Otto: "Wir brauchen das Brunner Bad"

Warum der Chef des Waldparkes Grünheide in Auerbach eine Schwimmhalle auf seinem Areal ablehnt

Ein neues Förderprogramm ermöglicht es Kommunen, alte Einrichtungen zu sanieren. Eigentlich eine Steilvorlage für die Sanierung des Brunner (Hallen-)Bades in Auerbach. Doch die Stadtverwaltung hat einen anderen Plan. Die alte Schwimmhalle soll abgerissen, eine neue andernorts errichtet werden: im Waldpark Grünheide. Und obwohl der Antrag schon gestellt ist, der Stadtrat ihn nachträglich absegnen soll, wirft das Fragen auf: kommunalrechtliche, juristische, politische - und persönliche. Joachim Otto (58), CDU-Stadtrat und Geschäftsführer des Waldparkes Grünheide, erklärt im Gespräch mit Susanne Kiwitter, warum ausgerechnet er an der Brunner Anlage festhalten will.

"Freie Presse": Herr Otto, die Stadtverwaltung hat die Projektskizze beim Fördermittelgeber schon eingereicht, heute Abend soll der Stadtrat den Plan nachträglich legitimieren. Als Stadtrat und Waldpark-Chef beziehungsweise -Vorstand machen Sie keinen Hehl daraus, dass Sie sich über das Vorgehen ärgern ...

Joachim Otto: Es wundert mich sehr, denn Knut Kirsten (zuständiger Amtsleiter, A.d.R.) wusste um meine Ablehnung in dieser Sache, vor allem in meiner Funktion für den Waldpark. Trotzdem hat er das Projekt an mir vorbei lanciert. Das ist eine absurde Situation, in die er mich damit gebracht hat.

Manch einer nimmt Ihnen die Ahnungslosigkeit in Ihrer doppelten Funktion nicht ab ...

Ich bin auch hier innerhalb der Waldpark-Struktur in Erklärungsnot geraten. Das hat für große Aufregung gesorgt und die Belegschaft verunsichert. Wir sind uns hier aber einig: Ein Hallenbad auf unserem Gelände bringt uns nichts.

Auf den ersten Blick klingt ein Hallenbad für den Waldpark doch gar nicht so schlecht?

Es gibt verschiedene Gründe, die dagegen sprechen. Die Verwaltung setzt unter anderem darauf, mit der Anknüpfung an unser bestehendes Blockheizkraftwerk ökologisch wertvolle Synergien zu schaffen. Doch Fakt ist: Unser BHKW ist bereits jetzt am Limit. Unser Turnhallenneubau, der derzeit läuft, kann gerade noch so in die Anlage integriert werden. Darüber hinaus haben wir auch ohne Schwimmhallenbau einen hohen Investitionsstau. Im Umkehrschluss heißt das: Das wirtschaftliche Risiko ist nicht überschaubar, auch im Hinblick auf den Betrieb des Bades. Im Sommer beherbergen wir im Schnitt 400 bis 500 Kinder und Jugendliche. Da reicht eine kleine Halle ohne Freibad nicht.

Die Stadt beantragt Fördermittel für einen Schwimmhallenersatzneubau auf fremdem Grundstück, wo noch nie eine Schwimmhalle stand. Für wie erfolgversprechend halten Sie den Antrag rein formell?

Ohne Zustimmung des Eigentümers - da stellt sich als erstes die Frage nach der Rechts- und Förderkonformität. Aber auch unabhängig davon halte ich das Ganze für einen Schnellschuss.

Ein Förderaufruf mit 100 Millionen Euro zur Sanierung kommunaler Einrichtungen - liegt es da nicht eigentlich auf der Hand, die Brunner Anlage zu sanieren und sie so wieder zu einem Ganzjahresbad zu machen?

Die Anlage hat aufgrund ihrer Geschichte bei Teilen der Verwaltung und des Stadtrates einen schlechten Stand. Das schließt Teile meiner Fraktion mit ein. Im Waldpark sind wir uns einig: Wir brauchen das Brunner Bad. Und während dort Eingangsbereich, WC, Duschen und Umkleiden zum Teil außerhalb der maroden Halle liegen, demzufolge weiter genutzt werden könnten, müsste das bei uns komplett neu gebaut werden. Das Hallenbad hier, Freibad und Sauna dort - das macht vor allem wirtschaftlich keinen Sinn und würde mittelfristig das Aus in Brunn und damit dort den teuren Rückbau der gesamten Anlage bedeuten.

Unabhängig dieser Tragweite: Ist das Vorgehen der Verwaltung gegenüber dem Stadtrat ein Fall für die Kommunalaufsicht?

Das müssen andere bewerten.


Zur Person

Joachim Otto (58) ist CDU-Stadtrat und Geschäftsführer des Waldparks Grünheide, der vom gleichnamigen Verein betrieben wird. Damit ist Otto gleichzeitig Vorstand - seit 2015 hauptamtlich, von 2010 bis 2015 an der Seite von Ulrich Mikulcak nebenamtlich. Heute steht ihm mit Sylvia Ott eine zweite Hauptamtliche als Stellvertreterin zur Seite.

Heute soll der Stadtrat in einer Sondersitzung den bereits eingereichten Förderantrag für die Halle im Waldpark absegnen. Die öffentliche Sitzung beginnt 16.30 Uhr im Rathaus. Otto gilt dabei als befangen. (suki)

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