Musiker zündet Klangfeuerwerke

Frisch produzierte Alben in der Auerbacher Göltzschtalgalerie vorzustellen, ist für Vicente Patiz guter Brauch. Am Freitag war es wieder so weit.

Auerbach.

Alegria heißt seine Neue. Und sie ist die zehnte. Seit 17 Jahren steht Musiker Vicente Patiz nicht nur mit beiden Beinen im Musikgeschäft, sondern auch öfter in der Auerbacher Göltzschtalgalerie Nicolaikirche auf der Bühne. Dort bekamen seine Gäste am Freitagabend sowohl Titel von eben jenem brandaktuellen Album "Alegria" als auch Rückgriffe auf Werke älteren Datums zu hören. Wie üblich blieben beim Konzert wenige Plätze unbesetzt.

Für die meisten Gäste war Vicente Patiz als Live-Erlebnis eine neue Erfahrung. Und folglich auch das, was sich vor ihren Augen und in den Gehörgängen entfaltete: Flamenco, Latin Jazz, Funk und Weltmusik verschmolzen zu einem harmonischen, einzigartigen Ganzen. Manchmal leise, gerne auch etwas gepfefferter und immer mit ausgesprochen bildgewaltigen Klängen zauberte der Johanngeorgenstädter Solo-Instrumentalist ein ganzes Orchester aus dem sprichwörtlichen Hut. Beziehungsweise aus seiner Loop Station, die ihm bei jedem Konzert zu Füßen steht. Mit dem technischen Helferlein lassen sich nacheinander Klangelemente einspielen und übereinanderlegen, sodass ein vielschichtiges Lied entsteht. Daraus pflegt der 43-Jährige kein Geheimnis zu machen. Vielmehr erklärte er seinem Publikum haargenau, wie die Anlage funktioniert.

Konzerte von Vicente Patiz, der mit bürgerlichem Namen Jörg Patitz heißt, sind immer auch akustische Weltreisen. Diesmal nahm er seine Gäste unter anderem mit nach Andalusien, Kuba, Laos, aber auch ins Ostseebad Prerow und in seine Heimatstadt. Von allem erzählt Patitz ausgesprochen gerne. "Die gelungene Gratwanderung zwischen Ferne und Nähe macht ihn für mich so sympathisch", sagte Nadine Burdy. Die Auerbacherin hörte Vicente Patiz zum ersten Mal. "Und musikalisch hat der Mann echt was drauf", fand sie. Obwohl viel unterwegs, ist er im Herzen zu Hause geblieben. Fast aus der Heimat, nämlich aus Klingenthal, stammt auch das schwerste seiner etwa 30 Instrumente: die Tierra, eine Harfengitarre mit drei Hälsen und 42 Saiten. Das Unikat wiegt stattliche sieben Kilogramm. Nach seiner Europatour mit Weltrekord im Jahr 2010 - acht Konzerte in acht Ländern binnen 24 Stunden - hat sich Vicente Patiz für 2021 Ähnliches vorgenommen. Dann will er sieben Kontinente bereisen und dort 25 Konzerte in einem Monat geben.


"Hier im Vogtland durfte ich auch schon Konzerte geben, da hat mich noch keiner gekannt"

Akustische Traumwelten hat Vicente Patiz schon an vielen Orten entstehen lassen. Jetzt nimmt er die Elbphilharmonie und Frauenkirche ins Visier. Zum Interview-Termin in Auerbach kam er mit "Freie Presse"-Mitarbeiterin Sylvia Dienel ins Gespräch:

"Freie Presse": Was verbindet Sie mit dem Vogtland?

Vicente Patiz: "Ziemlich viel, weil ich hier Freunde habe. Meine erste Band, mit der ich 2002 Profimusiker wurde, kommt aus Mechelgrün. Hier im Vogtland durfte ich auch schon Konzerte geben, da hat mich noch keiner gekannt. Außerdem führen mich Wintersport-Strecken immer mal nach Klingenthal. Und nicht zuletzt hat meine Technik-Anlage eine Klingenthaler Firma gebaut."

Apropos Traumwelten: Gibt es beruflich gesehen einen bislang unerfüllten Traum?

"Ja, mehrere. Zum Beispiel besondere Spielorte wie die Hamburger Elbphilharmonie und die Frauenkirche. Beide stehen ganz oben auf meiner Wunschliste. Und das wird auch klappen. Dann gibt es Traumländer, in denen ich gerne spielen würde. Indien gehört dazu. Das ist aber schwierig umzusetzen, weil ich zu viele Konzerte in Deutschland habe."

Worauf freuen Sie sich 2019 besonders?

"Auf die Orte, wo ich zu 99 Prozent schon war und gerne wiederkomme. Außerdem fahre selber sehr viel Ski, das ist für mich das Runterkommen."

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