Pächter und Stadträte halten an der Parkgaststätte fest

200.000 Euro sind in das Gebäude geflossen, ohne Fördergeld. Ein Ende der Sanierungsarbeiten ist noch nicht in Sicht. Während die nächsten Arbeiten warten, sehen sich die Pächter mit Gerüchten konfrontiert.

Lengenfeld.

In Lengenfeld wurde innerhalb der vergangenen zwei Jahre eines ihrer wichtigsten Wahrzeichen der Stadt, die Parkgaststätte, bautechnisch wieder auf Vordermann gebracht. Der vorerst letzte Paukenschlag war die Sanierung der Terrasse, von der aus Gäste einen schönen Blick über Lengenfeld genießen können. Die Stadtverwaltung ließ voriges Jahr Äste zurückschneiden, die die Sicht behinderten. Im Herbst vorigen Jahres öffnete die geschichtsträchtige Einkehrstätte mit den neuen Pächtern Evelyn und Matthias Schumann, nachdem zwei Jahre lang geschlossen war.

Doch kaum ist das beliebte Lokal wieder offen, kursieren Schließungsgerüchte. Evelyn Schumann widerspricht: "Nichts davon ist wahr. Wir haben nicht geschlossen und wir wollen auch nicht schließen." Bürgermeister Volker Bachmann (Pro Lengenfeld) hat die Gerüchte gehört und ärgert sich darüber. Er gehört zu den Personen, die froh sind, dass die Parkgaststätte wieder geöffnet hat. Pächter für eine leer stehende Gaststätte zu finden, sei heutzutage nicht leicht. Bachmann sagt: "An den Gerüchten ist nichts dran. Schumanns haben einen Pachtvertrag und daran hat sich seit vorigen Jahr nichts geändert."

Insgesamt 200.000 Euro investierte die Kommune. Fördergeld gab es nicht. Um das Geld aufzubringen, schichtete die Stadtverwaltung in Abstimmung mit dem Stadtrat Geld aus dem Budget für städtische Liegenschaften und Summen zur Stärkung des ländlichen Raumes um.

Der Erhalt einer Gaststätte gehört normalerweise nicht zu den Aufgaben einer Stadt. Viele andere Kommunen haben sich in ähnlichen Situationen längst von diesen Zuschuss-Objekten getrennt und privatisiert, nicht so Lengenfeld.

Die Stadt hat zu diesem Gebäude eine besondere Beziehung. Der Tuchfabrikant Fritz Thomas stiftete einst die Gaststätte und nahm den Räten vor mehr als 100 Jahren die Verpflichtung ab, die Gaststätte als ortsnahe Einkehrmöglichkeit den Lengenfelder zu erhalten. Die Stiftungsurkunde zu diesem Vorgang ist zwar nicht auffindbar, und rechtlich ist keine Verpflichtung zum Verbleib der Gaststätte in städtischem Eigentum nachweisbar, doch fühlten sich alle bisherigen Räte dieser Überlieferung moralisch verpflichtet. Ein Verkauf war nie ein Thema.

Allerdings existierte über 20 Jahre ein Erbbaupachtvertrag, den die Stadt 2016 auf Betreiben des Pächters auflöste. Damit lag die Verpflichtung zur Sanierung wieder bei der Kommune. Der bauliche Zustand hatte arg gelitten. Viele Gewerke gaben sich die Klinke in die Hand: "Maler, Parkettleger, Elektriker, Klempner, Trockenbauer, Metallbauer, Dachdecker, Tiefbauer, Fliesenleger, Fensterbauer, Küchenausstatter, Kühltechniker und eine Gebäudesicherheitsfirma hatten in der Parkgaststätte zu tun", berichtet der Bauamtsleiter Dirk Brandt.

Das Trockenlegen des Gebäudes und die Sanierung des Terrassenbereiches nahmen besonders viel Zeit und Geld in Anspruch. "Wir mussten abreißen, abdichten, Simse wieder herstellen, verblechen, neue Geländer und Handläufe anbringen lassen. Die Terrasse bekam einen neuen Plattenbelag. Die Treppe und Teile der Natursteinmauer mussten erneuert werden", zählt Brandt die Arbeiten auf, die im Außenbereich notwendig waren. Über den Abschluss dieses ersten großen Bauabschnittes sind vor allem die Pächter froh. Evelyn Schumann sagt: "Es ist alles sehr schön geworden." Die Parkgaststätte vermittle jetzt auch dank der nutzbaren Terrasse einen freundlichen, einladenden Eindruck mit einem wunderbaren Blick auf die Stadt.

Trotz der investierten Summe von 200.000 Euro ist an dem Gebäude noch nicht alles in trockenen Tüchern. Brandt zählt auf, womit sich die Stadträte und die Verwaltung künftig beschäftigen müssen: "In den Folgejahren werden immer wieder werterhaltende Maßnahmen notwendig. Das geht bis hin zu grundhaften Ausbesserungen an der Fassade aber auch zum Beseitigen weiteren Feuchtefolgen, wie das Wechseln korrodierter Eisenträger. Auch die Zufahrt wird demnächst ein Thema sein."

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