Nach Bedrohungen an Schule: Minister fordert Frühwarnsystem

Nach den Vorfällen am Goethe-Gymnasium hat Kultusminister Christian Piwarz gestern mit den Lehrern in Auerbach gesprochen. Die Ermittlungen in dem Fall dauern unterdessen an.

Auerbach/Dresden.

Das Ausmaß der psychischen Belastung für die Lehrer am Goethegymnasium sei enorm gewesen, sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) gestern nach seinem Besuch in Auerbach. Der oberste Dienstherr sämtlicher Lehrer im Freistaat wollte sich nach der Serie von Belästigungen und Bedrohungen am Auerbacher Gymnasium, die zuletzt in Erpressung und erneuten Morddrohungen gipfelten, selbst ein Bild vor Ort machen. Sein Fazit: Der Umfang und der Zeitraum, in dem hier Lehrer terrorisiert wurden, seien eine neue Qualität. "Für uns war das eine Ausnahmesituation", sagte er und meinte damit auch sein Ministerium und das zuständige Landesschulamt in Zwickau. Mit diesem Argument beantwortete er auch die Frage, wieso das Schulamt nicht früher eingeschritten war.

Rückblick: Ende Mai fiel der Unterricht nach einem im Internet angedrohten Amoklauf, der sich gegen die Lehrer der Einrichtung richtete, mitten in der Abi-Prüfungszeit mehrere Tage aus. Es herrschte Ausnahmezustand und gleichzeitig wurde bekannt, dass einigen Lehrern zuvor schon monatelang nachgestellt worden war. An die 90 fingiert ausgelöste Warenbestellungen hatte die Polizei bis Ende Mai registriert, das Gros umfasste Pizzabestellungen.

Zudem waren zu diesem Zeitpunkt mehrere Verfahren aktenkundig, die im Zusammenhang mit weiteren Vorfällen am Gymnasium standen. Das verbindende Element hierbei: ein Schüler, der Anfang des Jahres von der Schule verwiesen worden war. Das Landesschulamt hatte zwar Kenntnis von den einzelnen Fällen, bis dahin aber keinen Zusammenhang festgestellt, räumte ein Sprecher nach den Amokdrohungen im Mai ein.

Eine Woche nach Beginn des neuen Schuljahres nahm der Psychoterror an der Schule wieder Fahrt auf: Zwar ging die Polizei nach der ersten Eskalation im Mai nicht mehr von einer konkreten Gefahr für Leib und Leben aus; es wurden aber erneut Bestellungen ausgelöst, Morddrohungen ausgesprochen und obendrein die Polizei erpresst - das alles übers Internet. Nach Ablauf des Ultimatums am 24. August - die Polizei sollte 10.000 Euro in einer Internetwährung zahlen, sonst gebe es Tote - meldeten die Ermittler schließlich Vollzug. Sie fassten einen 15-Jährigen. Der Tatverdächtige befindet sich seitdem im Gewahrsam der Jugendhilfe.

Nach Informationen der "Freie Presse" handelt es sich um jenen Jugendlichen, der der Schule verwiesen und nach den Amokdrohungen im Mai gemeinsam mit seinem Vater verhaftet und dann wieder auf freien Fuß gesetzt worden war. Vor dem aktuellen Zugriff der Ermittler wurde zudem bekannt, dass gegen ihn bereits zwei Anklageschriften beim Amtsgericht in Auerbach liegen: einmal wegen Bedrohung eines Mitschülers mit einem Messer und zum zweiten wegen Nachstellung und Beleidigung in etwa 30 Fällen.

"Wir gehen von einem Einzeltäter aus", sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Zwickau gestern auf Anfrage. Eine offizielle Bestätigung, dass dem mutmaßlichen Erpresser auch der Amoklauf und das komplette Stalking der Lehrer nachgewiesen werden kann, gebe es aus ermittlungstaktischen Gründen aktuell nicht, ergänzt er.

Für den Kultusminister steht fest, dass man ein Frühwarnsystem einrichten müsse, um künftig für solche Fälle gewappnet zu sein. Was dieses konkret umfassen soll, stehe noch nicht fest.

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