Naturschützer streiten weiter ums Birkhuhn

Forstverbände fordern vom Umweltminister die Aussetzung des Artenschutzprogrammes. Wolfram Günther ist am Montag im Westerzgebirge, ein zuständige Ornithologe aus Auerbach auch.

Auerbach/Johann'stadt/Dresden.

Um das Artenhilfsprogramm für das Birkhuhn in Sachsen war lange gerungen worden, 2019 trat es in Kraft. Erste Projekte in den vier Vogelschutzgebieten entlang des Kammweges im Erzgebirge bis ins Vogtland sind aufgegleist und ausgeschrieben. Doch im Gebiet Westerzgebirge ist erneut Streit darum aufgeflammt: Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Sachsen und weitere Forstlobby-Verbände fordern, dort die Umsetzung des Birkhuhnschutzpogrammes sofort auszusetzen. So veröffentlichte es die Stiftung Wald für Sachsen, in deren Kuratorium die SDW sitzt, in ihrer Publikation "Waldblick" jüngst.

Unter "Waldverlust im Namen des Artenschutzes" wird vorgerechnet, dass für das Birkhuhn auf einer Fläche von 87 Hektar Zehntausende gesunde Bäume gefällt werden müssten, um die Birkhuhnpopulation von zwei auf vier Hähne und ebenso viele Hennen zu verdoppeln. Kosten: 280.000 Euro pro Hahn, wenn man die Aufforstungskosten der nun zu fällenden, über sechs Meter hohen Fichten mit einbeziehe.

Stiftung-Wald-Geschäftsführer und stellvertretender Vorsitzender SDW Sachsen Henrik Linder hält dies für unverhältnismäßig, zumal dem Vogelschutz anderer Arten- sowie Waldschutz gegenüberstünde und das Birkhuhn im EU-Schutzgebiet Westerzgebirge als zu schützende Art nicht aufgeführt sei. Lindner ist überzeugt, dass an der Stelle die Gesetzeslage falsch eingeschätzt wird und der Birkhuhnschutz sich auf die größeren Populationen auf der tschechischen Seite entlang des Kammweges konzentrieren sollte.

Dem widersprechen Udo Kolbe aus Olbernhau und Michael Thoß aus Auerbach. Die Ornithologen kämpfen seit Jahren um den Schutz des Birkhuhnes im Erzgebirge und bezeichnen die von der Stiftung Wald veröffentlichten Zahlen als "falsch". Das Maßnahmengebiet im Westerzgebirge umfasse 371 Hektar. Über fünf Jahre soll dort punktuell eingegriffen werden. Laut Thoß gibt es zwei Habitate nahe Johanngeorgenstadt, in denen die Vorkommen in den letzten Jahren auf je zwei Tiere geschrumpft sind. Diesen Herbst sollen dort 5,9 Hektar von Fichten freigeschlagen und auf weiteren 1,2 Hektar die Fichtenbestände aufgelichtet werden. Parallel werde entlang des Kammweges eine Fläche von 0,15 Hektar "entfichtet", damit die birkhuhnfreundliche Eberesche mehr Platz finde. In den vorgerechneten 87 Hektar sei auch die Renaturierung eines Moores enthalten. Zudem sind Kolbe und Thoß überzeugt, dass das Birkhuhn auch ohne Auflistung Schutzstatus nach EU-Recht habe. Sachsen habe neben der Lüneburger Heide außerhalb der Alpenregion die bedeutendsten Birkhuhnvorkommen in Mitteleuropa.

Das Artenschutzprogramm diene der europarechtlichen Verpflichtung zum Erhalt des Birkhuhnes, heißt es auch aus dem Umweltministerium dazu. Nichtsdestotrotz werde Minister Wolfram Günther (Bündnis 90/Die Grünen) am Montag sich vor Ort mit den Kritikern treffen. Als Vertreter der Ornithologen wird Michael Thoß dabei sein.

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.