Neuordnung im Auerbacher Rat: AfD wird zweitstärkste Fraktion

Mit knapp 20 Prozent der Wählerstimmen stehen der AfD künftig vier Sitze zu. Herbe Verluste dagegen bei CDU, SPD und Linken.

Auerbach.

Fast aus dem Stand mit vier Vertretern zieht die AfD in den Auerbacher Stadtrat ein. Die CDU verliert vier Sitze und wird künftig eine siebenköpfige Fraktion bilden. Noch deutlicher die Verluste bei SPD und Linken: Beide Parteien hatten bislang jeweils vier Vertreter im Gremium sitzen. Künftig werden es beiderseits nur noch zwei sein. Die Konstanten: VfB, Freie Wähler und FDP, die weiterhin mit je einem Stadtrat vertreten sind.

Die politischen Verschiebungen werden verstärkt, weil das Gremium gleichzeitig von 22 auf 18 Mitglieder verkleinert wird. Mehrheitsbildungen für Beschlüsse könnten sich künftig schwieriger gestalten.


Davon geht CDU-Fraktionsvorsitzender Joachim Otto aus, der den Stimmenverlust von über zehn Prozentpunkten gegenüber 2014 auf rund 35 Prozent bedauert. Mit Blick auf die mit 19,2 Prozent Wähleranteil zweitstärkste Fraktion sagt er: "Zur sachbezogenen Arbeit zugunsten unserer Stadt und Bürger gibt es keine Alternative."

Allein 2873 der 4752 AfD-Stimmen hat Jens Bunzel abgefasst. Dieser gibt sich selbstbewusst: Er habe mit dem Ergebnis gerechnet, es folge dem bundesweiten Trend, mit dem die CDU derzeit einen "Denkzettel" verpasst bekomme. Den AfD-Trend in Auerbach dürften, vom Protestwähler-Verhalten abgesehen, auch zwei andere Faktoren beeinflusst haben: Bunzel saß bislang schon im Stadtrat, hat vor einem knappen halben Jahr jedoch das CDU-Parteibuch gegen das der AfD ausgetauscht. Nach ihm zog Tilman Matheja die meisten AfD-Stimmen, der als Oberschul-Lehrer in Verbindung mit seiner politischen Gesinnung schon mehrmals Schlagzeilen machte. Mit Frank Schröter und Holger Baumann ist die Fraktion komplett.

Bunzel geht davon aus, dass die AfD als zweitgrößte Fraktion einen stellvertretenden Bürgermeister stellen wird und es diesbezüglich bei den anderen Fraktionen zu Abwehrreflexen kommen könnte.

SPD und Linke kontern ihrerseits: Jetzt komme es darauf, wie praxistauglich die AfD sei oder ob sie nur kritisieren könne. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Friedrich Fuchs räumt zugleich ein, vom Wahlergebnis nicht überrascht zu sein. Damit liegt er gleich auf mit Oberbürgermeister Manfred Deckert (parteilos), der es "nüchtern" betrachte und auf den sachbezogenen Charakter von Kommunalpolitik verweist.

Anders an der Spitze der Linken-Fraktion: "Ich war einigermaßen schockiert über diesen Ausgang", sagt Volker Mieth. Er habe mit Stimmen für die AfD gerechnet, jedoch nicht mit so vielen. Seine Analyse: "Hier wurde der Protest gewählt."

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Insgesamt acht Neue unter den 18 Räten

Neben den Neuen von der AfD gibt es auch in der CDU- und Linken-Fraktion Veränderungen. Neu für die CDU ziehen ein: Steffen Götz, Karsten Jungnickel und Stefan Reißmann. Bei den Linken nimmt Kathrin Kosche neu Platz. Umgekehrt haben den Einzug verpasst: Romy Hartwig (SPD) sowie Uda Hartmann, Mandy Richter und Andreas Ingrisch (Linke). (suki)

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