Ost-West-Paar baut sich im Vogtland ein neues Zuhause

Dass der Umzug aus Hessen derart mit Hindernissen gespickt sein könnte, hätten Uwe Kunzmann und seine Frau Tanja Kunzmann-Faust nicht gedacht. Doch jetzt blicken sie nach vorn.

Abhorn.

Für Tanja Kunzmann-Faust ist der Umzug nach Abhorn, in das winzige Dorf mit nicht einmal 100 Einwohnern, das zu Lengenfeld gehört, das größte Abenteuer ihres Lebens. Sie kommt aus dem hessischen Ort Gemünden (Wohra), bei Marburg. Sie zog mit ihrer Familie aus einer belebten Kleinstadt mit riesigem Freundes- und Bekanntenkreis, vielen Verwandten, einem florierenden Kochstudio in ein Haus inmitten von Feldern und Wiesen, am Waldrand.

Abends kann das Paar vom Fenster aus Rehe beobachten. Eine schmale, holprige Straße führt vom Dorf zum abgelegenen ehemaligen Vierseitenhof. Sie kennt hier bisher kaum einen Menschen, außer ihren Mann, Uwe Kunzmann, mit dem sie seit zehn Jahren verheiratet ist und der aus dem Vogtland stammt.

Während dieser Zeit kümmerten sich Uwe Kunzmanns Eltern um "Pumphuts Scheune", eine Anlage mit fünf Ferienwohnungen, Pool, Sauna und Grillhütte, die vor 20 Jahren entstand. Jetzt sind die Eltern im Rentenalter angekommen und möchten die Anlage der nächsten Generation übergeben. Doch einfach umziehen ging für Tanja Kunzmann-Faust und ihren Mann nicht. Sie ist Allergikerin, hat Asthma und Neurodermitis. Die dreifache Mutter: "In einem Steinhaus kann ich nicht wohnen. Dort bekomme ich nach kurzer Zeit Atemnot. Ich muss sehr viele Medikamente nehmen, Asthmaspray, Nasentropfen."

In ihrem alten Zuhause in Hessen wohnte sie deshalb in einem Holzhaus: "Dort ging es mir immer gut. Es kam also auch hier nur ein Holzhaus infrage. Ich habe viel ausprobiert, habe in verschiedenen Häusern übernachtet, auch in Hotels und im Wohnmobil." Was genau ihre Allergie auslöst, weiß sie nicht. Vielleicht die Bestandteile im Beton oder der Wandfarbe. "Ich weiß nur, dass es mir selbst im Wohnmobil besser geht, als in einem gemauerten Gebäude."

Für die Familie stand 2012 fest, es muss ein Holzhaus gebaut werden. Beim Genehmigungsverfahren traten Probleme auf, weil sich das Grundstück der Kunzmanns im Außenbereich, also im nicht bebaubaren Bereich befindet. Ein bürokratischer Hürdenlauf strapazierte die Geduld des Paares.

Wechselnde Zuständigkeiten im Bauamt des Landkreises erschwerten die Angelegenheit. Drei Jahre vergingen, ehe für die Bauvoranfrage ein positiver Bescheid mit Auflagen vorlag: "Wir sollten in der Hälfte des Hauses Gewerbe einrichten, also Ferienwohnungen", so Tanja Kunzmann-Faust. Dann kam schließlich das Okay aus der Landkreisbehörde. Uwe Kunzmann: "Noch am selben Tag bekam ich einen Anruf, dass es doch nicht geht."

Schließlich stand die Forderung im Raum, gemeinsam mit der Gemeinde einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen. Das war 2016. Ein weiteres Jahr ging ins Land. "Wir haben die 5000 Euro investiert, die so etwas kostet, wussten zu diesem Zeitpunkt aber immer noch nicht, ob wir eine Baugenehmigung bekommen", so Uwe Kunzmann. Der Umzug hing in der Schwebe. Tanja Kunzmann-Faust: "Wir hatten in Rebesgrün eine Firma gefunden, die Holzhäuser baut. Als wir die Bäume für das Haus fällen ließen, lief das Verfahren noch. Selbst als der Hausbauer begann, das Haus vorzumontieren, hatten wir noch keine Genehmigung."

Weil die Tochter aber einen Ausbildungsplatz in Plauen gefunden hatte, drängte die Zeit. Die Familie zog notgedrungen in eine freie Wohnung auf ihrem Gelände. "In dieser Zeit ging es mir gesundheitlich wieder schlechter. Ich bin immer mal wieder für zwei Wochen zurück nach Hessen in mein Holzhaus, um mich zu erholen", so die Wahlvogtländerin. Im Juni 2017 lag dann endlich die Baugenehmigung im Briefkasten. Fast genau ein Jahr später konnten Kunzmanns mit ihren vier Hunden in ihr Holzhaus ziehen. Das war vor zwei Monaten.

Nun geht es darum den Feriengästebetrieb auf Vordermann zu bringen, unter anderem barrierefreies Wohnen, Stellplätze für Wohnmobile und Wohnwagen einzurichten. "Vielleicht richte ich auch wieder ein Kochstudio ein", schmiedet die Wahlvogtländerin Pläne.

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