auf dem Land.

Die Atelier- und Ausstellungsräume in der Alten Schule Rempesgrün an der Lassallestraße sind am morgigen Donnerstag ab 16 Uhr geöffnet.


Leben und Werk

Geboren 1944 in Potsdam, wuchs Ulrich Otto in München auf, wo er an der Akademie der Bildenden Künste Malerei und Kunsterziehung studierte; später Kunstgeschichte und Archäologie an der Uni.

Nach Lehraufträgen ist Otto seit 1980 freiberuflich tätig. Viele Jahre Mitglied der Produzentengalerie Adelgundenstraße München, kann er auf zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland verweisen.

Ottos Arbeiten lassen sich der konkreten Kunst zuordnen, mit der er sich seit den 70er-Jahren beschäftigt. In seinen teils meditativen Bildern (Acryl, Siebdruck) erkundet Otto Farben und Formen. "Geometrie wird durch Farbe zum Sprechen gebracht", schrieb ein Kritiker über Otto. (how)

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