Mercedes baut in Oberlosa: Investition mit Nebenwirkungen

Ein Neubau im Gewerbegebiet an der A 72 lässt in der Autobranche Gerüchte sprießen: Droht im Vogtland ein Dominoeffekt?

Plauen/Ellefeld.

Der Nebel um den Verkauf einer 42.000 Quadratmeter großen Fläche am Industrie- und Gewerbestandort Plauen-Oberlosa lichtet sich. Plauen hat per Stadtratsbeschluss ein südlich der Rubinmühle an Obermarxgrüner Straße und A 72 grenzendes Areal an die Auto Müller GmbH & Co. KG aus Hof veräußert. Inhaber Alexander Müller bestätigt das oberfränkische Engagement im sächsischen Vogtland, will sich zu den Plänen aber noch nicht äußern. "Da bitte ich um Verständnis", sagt der Investor, dem die Konflikte zwischen Bürgerschaft und Rathaus nicht verborgen geblieben sind. Er kündigt eine klare, transparente Linie an. Doch zuerst will Müller das Vorhaben dem Oberlosaer Ortschaftsrat präsentieren. Ein Termin wurde vereinbart.

Das bestätigt auch Ortsvorsteher Janes Trawinski (parteilos). Oberlosa begrüßt die Ankündigung des Investors, die Karten auf den Tisch zu legen, sieht aber nach wie vor einen Mangel an Offenheit seitens der Stadt. "Wir würden uns gern auf Augenhöhe begegnen", formuliert Janes Trawinski die Erwartungshaltung angesichts fortwährender Spannungen um Plauens Industriepläne in Oberlosa. Die Kommune verteidigt diese defensive Haltung und will Namen weder bestätigen noch dementieren. Es sei Sache von Investoren, ihre Pläne vorzustellen, wenn sie es für richtig erachten, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Doch der unterm Radar der Öffentlichkeit vorangetriebene Flächenverkauf hat offenbar Auswirkungen, die weit über Oberlosa hinausgehen. Der Markt der Autohändler samt Service- und Werkstattangeboten ist im Vogtland aufgeteilt. Mit Alexander Müller kommt indes ein weiterer Akteur hinzu. Drohen hier Verdrängungswettbewerb und Dominoeffekt? Die Hofer Pläne sind Thema von Gerüchten, Spekulationen und Befürchtungen.

Durchgesickert ist inzwischen, dass in Oberlosa ein Standort mit Miet-Lkw-Service entstehen soll - ein Geschäftsfeld, das neu ins Vogtland käme und mit überregionalem Geschäftsbetrieb für wirtschaftliche Belebung sorgen dürfte. Doch die Hofer etablieren offenbar auch Fahrzeughandel, Werkstatt und Service.

Der Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland strafft sein Händlernetz, wie Pressesprecher Dietmar Göllner Venturi auf Anfrage bestätigt. "Wir sind dabei, die Vertriebsverantwortung neu zu regeln und befinden uns dazu in Gesprächen." Aus kartellrechtlichen Gründen könne er sich zu konkreten Auswirkungen zurzeit noch nicht näher äußern, so Göllner Venturi.

Das allerdings kann Sascha Dürrleder, Geschäftsführer der Mercedes-Autohäuser Oppel in Plauen, Aue und Ellefeld. Oppel verliert als Neuwagen-Händler nicht nur diese drei sächsischen Standorte, sondern auch die drei in Bayern. Das 90-jährige Familienunternehmen habe sich Forderungen von Mercedes nicht beugen wollen. "Wir werden nicht verkaufen", betont Sascha Dürrleder. Konsequenz: Oppel verliert das Neuwagengeschäft, wird aber weiterhin Service, Werkstatt, Gebraucht- und Jahreswagen für die Marke mit dem Stern bieten. Dazu firmiert das Autohaus ab Januar als Peugeot-Händler in Plauen und schließt damit eine Lücke. Weitere Marken kommen dazu, Oppel stellt sich neu auf. "Wir werden sogar eher wachsen", sagt Dürrleder und kündigt weitere Infos in Kürze an.

Im Nordvogtland ändert sich indes nichts. Das vergleichsweise kleine Autohaus Reißmann bietet in Reichenbach neben Service und Werkstatt weiterhin Mercedes-Neuwagen. Ein Deal mit dem Zwickauer Autohaus Lueg macht's möglich.

Kommentar: Getrübte Freude

Kommt ein Investor und schafft neue Arbeitsplätze, ist das grundsätzlich erfreulich. Offenbar bringt der im Miet-Lkw-Geschäft sehr erfolgreiche Hofer Mercedes-Händler Alexander Müller ein neues Geschäftsfeld ins sächsische Vogtland. Insofern herrscht schon jetzt große Spannung, wie genau diese Pläne aussehen und was sie für die Region bringen. Richtigerweise plädiert der Unternehmer im Wettbewerb mit Wirtschaftsräumen wie Dresden und Nürnberg für Kooperation zwischen Plauen und Hof, bayerischem und sächsischem Vogtland.

Beim genaueren Hinsehen droht ein Teil der Investition zu verpuffen. Müller dringt mit der Wucht des Automobilriesen Mercedes-Benz in einen aufgeteilten und gewiss nicht mehr wachsenden Markt ein. Die Marke mit dem Stern will es sich offenbar leisten, das seit Jahrzehnten zuverlässige Autohaus Oppel als Neuwagen-Partner auszusortieren - und zwar an allen sechs Standorten. Ein Vorgang, der in der Branche heiß diskutiert wird und Kreise zieht. So wird sich Oppel mit 350 Mitarbeitern, davon 80 in Plauen, 70 in Aue und 30 in Ellefeld, neu aufstellen müssen.

Die Großen fressen die Mittelgroßen und die Kleinen. Ein Kannibalisierungseffekt mit mehr Verlierern als Gewinnern.

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