Ob Wipfel oder ganzer Baum: Es geht um den Treff am Feuer

In mehreren Kommunen der Region sind am Wochenende die Weihnachtsbäume gemeinschaftlich entsorgt worden. Das wird unterschiedlich gehandhabt.

Ellefeld/Falkenstein/Werda.

Blitzschnell geht das Baumbrennen in Ellefeld. Kaum landet mehr oder weniger grünes Gehölz in den Flammen, ist es verschlungen. Denn die Feuerschalen am Oberen Schloss werden nicht mit ganzen Weihnachtsbäumen gefüttert, sondern nur mit den beiden oberen Etagen. Deshalb heißt der Brauch dort auch Wipfelfeuer. Andernorts in der Region geht es dagegen ordentlich zur Sache. Zum Beispiel beim "Dannebaambrenne" am Falkensteiner Schlossfelsen oder beim Tannenbaumbrennen in Werda. Dennoch haben alle Veranstaltungen etwas gemeinsam: Es kamen mehr Gäste, als die Organisatoren wetterbedingt erwartet hatten. Fiel am Freitagabend in Ellefeld Eisregen, bekamen es Falkensteiner und Werdaer tags darauf mit Schneeregen zu tun.

Neben reaktivierten Weihnachtsbuden für den Heißgetränkeausschank war in Ellefeld die schützende Bauhofgarage der Treffpunkt nach dem Wipfel-Entsorgen. "Dieses Jahr ist es noch schöner mit dem ganzen Schnee", fand Daniel Fleischer. Er und seine Söhne Nick (13) und Tom (6) lieferten zwei Baumspitzen ab. Daniel Fleischer findet die Idee gut, lediglich Wipfel zu verbrennen: "Da muss ich nicht komplette Bäume herschleppen."

Vor einem Jahr entdeckte Ellefeld den Brauch für sich. Damals war der Verein "Wir in Ellefeld" Ausrichter, dieses Jahr die Feuerwehr. Nächstes Jahr sind die Fußballer an der Reihe. Wehrleiter Rocco Herkner war mit 16 seiner 30 Kameraden angetreten, um das Wipfelfeuer abzusichern.

In Falkenstein bedurfte es einiger Männer mehr. Auch dort sicherten Feuerwehrleute Baumbrennen und Versorgung ab. Aber im Vergleich zu Ellefeld loderte am Schlossfelsen ein ziemlich mächtiges Feuer. Nur Wipfel anzunehmen, das verneinten Falkensteins Feuerwehrvereinschef Heiko Gallert und sein Stellvertreter Andreas Blechschmidt. "Mit halben Sachen geben wir uns nicht ab. Wir verbrennen Bäume", erklärten sie - drückten aber ein Auge zu, wenn das Mitbringsel kleiner ausfiel. "Vom Reisigstrauß bis zum Zweieinhalb-Meter-Baum war alles dabei", erzählten sie. In Falkenstein ist das Baumbrennen eine genauso junge Tradition wie in Ellefeld. 2018 kam der Feuerwehrverein auf den Gedanken, die Felsenkulisse und noch vorhandene Bornkinnelmarkt-Buden dafür zu nutzen.

Da hat man in Werda schon länger Erfahrung mit dem heißen Entsorgen von Weihnachtsbäumen: Die Feuerwehr organisierte das Spektakel am Sonnabend bereits zum 8. Mal an ihrem Depot. Insofern können die Werdaer inzwischen mit Fug und Recht von einer Tradition sprechen. Wehrleiter Daniel Edelmann zeigte sich zudem erfreut über den großen Zuspruch trotz des nasskalten Wetters: Mehr als 160 Besucher sorgten mit über als 80 ausrangierten Tannenbäumen dafür, dass das Feuer ordentlich loderte und die Veranstaltung zu einem kleinen, winterlichen Dorffest wurde. (mit darö)


Zur Sicherheit nur brennende Wipfel

Die Wipfelfeuer-Wiege steht in der Gemeindeverwaltung. Mit Bürgermeister Jörg Kerber hat Sylvia Dienel über die feurige Veranstaltung gesprochen.

Freie Presse: Was hat Sie auf die Idee zum Wipfelfeuer gebracht?

Jörg Kerber: "Als Gemeinde sind wir generell immer auf der Suche, wie wir Menschen zusammenbringen können. Das Verbrennen der Tannenbäume gab es bei uns bis vor zwei Jahren noch nicht. Wir wollten aber keine Kopie von Veranstaltungen in anderen Kommunen, sondern was Neues machen. In Ellefeld gibt es auch sehr starke Vereine, die so etwas gut organisieren können."

Warum wollten Sie das Baumbrennen anders gestalten?

"Es geht weniger um eine Reduzierung der Feinstaubbelastung. Aber wir sind hier mitten in der Bebauung und wollen das Obere Schloss nicht gefährden. Unmittelbar neben den Bauhofgaragen können die Feuer nicht so groß sein. Also nehmen wir nur die Wipfel. Die Bäume müssen sowieso weg, und wir feiern gerne. Das ist ein guter Anlass, sich nach den Feiertagen nochmals zu treffen."

Ist es umweltfreundlicher, nur die Wipfel zu verbrennen?

"Wenn etwas weniger Feinstaub entsteht, hat das natürlich etwas Gutes. So kann man Angenehmes mit Nützlichem verbinden. Ob das aber tatsächlich etwas bringt, weiß ich nicht. Mengenmäßig fällt es bestimmt nicht ins Gewicht. Aber man kann ja mal einen Anfang machen." dien

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