Modenschau löst Kaufrausch aus

Mit Stammkunden und einem vollen Zelt hat die Schreiersgrüner Firma Seidel Moden gestern und vorgestern das 110-jährige Bestehen gefeiert.

Schreiersgrün.

Aufmerksam verfolgt Diana Viertel das Schaulaufen vor ihren Augen. "Da ist kein Kleidungsstück dabei, das man widerwillig anziehen würde", sagt die Auerbacherin. Sie ist eine von fast 300 Gästen, die am Donnerstag zur Festveranstaltung mit Modenschau bei Seidel Moden in Schreiersgrün einen Blick auf aktuelle hauseigene Sommertrends geworfen haben. Weil bei weitem nicht alle Stammkunden in das 300-Mann-Zelt passten, folgte am gestrigen Freitag die zweite Ausgabe. Heute wird ein drittes Mal gefeiert. Dann sind Fachhändler und Mitarbeiter eingeladen.

Anlass für den dreitägigen Ausnahmezustand ist die Firmengründung vor 110 Jahren. Obwohl in Schreiersgrün ausschließlich Damenoberbekleidung hergestellt wird, saßen auch Männer im Publikum. "Mir gefällt das richtig gut", sagte Klaus Fischer nach dem offiziellen Teil mit Modenschau, Gesang und Rückblick auf die Firmengeschichte. Da war seine Frau schon in einer Lawine aus Menschen verschwunden, die sich ihren Weg vom Zelt zum Geschäft bahnte. "Mode auf dem Laufsteg ist meistens ziemlich realitätsfern und noch dazu unbezahlbar. Hier hat man was davon, wenn man sich das anguckt", meinte der Vogtländer.


Liane Landrock kam von Zwickau nach Schreiersgrün. "Ich war noch nie hier zur Modenschau, bin aber ab und zu Kunde, weil die Sachen tragbar sind und zeitlos elegant", erzählte sie. "Und genau das mag ich." Nicht nur Nachhaltigkeit in Form von längeren Tragezeiten ist Liane Landrock wichtig. Auch die Unterstützung regionaler Hersteller. "Es ist gut, dass es hier so etwas gibt", fand sie. Sachsenweit sind Seidel Moden wahrscheinlich die einzigen ihrer Art. Das heißt, eine Firma, die alles unter einem Dach vereint: vom Design über die Herstellung bis zum Verkauf. Auch Treuens Bürgermeisterin Andrea Jedzig schaute vorbei. "Ich komme gerne zum Einkaufen her", sagte sie. "Das gehört für mich einfach dazu. Und es gab noch nie einen Besuch, wo ich als Frau nichts gefunden habe", betonte die Stadtchefin.

Erste Kontakte knüpfte sie in den 1970er Jahren. Allerdings unter anderen Vorzeichen. "Damals habe ich mit meiner Freundin hier häufig nach Stoffresten gesucht", erinnerte sich Andrea Jedzig. "Mit selbstgeschneiderten Sachen haben wir dann unsere Modepuppen eingekleidet." Knapp 30 Prozent seiner Ware exportiert der Mittelständler vom Treuener Ortsteil in andere Teile Europas. Aber wie ist die Nachfrage vor Ort? "Extrem stark", sagte Unternehmenschef Axel Seidel. "Die Leute schätzen auch Dinge, die aus ihrer Region kommen. Der Preis ist nicht alles."


Von Spitze zu Damenmode

An den Start ging die Firma Seidel Moden im Jahr 1909 mit Plauener Spitzen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde in Schreiersgrün auch Unterwäsche produziert und Berufskleidung für Krankenschwestern. 1972 verstaatlicht, kauften die Seidels ihre Firma im Jahr 1990 zurück. Heute liegt der jährliche Umsatz des Textilbetriebes bei etwa 3,5 Millionen Euro. Dafür sorgen dort derzeit 50Mitarbeiter und drei Auszubildende. (dien)

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