Mini-Kirmes und Jubiläum im Doppelpack

Mit ihrer Mini-Ausgabe der Rodewischer Kirmes sind die Veranstalter rundum zufrieden. Zum Thema 30 Jahre Wiedervereinigung war am Wochenende auch ein vogtländischer Abenteurer mit von der Partie.

Rodewisch.

Normalerweise füllt die Rodewischer Kirmes den Anger. Weil sie aus aktuellem Anlass nicht komplett gestrichen werden sollte, wichen die Kooperationspartner Stadtverwaltung, Inselkino-Verein und Feuerwehr auf den neu gestalteten Postplatz aus. Der war weder zu groß noch zu klein: Bestellt mit einer Handvoll Buden, Grillstand, Bänken, dem Wernesgrüner Showtruck für Filmvorführungen und die Band Naked Feet brachte er über den Festtag verteilt weit über 500 Besucher unter.

"Wir sind sehr zufrieden", zog Vereinschef Matthias Ditscherlein Bilanz. "In dem Umfang war es auch für uns ganz angenehm. Mehr Leute wären nicht so gut zu händeln gewesen." Wie üblich betreuten die Feuerwehrleute den Grill. Kam trotz Mini-Ausgabe Kirmesstimmung auf? "Es könnte schon mehr sein, aber für Corona-Zeiten läuft es ganz gut", sagte Michel Probst. Schräg gegenüber hatte die frisch hergerichtete und umgenutzte alte Buswarte geöffnet. Der Tierschutzverein Röthenbach-Rowi als neuer Betreiber hatte sich entschieden, schon vor dem offiziellen Start am 1. August aufzusperren. Dort sind Markt, Café und Kulturangebote unter einem Dach zusammengekommen. Den Kirmes-Schlusspunkt setzte am Sonntag ein Kirchweihgottesdienst an St. Petri.

Mit seinem Kirmes-Kino machte der veranstaltende Verein den Mauerfall zum Thema. Am Nachmittag lief "Fritzi - Eine Wendewundergeschichte", später Michael Bully Herbigs "Ballon - Für die Freiheit riskierten Sie alles". Als Gesprächspartner konnten die Organisatoren Mario Goldstein gewinnen. Der vogtländische Abenteurer, Weltenbummler und Autor schilderte seine eigene Wende-Erfahrungen, das Davor und Danach. Er hätte ein ganzes Wochenende füllen können.

In Oelsnitz aufgewachsen und mit einem unerschütterlichen Freiheitsdrang ausgestattet, versuchte Goldstein, aus der DDR zu flüchten. Schon mit 14 war er für zweieinhalb Monate im Plauener Gefängnis gelandet, weil er laut über seine Pläne nachgedacht hatte. Als ein Ausreiseantrag vier Jahre später nicht das erhoffte Ergebnis brachte, schaffte es Goldstein beinahe, die tschechisch-österreichische Grenze zu überwinden. Über Prag wurde er zurück nach Berlin gebracht. "Das war mein erster Flug - mit Handschellen", schaute Goldstein zurück. Von den zwei Jahren, die er auf dem Chemnitzer Kaßberg einsitzen sollte, musste er dank Freikauf durch die Bundesrepublik Anfang 1989 sechs Monate absitzen.

Die große Freiheit hatte sich Mario Goldstein dann doch anders vorgestellt. "Ich merkte schnell, dass im Westen das Gesetz des Stärkeren gilt", erzählte der Wahl-Plauener. Also versuchte er, Millionär zu werden und gründete nacheinander verschiedene Unternehmen. 2001 ließ Goldstein sein "altes" Leben hinter sich, segelte in sieben Jahren über fünf Meere, besuchte den Dalai Lama und durchquerte Nordamerika. "Freiheit hat gar nichts mit Glücklichsein zu tun", lernte er unterwegs. Sondern mit innerer Freiheit, Ruhe und grenzenlosem Denken, lautete die Erkenntnis.

Momentan bastelt Mario Goldstein an einem neuen Konzept. Ab September wollen sie per Livestream von zu Hause senden. "Wir bauen gerade ein Studio in Plauen aus", sagte er. "Da geht es nicht nur um Abenteuervorträge, wir möchten auch mit Leuten ins Gespräch kommen, wissen, was sie bewegt, und Brücken bauen."


Dieses Jahr steigt Live-Stream statt Festival

Mario Goldstein hat das in den Herbst verlegte Freiträumer-Festival abgesagt. Nicht zuletzt wegen der Hygiene-Auflagen und der nicht voraussehbaren Pandemie-Entwicklung habe es keinen Sinn gemacht, daran festzuhalten. "Schade, wir haben schon 7500 Karten verkauft", so Goldstein. Mit Blick auf das Festival im März 2021 sollen die Tickets ihre Gültigkeit behalten. Dann seien fast die gleichen Reportagen wie 2020 geplant. Unterdessen unterbreitet Goldstein ein Live-Stream-Angebot. Pro Woche sind drei bis fünf Sendungen zu Themen wie Kultur, Abenteuer, Naturschutz und Spirituelles geplant. In dem 60 bis 120-minütigen Format sprechen verschiedene Referenten. "Die Zuschauer haben die Möglichkeit, sich live über eine Chat-Funktion zu beteiligen." Schon Ende August wird das Programm auf der Freiträumer-Webseite veröffentlicht. Der 50-Jährige will den Live-Stream zu einem neuen Freiträumer-Standbein entwickeln. Mitte September soll es los gehen. (tv)www.freitrauemer-live.de

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