Nach Überfall auf Supermarkt: Täter wollte ein Taxi bestellen

42 Monate muss ein Mann ins Gefängnis, weil er in Auerbach und Kirchberg Einkaufsmärkte ausraubte. Seine Beute: 2500 Euro

Zwickau/Auerbach.

Das Schöffengericht am Amtsgericht Zwickau hat am Montag einen 49 Jahre alten Zwickauer wegen räuberischer Erpressung zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der gelernte Maurer hatte zwei Einkaufsmärkte überfallen und die Kassiererinnen mit vorgehaltener Waffe gezwungen ihm die Kasseninhalte auszuhändigen. Da die Frauen nicht wissen konnten, dass es sich um eine täuschend echt aussehende Spielzeugpistole handelte, standen sie Todesängste aus, die teilweise noch heute nachwirken. Beide standen in medizinischer Behandlung. Eine Entschuldigung und Reue gegenüber den Kassiererinnen wären angebracht gewesen, wie Richter Stephan Zantke sagte. Doch darauf warteten sie vergebens.

Eine Behandlung hätte auch der Angeklagte benötigt, um seine seit 1995 andauernde Drogensucht zu bekämpfen. Chronische Geldnot, so erklärte der Hartz-IV-Empfänger, habe ihn zu den Überfällen getrieben. Mit dem Geld habe er seinen Nachschub an Crystal bezahlt. Dass der Mann mit einer relativ milden Strafe davonkam, hat er einer sogenannten Verfahrensabsprache zu verdanken. Bedingung für die Haftstrafe unter vier Jahren war ein Geständnis. Das hörte sich dann so an: "Ich gebe die Taten zu." Etwas genauer wollte es das Gericht dann doch wissen. Doch mehr wollte der Mann nicht sagen. Er könne sich daran nicht mehr erinnern, schob er den Grund dafür seiner Drogensucht zu. Erst auf konkrete Nachfragen des Richters und den gehörten Zeugenaussagen konnte sich das Gericht ein Bild machen.


Demnach hat er im Oktober 2018 einen Netto-Markt im vogtländischen Auerbach heimgesucht. Mit Sonnenbrille und einer Kapuze maskiert, nahm er eine Flasche Glühwein aus dem Regal und legte diese mit einer Kühltasche an der Kasse ab. Als die junge Kassiererin ihm den Betrag nannte, zog er seine Scheinwaffe auf der Tasche und verlangte das Bargeld. Dabei habe er klar und deutlich gesprochen und keine Nervosität gezeigt. "Er war immer Herr der Lage", sagte die Frau. Sie steckte das Geld, 1750 Euro, samt Kasseneinschub in die Kühltasche, und der Täter verschwand damit. Am nächsten Tag fand die Polizei Tasche, Einschub und etwas Geld neben einem Papierkorb an einem Parkplatz - samt Fingerabdrücken des Täters. Vier Wochen später war das Geld aufgebraucht. "Für Drogen", wie er dem Gericht sagte. Für die nächste Geldspritze wählte er den Penny-Markt in Kirchberg aus. Sonst blieb er seiner Vorgehensweise treu. Nur dass er diesmal Handschuhe trug. Die Beute betrug, neben dem Glühwein, rund 725 Euro. Kurios: Nach dem Überfall ging er in ein benachbartes Geschäft, kaufte Zigaretten und bat die Verkäuferin freundlich, ihm ein Taxi zu bestellen, was diese ablehnte. Eine Mitfahrgelegenheit bekam er dennoch. Weil der Discounter inzwischen die Polizei gerufen hatte, lief er den Beamten in die Arme.

Dabei hat der Angeklagte ein ansehnliches Vorstrafenregister. Seit 1985 stand er 17-mal unter anderem wegen Gefangenenmeuterei, Freiheitsberaubung und Geiselnahme vor Gericht. Von seinen knapp 50 Lebensjahren hat er mehr als 22 Jahre im Gefängnis verbracht.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...