Mehr Sexstraftaten im Vogtland angezeigt

Fast alle Delikte konnte die Polizei aufklären. Enträtselt ist auch das jüngste Gerücht um eine angebliche Vergewaltigung am Plauener Bahnhof.

Plauen/Auerbach.

Die Polizei hat voriges Jahr im Vogtlandkreis mehr Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung registriert als noch im Jahr zuvor, insgesamt 178 Straftaten, der Großteil davon in Plauen (siehe Grafik). In der Stadt verdoppelte sich gar die Zahl der Fälle, wie aus der polizeilichen Kriminalstatistik für die Region ersichtlich ist. Doch auch die Aufklärungsquote ist mit 96 Prozent in der Stadt und 92 Prozent im Kreis weit höher, als noch im Vorjahr.

Täter sind den Opfern bekannt, sofern sich die Tat im familiären Umfeld abspielt. Solche Fälle werden in der Regel bei Anzeige schnell aufgeklärt. Das ist eine mögliche Erklärung - neben der polizeilichen Ermittlungsarbeit - für die steigende Aufklärungsquote in der Region, wie Polizeisprecher Oliver Wurdak sagt. Auch hat sich das Anzeigeverhalten von Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, worunter neben Vergewaltigung auch Übergriffe, Nötigung oder der Versuch dieses Vorgehens zählen, mit der Novellierung des Sexualstrafrechts seit Ende 2016 verändert, was zum plötzlichen Anstieg in der Statistik beiträgt. Nein heißt Nein - das gilt auch im Vogtland. Mit dem neuen Sexualstrafrecht werden zahlreiche Fälle erfasst, die zuvor nicht geahndet wurden - weil sich das Opfer nicht gewehrt hatte oder sich nicht wehren konnte.

Torsten Kleditzsch

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Die Polizei macht nicht alle Sex-Verbrechen öffentlich, denn der Opferschutz hat bei diesen Fällen Vorrang, da sie einen massiven Eingriff gegen die körperliche und seelische Unversehrtheit darstellen. Das gilt insbesondere bei Taten im familiären Umfeld.

Anders bewertet werden Fälle, die im öffentlichen Raum stattfinden. Insbesondere im Interesse von Fahndungen, meldet diese die Polizei. Nach einer kürzlich in der Bild-Zeitung veröffentlichten Umfrage unter Plauenerinnen, verbreitete sich jedoch das Gerücht einer angeblichen Vergewaltigung am Plauener Bahnhof. Der Polizei war der Fall nicht bekannt, wie eine Anfrage von "Freie Presse" ergab. Beamte nahmen aber die Ermittlungen auf und machten die angebliche Zeugin ausfindig. Die Frau räumte bei einer Befragung laut Polizei ein, dass der geschilderte Sachverhalt auf ihrer eigenen Interpretation beruhte, sie keine weiteren Anhaltspunkte zur Annahme einer Tat hatte. Auch ging bei der Polizei bislang keine Anzeige eines möglichen Opfers ein. "Es ist leider ein Fall von Negativ-Publicity für die Stadt Plauen", sagt Sprecher Oliver Wurdak.

Unterdessen griff der CDU-Ortsverband die Angaben über angebliche Vergewaltigungen und Messerstechereien in der genannten Umfrage auf und fordert in einer Pressemitteilung Anstrengungen zur Verbesserung von Ordnung und Sicherheit von der Stadtverwaltung. "Wir verlangen vom Oberbürgermeister als Chef der Ortspolizeibehörde, ein Handlungsprogramm, welches in enger Abstimmung mit der Polizei erarbeitet und zügig in die Praxis umgesetzt wird," so der Plauener CDU-Chef, Frank Heidan, der auch Mitglied im sächsischen Landtag ist.

In der Stadt waren im vergangenen Jahr bei Sex-Straftaten zwei von drei Tatverdächtige Deutsche, auf den Vogtlandkreis gesamt betrachtet ist unter vier Tatverdächtigen statistisch gesehen ein Ausländer. Jeder fünfte unter allen Tatverdächtigen war unter 21 Jahre alt.

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