Mehr als ein frischer Anstrich fürs Rathaus Netzschkau

Ursprünglich wollten die Netzschkauer in ihrem Rathaus nur ein paar Zimmer malern. Jetzt gaben sie schon 350.000 Euro aus, denn eine Baustelle führte zur nächsten.

Netzschkau.

Die Farbe war verschlissen, und an einigen Fenstern klebte noch DDR-Tapete. Mike Purfürst (Gewerbeverein), der Bürgermeister von Netzschkau, wollte eigentlich mit ein wenig Kosmetik das in die Jahre gekommene Rathaus verschönern. "Ursprünglich wollten wir nur ein paar Räume malern", sagt er. Schnell sei jedoch klar geworden, dass es mit Farbe allein nicht getan ist. Es mussten neue Kabel verlegt werden, und auch an der Heizung gab es Verbesserungsbedarf. "Wir mussten auch die Arbeitsplätze beleuchtungsmäßig an die neuen Richtlinien anpassen", erklärte Purfürst.

Seit Ende 2018 wurden rund 350.000 Euro in die Sanierung und Renovierung des Netzschkauer Rathauses investiert. Diese Summe enthält unter anderem Maurer- und Putzarbeiten, Heizungs- und Sanitärreparaturen und Kosten für neue Datenleitungen. Auch der Eingang bekam ein frisches Gesicht, der Schaukasten wurde neu gestaltet. Das Ganze setzt sich in der ersten Etage im Vorraum sowie im Bürgermeisteramt fort. Dort stehen jetzt neue Möbel. Im Vorzimmer gibt es eine kleine Küchenzeile, und das Parkett und die Türen wurden aufgearbeitet. Die Kämmerei bekam einen neuen Fußboden. Alle Arbeiten mussten zuvor mit der Denkmalbehörde abgestimmt werden. "Der erste Eindruck für Besucher des Rathauses ist jetzt ein anderer", sagt der Bürgermeister.

Die größte Verwandlung erlebte das Trauzimmer. Der Raum neben dem Ratssaal war wenig beliebt, da er immer noch DDR-Charme ausstrahlte. Knapp 19.000 Euro investierten die Netzschkauer in sein Face-Lifting. Allein das neue Möbel, Stühle und Tisch, kosteten 4400 Euro, die Tontechnik für guten Klang zum Start in das Eheglück 1600 Euro. Neben dem Trauraum nutzt die Stadt ein weiteres Trauzimmer und den Saal im Schloss Netzschkau. Zurzeit finden jedoch kaum Hochzeiten statt.

Eine Generalkur erhielten die Toiletten sowohl im Hauptgebäude Markt 12 sowie die für vermietete Räume im Haus Markt 13. "Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit der Firmen und Ingenieurbüros aus der Region", sagte Kai Naumann, der die Arbeiten für die Stadtverwaltung koordinierte. Jede Woche habe man akribisch zusammengerechnet, um so viel wie möglich erledigen zu können. Für die Sanierung erhielt Netzschkau 105.000 Euro Zuschuss vom Freistaat Sachsen.

Die Sanierung soll schrittweise weitergeführt werden. Ein Manko hat das Gebäude jedoch: "Wir haben das behindertenunfreundlichste Rathaus in der Umgebung. Für Barrierefreiheit hätten wir grundlegend in die Bausubstanz eingreifen müssen. Das wäre in Millionenhöhe gegangen. Dieses Geld steht nicht zur Verfügung", so Purfürst.

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