Orchester auf der Flucht: Gewitter demoliert Instrumente

Ein Auftritt auf der Seebühne fiel ins Wasser. Und tags darauf musizierte die Vogtland Philharmonie, als wäre nichts passiert.

Reichenbach/Zeulenroda.

Dieses Wochenende dürften die Musiker der Vogtland Philharmonie Greiz/ Reichenbach nicht so schnell vergessen. Das Orchester musste bei einem Konzert am Freitag die Seebühne in Zeulenroda wegen eines hereinbrechenden Gewitters fluchtartig verlassen. Doch obwohl der entstandene Schaden an Instrumenten und Technik bislang noch nicht zu überschauen ist und vielen Musikern noch der Schreck in den Knochen steckt, trat die Vogtland Philharmonie schon am Samstagabend wieder vor 3500 Besuchern auf dem Chemnitzer Theaterplatz bei "Classics unter Sternen" auf. Stefan Fraas, Intendant und Dirigent: "Das wichtigste ist, dass es keine Personenschäden gab."

Auf der Seestern-Panorama-Bühne sollte am Freitagabend das Event "2. Philharmonic Rock am Zeulenrodaer Meer" über die Bühne gehen. Die Wetterprognosen sagten ein an der Talsperre vorbeiziehendes Gewitter voraus, sodass die mit 800 Besuchern nahezu ausverkaufte Veranstaltung dennoch über die Bühne gehen konnte, so Stefan Fraas. "Doch das Gewitter drehte", schildert er. "Ich bin schon viel unterwegs gewesen, aber so etwas hatte ich noch nicht erlebt."

Als das Gewitter mit starkem Regen und Windböen aufzog, mussten die Musiker umgehend die Seebühne verlassen. Wäre ein Blitz auf der Bühne unmittelbar am Wasser eingeschlagen, wäre es akut gefährlich geworden, betont Fraas Alle blieben unverletzt. "Instrumente flogen vier Meter weit durch die Luft." Kontrabässe sind mit Wasser vollgelaufen und wurden erheblich beschädigt. Notenmaterial wehte es mehr als 20 Meter weit aufs Wasser hinaus. "Die Noten sind unwiederbringlich zerstört", bilanziert er. Ein Eingreifen wäre angesichts des Gewittersturms "völlig aussichtslos" gewesen. Eine an zwei Millimeter starken Stahlseilen aufgehängte Bassbox stürzte herab. Die Schäden an den Instrumenten sind noch nicht zu überblicken.

Als sich das Gewitter legte, klaubten die Musiker alles zusammen und legten eine nächtliche Extraschicht ein, um die wertvollen Instrumente zu trocknen. Und am Samstag folgte der nächste Auftritt in Chemnitz, als wäre nichts geschehen. "Es waren tolle äußere Bedingungen in Chemnitz", schwärmt Fraas und lobt den Einsatz seiner Musiker und Techniker.

Die Seestern-Panorama-Bühne wurde im Mai 2017 eröffnet. Inklusive Wegebau, Strandbereich, Spiel- und Parkplatz wurden in Zeulenroda 3,15 Millionen Euro investiert.

Die Veranstalter bieten den Besuchern des ins Wasser gefallenen Konzerts eine kulante Lösung an. Laut Stefan Fraas können sie die Tickets umtauschen und eine andere Veranstaltung auf der Seebühne besuchen.

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