Maschinenteich: Zweifel am Gutachten

Das von der Stadt Auerbach beauftragte Büro hält die vom Rathaus favorisierte Radwegführung für optimal. Naturschützer widersprechen energisch.

Auerbach.

Der Streit um den geplanten Radweg am Maschinenteich geht weiter: Vogtländische Naturschützer beharren darauf, dass der Weg an der Lidl-Seite (Westseite) am (derzeit ausgetrockneten) Gewässer vorbeiführen muss. Damit widersprechen sie dem jetzt vorliegenden Artenschutz-Gutachten, das ein Bayreuther Büro im Auftrag der Stadt verfasst hat. In einem Positionspapier appellieren Vertreter von Nabu, BUND, Ornithologenverband und Naturschutzdienst nochmals an Auerbachs Stadträte, sich gegen die Streckenführung über einen neu zu errichtenden Damm an der Göltzschseite (Ostseite) auszusprechen. Denn diese würde das Biotop auseinander reißen, zu dem auch das Bett der Göltzsch und der benachbarte Hangwald zählten. Außerdem ist der neue Damm aus Sicht der Naturschützer überflüssig und teuer - man könne den alten Damm reparieren, meinen sie.

Das Artenschutz-Gutachten untermauert dagegen die Sicht der Stadtverwaltung, die den Weg über den neuen Damm an der Ostseite (Göltzschseite) führen will. Dies sei ein geringerer Eingriff in die Natur, auch weil dafür maximal acht Bäume gefällt werden müssten. Einem Weg auf der Westseite würden demnach 40 Bäume zum Opfer fallen.

Die Naturschützer können dieses Argument nicht nachvollziehen - aus ihrer Sicht ist viel wichtiger, dass die Ostseite unberührt bleibt. Dem Bayreuther Gutachten unterstellen sie fachliche Mängel. So werde behauptet, der Schwarzstorch könne ja auch an andere Teiche ausweichen, man führe dafür jedoch völlig ungeeignete Gewässer auf. Und dass das Areal laut Gutachten kein Lebensraum für Amseln sein soll, finden sie absurd: Amseln seien flexibel und könnten überall leben. Auch für den Waldkauz sei das Gebiet angeblich ungeeignet, "obwohl der Gutachter selbst den Waldkauz dort erfasst hat". Zudem hätten die Bayreuther viele Arten nicht festgestellt, die ortsansässige Naturschützer regelmäßig im Teichgebiet beobachteten. So seien von 26 dort vorkommenden Brutvogel-Arten nur sechs untersucht worden. Man müsse sich fragen: "Was hat das Gutachten überhaupt für einen Wert?"

Kritik üben die Naturschützer auch an der neuen Wasserzuführung für den Maschinenteich aus dem Goldbach: Dieser Bach trockne im Sommer regelmäßig aus - so wie jetzt. Die Stadt hatte für 350.000 Euro einen Düker (unterirdische Leitung) vom Goldbach in den Teich legen lassen. Die Naturschützer verweisen darauf, dass das Gewässer zu DDR-Zeiten mit Göltzschwasser gespeist wurde, dies habe immer funktioniert.

Über die Radwegführung entscheiden müssen letztlich die Stadträte. Hier ist die Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen. Auf Anregung von CDU-Fraktionschef Joachim Otto soll der Technische Ausschuss sich am 7. Oktober vor Ort treffen - auf dem Papier lasse sich das Ganze schlecht nachvollziehen, meint Otto. Die neue Fraktion aus SPD, Freien Wählern und VfB will sich nach Auskunft ihres Vorsitzenden Friedrich Fuchs bereits am Mittwoch intern mit dem Thema befassen. Die AfD-Fraktion kann nach Angaben ihres Chefs Tilman Matheja derzeit die Argumentation der Stadtverwaltung für die Kombination aus neuem Damm und Radweg gut nachvollziehen, zumal sie vom Gutachten bestätigt werde.

Wenn gebaut wird, muss die Untere Naturschutzbehörde des Kreises ihren Segen geben - laut Stadt hat sie ihre Zustimmung zum umstrittenen Artenschutzgutachten und seinen Schlussfolgerungen signalisiert.

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