Nicht reagiert: Schütze verliert Waffen

Weil er sich hartnäckig dem Dialog mit den Behörden verweigerte, büßt ein Klingenthaler insgesamt fünf Schießeisen ein.

Auerbach/Klingenthal.

Über Monate hat ein 51-jähriger Klingenthaler den Kopf in den Sand gesteckt, wenn er Post von der Waffenbehörde des Vogtlandkreises bekam - er las die Briefe schon, legte sie dann aber einfach beiseite. Das ging auf Dauer nicht gut: Das Amtsgericht Auerbach bestätigte am Mittwoch, dass drei Gewehre, zwei Revolver und 49 Schuss Munition dauerhaft eingezogen werden, die dem Metallbauer gehörten. Zudem muss er eine saftige Geldstrafe wegen unerlaubtem Waffenbesitz zahlen.

Das Ganze hätte der Angeklagte leicht vermeiden können. Als Sportschütze war er im rechtmäßigen Besitz der Schießeisen, nahm an Wettkämpfen teil. Dann kam im Sommer 2018 eine Regelüberprüfung, wie sie die Waffenbehörde neuerdings vornimmt: Der Schütze muss sein "Bedürfnis" nachweisen, wie es in schönster Behörden-Prosa heißt. Gemeint ist sein berechtigtes Interesse an einer Waffen-Nutzung - zum Beispiel als Sportschütze. Angeblich wusste der Klingenthaler aber nicht, was er schreiben sollte. Außerdem hätte er halt gerade viele andere Dinge im Kopf gehabt, berichtete er vor dem Amtsgericht - zum Beispiel wegen der vielen Überstunden im Betrieb.


Auf Grund seiner fehlenden Reaktion kündigte das Landratsamt in einem neuen Schreiben an, dass seine Waffenbesitzkarte (WBK) widerrufen werde, wenn er sich nicht umgehend zur Sache äußere. Der Klingenthaler tat daraufhin - nichts. Nach Ablauf der Frist verlor der Mann tatsächlich im November seine WBK und wurde aufgefordert, das Dokument im Amt abzugeben. Man ahnt es schon: Er reagierte nicht. Er machte auch keinerlei Anstalten, seine Waffen zu veräußern oder unbrauchbar zu machen, was seine Pflicht gewesen wäre: Ohne WBK darf man nicht im Besitz von Gewehren und Pistolen sein.

Die Behörde ließ nicht locker und kündigte eine polizeiliche Durchsuchung der Wohnung des Mannes an. Er ignorierte das und ging am fraglichen Tag normal auf Arbeit. Es half ihm nicht: Die Polizei holte ihn aus seinem Betrieb ab und fuhr mit ihm nach Hause. Im Waffenschrank im Schlafzimmer standen zwei Repetierbüchsen, ein Einzellader und zwei Revolver der Marken Rossi und Ruger, dazu 49 Patronen. Immerhin war alles ordnungsgemäß gelagert. Die Polizei nahm das Arsenal im Wert von mehreren tausend Euro mit.

Ob er die Waffen nicht jetzt noch verkaufen könne, wollte der Angeklagte von Richter Helmut Böhmer wissen. Dafür sei es nun deutlich zu spät, erklärte dieser. Und verhängte eine Geldstrafe von rund 2200 Euro, was zwei Monatsgehältern des Klingenthalers entspricht.

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