Museum zeigt Winterdienst im Wandel

In mehreren Dioramen hat Gottfried Sehling seine Erlebnisse als Winterdienst-Fahrer verbaut. Dabei unternimmt er einen Ausflug in die Auerbacher Geschichte.

Falkenstein.

Die einen schreiben Bücher, die anderen erzählen ihre Lebensgeschichte von Angesicht zu Angesicht. Gottfried Sehling hat sie nachgebaut. Zumindest jenen Teil, der Beruf und Hobby verbindet. Quasi als Erbstück auf Zeit überließ er dem Heimatmuseum Falkenstein für die aktuelle Weihnachtsausstellung eine Diorama-Anlage. Darauf stellt er den Auerbacher Winterdienst in drei Jahrzehnten nach: 1953, 1975 und 2005.

"Das dritte Gespann bin ich", zeigt Gottfried Sehling auf das erste Diorama. Von 1952 bis 1954 Lehrling im Volksgut Auerbach, war er mit zwei Pferden zur Straßenräumung eingeteilt worden. Acht Zweiergespanne und ihre Lenker standen einsatzbereit vor einem großen Holzpflug, der zwei Fahrbahnen einnahm. Das war 1953. Einer Info-Zeile unter dem Diorama können Schau-Besucher entnehmen, dass die damalige Tagesleistung bei 13 Kilometern lag und dieses Pensum in acht Stunden bewältigt wurde.

Beim zweiten Diorama wird ein gewaltiger Technik-Sprung sichtbar. 1975 waren Traktoren und Lkws im Einsatz. Entweder per vorgebautem Schneepflug, oder mit Material an Bord. Damals seien nur Graupen gestreut worden, erzählt Gottfried Sehling. Der motorisierte Fuhrpark machte weitere Strecken möglich. "Wir sind sogar bis Grünheide und Mühlleiten gefahren", berichtet der heute 82-Jährige. Der Vollständigkeit halber integrierte er ein drittes Diorama mit einer Straßenräumszene aus dem Jahr 2005. Da war Sehling längst im Ruhestand.

Gut ein Jahr hat der Falkensteiner an dem personalisierten "Bilderbuch" gebastelt. Die Häuserzeilen und Winterlandschaften sind irgendwo ausgeschnitten und auf Pappe geklebt. Was auf den Straßen vor sich geht, entstammt überwiegend Modellbausätzen. Denn Sehling ist nicht nur reitbegeisterter Pferdenarr, sondern auch Modelleisenbahner aus Leidenschaft. Fast alles rekonstruierte er aus dem Gedächtnis. Nur ein Foto vom heimatlichen Winterdienst in den 1950er Jahren konnte er ausfindig machen.

Auch wenn Gottfried Sehling lieber bastelt und baut: Mit seinen Erlebnissen könnte er ein ganzes Buch füllen. Im Auerbacher Volksgut, in dem heute der Pferdesportverein Sorga sein Domizil hat, absolvierte er eine Landwirt-Ausbildung. Zum Winterdienst abkommandiert zu werden, war gang und gäbe. "Die Stadt hat damals Verträge mit Einzelbauern abgeschlossen", erinnert er sich. Weil das Volksgut Pferde besaß, mussten auch von dort Mitarbeiter ausrücken.

Zu tun gab es für Gottfried Sehling und seine Mit-Räumer allerhand. Damals waren die Winter für gewöhnlich noch Winter. Mitunter sahen sie sich mit drei Meter hohen Schneeverwehungen konfrontiert. Dafür mit wenig Straßenverkehr. Die im Vergleich zur Gegenwart zahlreichen Gasthäuser machten es Gottfried Sehling zufolge einfach, sich aufzuwärmen. "Dort haben wir öfter einen kurzen Stopp eingelegt."

Service Die Weihnachtsausstellung im Falkensteiner Heimatmuseum ist bis 2. Februar samstags und sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

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