Museum will wiederentdeckte Mauertreppe zugänglich machen

Perspektivisch sollen Besucher der Burg Mylau in einen verborgen liegenden Gang hinein und damit quasi ins Mittelalter blicken können. Die Treppe diente einst Verteidigungszwecken - und birgt einen seltenen Zeitzeugen.

Mylau.

Dieser steil hinab führende Gang ist nichts für Besucher mit Platzangst. "Aber auch aus anderen Gründen eignet sich die Mauertreppe eher nicht für eine vollständige Öffnung. Mir schwebt vor, hier eine Glastür und daneben Informationen dazu anzubringen. Schließlich blicken wir hier ein bisschen ins Mittelalter", sagt Museumschefin Sina Klausnitz im Metzschzimmer der Burg Mylau und öffnet eine in die Holzvertäfelung des Raumes unsichtbar eingelassene Tür.

Nach einer weiteren Tür öffnet sich der Blick hinunter in den ältesten Teil der Burg. Über zwei Geschosse geht's hinab ins Dunkel des vierten Eckturms der Burg. Diese Mauertreppe ist beim Bau der Wehranlage am Beginn des 13. Jahrhunderts angelegt worden und war für die Besucher nie zugänglich. Das liegt an der Enge des Ganges, am dort fehlenden Licht und dem vermauerten Ausgang am unteren Ende der Treppe - würde man diese Mauer abtragen, stünde man im Barbereich der einstigen Gaststätte.

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Bekannt war dieser Burgschatz stets nur einem kleinen Personenkreis. Zudem versperrte lange eine auf halbem Weg liegende Tür den Gang. Bei Bauarbeiten vor zwei Jahren wurde sie entfernt. "Man kann sagen, dass die Treppe dabei wiederentdeckt wurde. Und die wollen wir den Gästen perspektivisch nicht vorenthalten", sagt Klausnitz. Und nicht nur das. Am unteren Ende des Ganges ist bei den Bauarbeiten eine weit und breit einzigartige Rarität aufgefallen - vor etwa 800 Jahren in der historischen Pietra-Rasa-Technik aufgebrachter Putz. Bei diesem Verfahren wurde Setzmörtel auf die Steinoberflächen verstrichen, wobei die Steinköpfe frei blieben. Dann zog der Maurer mit der Kelle Fugenstriche. Im Geheimgang ist dies so erhalten, als sei der Maurer eben auf einen Krug in die nahe Schänke gegangen. Wenn der Gang via Glastür für den Publikumsverkehr erschlossen ist, soll zumindest eine Fotografie des Putzes gezeigt werden. Und vielleicht noch mehr. "Wir vermuten unter der Holztreppe hinab eine Steintreppe, das wird noch untersucht", sagt Sina Klausnitz

Der Geheimgang, der den Verteidigern im Ernstfall die geschützte Bewegung zwischen viertem Eckturm und Burgfried ermöglicht hätte, war indes glatt für die Katz. Abgesehen von einer eher geräuschlosen Eroberung im Schmalkaldischen Krieg 1547 war die Burg nur 1399 kurz in Gefahr. Damals wurde die Wehranlage im Vogtländischen Krieg belagert und mit Bliden beschossen. Die mit den katapultähnlichen Schleudern angerichteten Schäden waren damals relativ groß. "Zu einem wirklichen Belagerungsfall kam es jedoch nie."

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