Museum geht auf Zeitreise in die DDR

"26 Jahre ohne DDR" heißt die die neue Sonderausstellung des Museumsvereins Falkenstein. Ein besonderer Blick zurück.

Falkenstein.

Gehäkelte Topflappen, Dederon-Kittelschürzen, Forum-Schecks, Geschirr, Fotoapparate: Wer die Zeit vor 1990 bewusst erlebt hat, entdeckt ab morgen im Falkensteiner Heimatmuseum jede Menge Gebrauchs- und Verbrauchsgegenstände wieder - oder neu. Dann wird die Sonderausstellung "26 Jahre ohne DDR - Erinnern Sie sich noch an die Dinge des DDR-Alltags?" eröffnet.

Der Schwerpunkt liegt auf den 1970er- und 80er-Jahren. Zweieinhalb Räume hat der Heimat- und Museumsverein Falkenstein dafür freigemacht. Die meisten Exponate stammen von den zehn Mitgliedern, nur einige Beiträge sind Leihgaben. Sogar noch verschlossene original Pudding- und Kakaotüten gingen nicht verloren. Auch Pfefferkörner, Nelken und Tortenguss überdauerten. "Viele Sachen sind aufgehoben worden, weil sie die Leute zweckentfremdet haben", erklärt Vereinsmitglied Andreas Rößler.

Ein DDR-Reisepass, das Neue Deutschland mit ausführlichem Bericht über Stalins Tod, Briefmarken und Uniformen verschiedener DDR-Organisationen werden präsentiert. "Wir haben die Auswahl so getroffen, dass ein Überblick über viele Lebensbereiche gegeben wird. Zum Beispiel Pressewesen, Kinderspielzeug, Werkzeug, Haushalt, Technik und Ernährung", zählt Rößlers Vereinskollege Ulrich Wolf auf. Auch Kirchenaktivitäten spielen eine Rolle. Mit Ausnahme der am Museumseingang platzierten Waage aus einer Falkensteiner Arztpraxis ist ein Bereich jedoch komplett außen vor geblieben. "Aus der Medizin ist nichts dabei", sagt er. Umso mehr Berücksichtigung finden Falkenstein und seine Umgebung. Bilder von Gaststätten, Ansichtskarten, Wanderführer und andere Dinge schaffen Heimatbezug. Einige Meter weiter ist eine Wohnzimmerecke samt Kaffeetafel eingerichtet.

Um exakte historische Aufbereitung geht es dem Verein erklärtermaßen nicht. Um eine möglichst große Bandbreite schon. "Wenn wir wollten, könnten wir alle Räume füllen", sagt Andreas Rößler. "Man darf das Thema aber auch nicht überstrapazieren."

Mit historischen Dokumenten, Fotos und Gegenständen beteiligt sich der Verein Freundeskreis Max Hölz an der Schau. Zwei Vitrinen erinnern an den Falkensteiner Arbeiterfotografen Max Georgi. Beide Vereine haben vor allem eines im Sinn: Vergangenes zurück ins Gedächtnis zu rufen und jungen Menschen selbst nicht Erlebtes anschaulich zu vermitteln.

Die Ausstellung "26 Jahre ohne DDR" im Heimatmuseum Falkenstein ist bis 9. Oktober samstags und sonntags zwischen 14 und 17 Uhr zu sehen.

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2Kommentare
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  • 1
    0
    gelöschter Nutzer
    04.09.2016

    Tja, und das Abo der FP und anderer Zeitschriften war im Monat noch erschwinglich.

    Die FP "las" ich schon bei Opa und Oma als Vorschulkind:
    Das kleine Bild mit dem "Wetterfrosch" hatte es mir angetan.
    ...und die Rätsel machte ich mit Opa raus, der mir auch den täglichen Roman vorlas.
    Später konnte ich ja selber lesen und freute mich immer auf die Wochenend- und Feiertagsausgaben.

    Die Qualität des Papiers und die der Druckerschwärze waren so gut, dass Opa auf "Werra-Krepp" verzichtete und so konnte man auf dem Plumps-Klo auch noch anderweitig "Hintergrund-Informationen" erhalten.
    Der Rest, der nicht "hintergründig" verballert wurde, kam zum "Lumpen-Schiller" für gutes Geld auf die Waage und mein Sparschwein freute sich.

    Heute bekommt man für viel Geld vielleicht mehr geboten, aber in dieser Wegwerf-Gesellschaft landet die Gazette vielleicht gerade mal noch in der Papier-Tonne, für die man heute bezahlen muss.
    Trotz mehr und besserer Inhalte muss man aufgrund der Qualität der Druckerschwärze und des Papiers ehe zu "Hackle feucht" greifen oder man geht danach gleich unter die Dusche.
    Wie die Zeiten, so ändern sich eben auch die (finanziellen und materiellen) Ansprüche ans Leben.

    ...und trotzdem:

    Auch mit "Fahnen-Appell", GST-Lager, FDJ- und DSF:

    Meine Kindheit und meine Jugend waren damals eine "geile Zeit", die meine Eltern in den 30-40-er Jahren nicht hatten.
    Aber auch sie empfanden vieles anders, weil man es eben auch individuell anders empfunden hatte.

    ...und wer heute über die Vergangenheit herzieht, der sollte auch einmal darüber nachdenken, wo er heute vielleicht stehen würde, wenn es nicht so gewesen wäre.

    So manch ein "Zeit-Genosse" hätte wohl kein Studium oder eine vernünftige Ausbildung abgeschlossen.
    Aber das liegt heute wohl an jedem selber, denn damals gab es Arbeit und dafür keine soziale Hängematte.

  • 1
    0
    gelöschter Nutzer
    03.09.2016

    Falls jemand sich noch erinnert, wie man in Schlangen nach Bananen und hochwertigen Konsumgütern angestanden hatte und kein Foto davon als Erinnerung besitzt:

    Geht vor die Lebensmittel-Ausgabestellen der Kirchen und Tafeln in diesem vereinten Deutschland und ihr werdet hier mit Sicherheit das passende Motiv finden und euch daran erinnern, dass wir im Osten schon einmal ein Recht auf Arbeit hatten, auch wenn wir das verdiente Geld nicht so unter die Leute bringen konnten, wie jetzt - wenn wir es heute dafür eigentlich (gemessen an unseren Arbeitsleistungen) haben (müssten).

    "Um exakte historische Aufbereitung geht es dem Verein erklärtermaßen nicht."

    Da steht der Verein wohl nicht allein auf weiter bundesdeutscher Flur!

    Wer aber nur das Negativew "aufarbeitet" und die "Vorzüge" verschweigt, der unterliegt leider auch dem Vorwurf der "Geschichts-Klitterung" über das Leben vor dem Mauerfall in der DDR.



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