Münzfund als Posse: Stadt muss Groschen an Freistaat abtreten

Erst große Freude, jetzt Katzenjammer über den 600 Jahre alten Auerbacher Pfahlgroschen: Schon die Suche nach dem alten Geldstück war illegal. Der Finder kommt mit einem blauen Auge davon.

Auerbach/Dresden.

Voller Stolz hatte Regina Meier, Leiterin des Stadtarchivs, die Errungenschaft präsentiert: Ein Freiberger Pfahlschildgroschen aus der Zeit um 1440 sollte als bis dato ältestes Stück die städtische Sammlung bereichern. Lukas Seidel aus Rebesgrün hatte die stark lädierte, aber historisch wertvolle Münze mit seiner Metallsonde aufgespürt. Jetzt ist klar: Schon Seidels Suche war illegal, und die Stadt Auerbach muss den Fund an den Freistaat herausrücken.

Der eben noch glückliche Finder hat Glück, dass er bei der ganzen Sache mit einem blauen Auge davon kommt. Lukas Seidel wird demnächst den betagten Groschen in Dresden abgeben - und dazu noch alle anderen Funde, die er in den letzten Jahren in Wald und Flur gemacht hat. Ins Rollen gebracht hatte der Rebesgrüner die ganze Geschichte selbst: Nach einem Tipp meldete er sich vorsorglich beim Landesamt für Archäologie in Dresden und berichtete von der Münze, die er kurz vorher an die Stadt Auerbach übergeben hatte. "Weil er sich selbst gemeldet hat, wird ihm jetzt auch nichts passieren", erläutert Christoph Heiermann, Pressesprecher des Landesamtes. Denn sonst drohen illegalen "Schatzsuchern" im Ernstfall drakonische Strafen: Wer archäologisch wertvolle Funde für sich behält, der kann mit bis zu zwei Jahren Haft und sehr hohen Geldbußen rechnen. Denn mit der Entdeckung ist automatisch der Freistaat Sachsen der Eigentümer aller Dinge, deren Besitzer nicht mehr zu ermitteln ist. Und schon die Suche per Metallsonde sei ohne Genehmigung verboten. "Das Gesetz wird häufig unterschätzt", so Heiermann. Man werde sich nun mit dem jungen Rebesgrüner zusammensetzen: "Wir legen großen Wert auf eine Kooperation mit historisch interessierten Menschen", sagt der Pressesprecher. Es gebe im Freistaat inzwischen über 100 zertifizierte Sondengänger, die wahlweise auch nach entsprechender Schulung mit offizieller Genehmigung unterwegs sind.

Von der Entwicklung überrascht zeigt sich auch Regina Meier als Archivleiterin. "Unter diese Bestimmungen fällt nicht erst der vergrabene alte Tontopf voller Gold- und Silbermünzen, sondern auch unser einzelner, kleiner, beschädigter Pfahlschildgroschen." Diese Tatsache habe man leider erst erkannt, nachdem man die betreffenden Paragrafen des sächsischen Denkmalschutz-Gesetzes (§ 14, 20 und 25, letzter auch bekannt als "Schatzregal") studierte. Eine letzte Hoffnung hat die Archivleiterin in Bezug auf den im Bereich Rebesgrün/Reumtengrün entdeckten Pfahlschildgroschen: "Vielleicht findet er ja einmal als Leihgabe des Landesamtes für Archäologie seinen Weg zurück in die Vitrine des Stadtarchivs." Dort war das gute Stück nur eine Woche lang zu Gast. (mit suki)

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1Kommentare
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  • 3
    0
    Tauchsieder
    13.07.2018

    Tue niemanden etwas Gutes, so widerfährt dir nichts Schlechtes!



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