Neuer Fahrplan: Rempesgrüner sind sauer

Statt 15 Minuten braucht der Direktbus ins Auerbacher Zentrum seit dem großen Fahrplanwechsel das Dreifache. Schnellere Alternativ-Routen mit Umsteigen halten betroffene Senioren aus dem Stadtteil für unzumutbar.

Rempesgrün/Auerbach.

Als diese Woche die Verbandsversammlung des ÖPNV tagte, sparte der Verbandsvorsitzende und Landrat Rolf Keil (CDU) nicht mit (Eigen)-Lob: Der Vogtlandkreis setze mit dem neuen Busnetz seit 13. Oktober sachsenweit Maßstäbe, so das Credo. In Rempesgrün dürfte das für rote Köpfe sorgen. Denn während mancherorts jetzt Busse fahren, wo bisher keiner mehr hielt, und andernorts nun Anschlüsse besser getaktet sind, fühlen sich die Senioren in dem Auerbacher Stadtteil seit Fahrplanumstellung abgehängt.

Das Problem: Bestand früher mit der Linie B in einer Art Ringverkehr eine stündliche Direktverbindung ins Auerbacher Zentrum, zum Friedhof und nach Rodewisch Obergöltzsch, müssen die Rempesgrüner nun mit der Stadtbus-Linie 11 das Dreifache der ursprünglichen Fahrzeit von einer Viertelstunde einplanen oder umsteigen. Beides halten die vornehmlich betagten Senioren - im Bild vor der Haltestelle Fichtzig in Rempesgrün - für eine Zumutung. "Kann man einen Stadtteil von Auerbach einfach so im Regen stehen lassen?", fragt Ingrid Heckel.

Die 69-Jährige ist Wortführerin im Austausch mit dem Verkehrsverbund. Im August schrieb sie den ersten Brief, in der Hoffnung, dass sich an den Plänen noch was ändern lässt. In einem Schreiben vom September machte der Verbund dies zunichte. Zwar räumte er eine Fahrzeit von "fast 45 Minuten von Rempesgrün bis in das Stadtzentrum von Auerbach" ein, verwies aber gleichzeitig auf Umsteigemöglichkeiten, die die "aufeinander abgestimmten Stadtbusse 11, 12 und 13 ab 13. Oktober" böten. Zum Beispiel: an der Haltestelle Einkaufszentrum Klingenthaler Straße von der 11 in die 12 umsteigen. Laut Fahrplanauskunft ist man so in 17 Minuten am Neumarkt in Auerbach.

Ingrid Heckel und ihre Mitstreiter könnten mit dieser Variante mitgehen, wenn sie denn nicht nur alle zwei Stunden möglich wäre. Zudem berichten die Betroffenen von Situationen, in denen der Anschlussbus am EKZ ihnen beinahe vor der Nase weggefahren wäre. "Nur durch Winken ist es uns gelungen, noch auf uns aufmerksam zu machen", beschreibt Heckel in einem weiteren Schreiben an den VVV von einem Vorfall am 17. Oktober um 11.30 Uhr. Zwei Stunden ohne Unterstand auf den nächsten Bus zu warten oder mit vollen Einkaufstaschen einen Fußmarsch von 15 Minuten anzutreten, sei für sie ausgeschlossen, sagen die Rempesgrüner.

Das gleiche gelte für weitere angebotene Alternativ-Routen: mit einer Schulbuslinie zur Beegerstraße, fünf Minuten zu Fuß bis zum Schützenhaus und dort minutengenau in eine Göltzschtallinie. Oder: Mit der 12 nach Mühlgrün und von dort mit dem Plusbus zur Haltestelle Goethepark in Auerbach. "Zu knappe Umsteigezeiten, zu gefährliche Straßenseitenwechsel", so die Einschätzung.

Ingrid Heckel hat zweimal an den VVV geschrieben, mehrmals telefoniert. Ein direktes Gespräch mit der Chefebene wurde ihr verwehrt. Aus drei schriftlichen Antworten, die "Freie Presse" vorliegen, resultiert unterm Strich: "Eine nachträgliche Änderung des Fahrangebotes ist nicht vorgesehen, die neuen Linien sind genehmigt und gedruckt." Pressesprecherin Kerstin Büttner erklärt zudem, dass sich den Rempesgrüner ja eine neue direkte Verbindung ins Kaufland an der Sternkoppel biete.

Heckel und Co. winken ab. "Die meisten von uns sind Witwen, Großeinkäufe machen wir nicht." Arzt, Apotheke, Friseur, Donnerstagmarkt, Friedhof - das seien die Ziele, die für sie wichtig sind. "Mein Mann liegt auf dem Friedhof", sagt beispielsweise Christa Wihnaleck, mit 91 die älteste Betroffene. Gisela Ungethüm, 80, hat bisher dort immer ihre Mutter besucht. Nun sei der Weg allein zu mühsam geworden.

Renate Lange, 79, zweimal am Knie operiert, beschwert sich zudem über Busfahrer, die die Fahrzeuge beim Einsteigen nicht absenken würden, obwohl die Technik vorhanden sei.

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