Neuer Prozess um grausamen Hundetod

Wer hat Meddox erschossen? Ein Kottengrüner, der vom Amtsgericht Auerbach als Todesschütze verurteilt wurde, beteuert seine Unschuld. Das Verfahren wird neu aufgerollt.

Zwickau/Kottengrün.

Peter Irion (60) sitzt als Zuschauer im Landgericht Zwickau und ringt mit den Tränen: Ein Tierarzt schildert als Zeuge die Todesumstände seines Hundes Meddox. Der Schuss aus einer Kleinkaliber-Waffe habe das Becken des Tieres zertrümmert: "Er konnte nicht mehr laufen, wahrscheinlich ist er verblutet - dort liegt ja die Hauptschlagader."

Der Veterinärmediziner hatte Anfang Oktober 2016 den Körper des Hundes begutachtet, der langsam in Verwesung überging. Es war nicht etwa eine amtlich beauftragte Untersuchung, sondern ein Freundschaftsdienst für den Nachbarn, nämlich Peter Irion. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor entschieden, das Tier könne sofort entsorgt werden - obwohl längst klar war, dass der entlaufene Hund vermutlich erschossen wurde und eine Anzeige gegen unbekannt lief. Auch die Spuren am mutmaßlichen Tatort hat nicht etwa die Polizei gesichert, sondern Peter Irions Frau Annett. Das sind nur einige der Merkwürdigkeiten des Falls.

Ein 63-jähriger Kottengrüner war im September 2018 vom Amtsgericht Auerbach wegen strafbarer Tiertötung zu einer Geldstrafe von 1520 Euro verurteilt worden. Er legte Berufung ein, deshalb wird der Prozess seit Mittwoch am Landgericht Zwickau neu aufgerollt.

Eines der bislang ungelösten Rätsel ist ein grüner Jeep Suzuki, mit dem der Angeklagte nach Angaben von zwei Zeuginnen regelmäßig rund um sein Wildgehege unterwegs war. Der 63-Jährige versichert dagegen, der Jeep sei wegen eines Getriebeschadens gar nicht fahrtauglich, und das schon seit 1994. Er habe ihn nur genutzt, um Werkzeug und ähnliches darin aufzubewahren. Der Jeep ist so wichtig, weil mit ihm der tote oder sterbende Hund vom mutmaßlichen Tatort am Wildgehege etwa zwei Kilometer weit zum Jägerswald gebracht worden sein könnte. Dort fand man Meddox eine Woche nach seinem Verschwinden.

Für das Geschehen gibt es keine direkten Augenzeugen - allerdings soll der Jeep des Angeklagten kurz nach einem Schuss am Wildgehege vorbei gefahren sein. Ansonsten gab es an Spuren nur noch die Blutlache dicht am Gehege. Das dort gefundene Blut konnte Meddox zugeordnet werden. Bei der Spurensicherung seien jedoch die Standards nicht beachtet worden, sagt der Verteidiger des Angeklagten - insofern zweifelt er auch dieses Ergebnis an. Am Tatort fand sich keine Patronenhülse, und die Waffen des Angeklagten sind offenbar nie daraufhin untersucht worden, ob mit einer von ihnen vielleicht auf Meddox geschossen wurde.

Eindeutige Beweise gegen den 63-Jährigen gibt es also nicht, lediglich Indizien für seine Schuld. Dazu gehört, dass er in zwei Fällen Hundehaltern mit der Waffe im Anschlag gedroht haben soll, weil sie ihre Tiere in der Nähe seines Rotwild-Geheges frei laufen ließen. Der Angeklagte bestreitet dies - er habe schon mal "in ländlichem Umgangston" und "etwas forsch" gefordert, die Tiere an die Leine zu nehmen. Denn die Hunde würden besonders die Kälber in seinem Gehege in Panik versetzen. Mit der Waffe gedroht habe er nie. Inzwischen hält er kein Rotwild mehr. "Von einem angeblichen Hundemörder nimmt doch kein Mensch ein Stück Fleisch", klagte er.

Der Prozess am Landgericht Zwickau geht am Freitag kommende Woche (15.2.), 9 Uhr, weiter. Zeugen sollen dann zur Fahrbereitschaft des Jeeps sowie zu den mutmaßlichen Drohungen des Angeklagten gegen sie und ihre Hunde aussagen.

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