Nach Krise: Unilever in Auerbach stabil

Anlässlich eines Staatsbesuches in der Suppenfabrik präsentierte sich das Werk gestern zukunftsfähig. Der Standort im Vogtland sei auf Wachstumskurs, sagt der Finanz-Chef. Vor einem Jahr schien das anders.

Auerbach/Dresden.

Wer gern Instantprodukte verzehrt, der kommt am Unilever-Werk in Auerbach nicht vorbei. Knapp 40.000 Tonnen Fertig- und Halbfertigprodukte werden hier jährlich vom Hof gekarrt. Laut Heiko Röder, Unilever-Finanzmanager in Auerbach, verlassen pro Schicht zwölf bis 15 Lkw das Werk an der Dr.-Wilhelm-Kürz-Straße. Die Produktion läuft in drei Schichten, rund 200 Mitarbeiter zählt das Werk.

Diese Zahlen präsentierte Röder gestern dem Chef der sächsischen Staatskanzlei, Oliver Schenk. Eingefädelt hatte den Besuch der Landtagsabgeordnete Sören Voigt, nachdem das vogtländische Unilever-Werk vor einem Jahr als Sorgenkind gehandelt worden war. Damals hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Alarm geschlagen, dass dem Werk die Schließung drohen würde. Mit Sparmaßnahmen wolle der britisch-holländische Konzern seine Bilanz für internationale Investoren aufpolieren und im Zuge dessen die Lohnkosten an den deutschen Produktionsstandorten senken, hieß es damals. Kurz vor Weihnachten dann die Entwarnung: Das mögliche Aus des Auerbacher Standortes war vom Tisch.

"Wir sind auf Wachstumskurs", betonte Heiko Röder deshalb gestern nochmals. Noch 2016 betrug die jährliche Produktionsmenge "nur" 33.000 Tonnen. Zudem habe sich das Verhältnis von Fertig- zu Halbfertigprodukten in den zurückliegenden Jahren zugunsten der Halbfertigprodukte verschoben, womit man sich unter den Unileverstandorten eine unverzichtbare Funktion gesichert habe. "Wir sind ein strategisch wichtiger Mischstandort", so Röder. Deshalb sei auch eine dritte Mischlinie eingerichtet worden. Bei einem Augenschein im Werk wird offensichtlich, was Röder meint: Bigpack an Bigpack reiht sich im Verpackungsbereich. Laut dem Finanzchef fasst einer davon 800 Kilo. Mit den Fertigprodukten sind es 450 Millionen Beutel, die hier pro Jahr abgefüllt werden - von den ganz großen bis zu den kleinsten mit fünf Gramm Inhalt.

Oliver Schenk wollte nebst dem aktuellen Stand um den Preiskampf am Markt von Röder wissen, wie es um die Gewinnung von Fachkräften, den bürokratischen Aufwand und andere mögliche Problemstellen stehe. Wie alle Branchen habe auch die Lebensmittelindustrie mit den Fachkräftemangel zu kämpfen, berichtete Personalchefin Angela Kampa. Vor allem Jugendliche für eine Ausbildung zu gewinnen, sei schwierig. Im Schnitt würden drei bis sechs Lehrlinge ausgebildet, darunter aktuell auch ein Flüchtling. Kampa betonte die Häufigkeit von Betriebszugehörigkeits-Jubiläen, um die Zufriedenheit der Belegschaft zu unterstreichen. Bestes Beispiel: Der Betriebsratsvorsitzende Mario Wöckel feiert nächste Woche sein 44-Jähriges, verrät dieser am Rande.

Was die Bürokratie betrifft, laufe das meiste über die Hauptsitze in Hamburg und Rotterdam, erläuterte Röder dem Chefbeamten. Was ihm jedoch am Herzen liege: dass die Infrastruktur in der Region wettbewerbsfähig bleibt. Beispiel: schnelles Internet. An der Stelle verwies Knut Kirsten als Vertreter der Stadt auf das derzeit laufende Ausbauprojekt Vogtland Nord. Röder und Kirsten lobten sich gegenseitig für die unkomplizierte Zusammenarbeit vor Ort. Kirsten betonte die Bedeutung des Unilever-Werkes für Auerbach, das vor Ort der größte Arbeitgeber im Bereich des produzierenden Gewerbes sei.

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